Europas Flüsse und Seen gehören zu den am stärksten veränderten Ökosystemen der Welt. Kaum ein Gewässer ist unbeeinflusst – viele wurden reguliert, aufgestaut oder durch menschliche Nutzung grundlegend verändert.
Die aktualisierte Rote Liste der IUCN (2025) – die umfassendste Bewertung europäischer Süßwasserfische seit 15 Jahren – macht die Folgen dieser Entwicklung sichtbar: Mehr als 40 % der Süßwasserfischarten Europas sind bedroht. Zusätzlich sind bereits zahlreiche Arten ausgestorben.
Viele Süßwasserfischarten Europas sind endemisch. Das heißt, sie sind weltweit auf diese Region beschränkt – sie kommen nirgendwo sonst vor. Häufig leben sie nur in einzelnen Flusssystemen, Seen oder sehr kleinen Lebensräumen. Verschwindet eine solche Population, bedeutet das nicht nur einen regionalen Verlust, sondern das globale Aussterben der gesamten Art. Der Rückgang europäischer Süßwasserfische ist daher weit mehr als ein lokales Problem: Er führt unmittelbar zu einem dauerhaften Verlust weltweiter Biodiversität.
Die Europäische Rote Liste der Süßwasserfische wurde von über 135 Expertinnen und Experten aus mehr als 30 Ländern erarbeitet und stellt eine wissenschaftlich fundierte Bewertung des Aussterberisikos dar.
Fast die Hälfte aller Fischarten bedroht
Die neue Rote Liste der IUCN 2025 umfasst insgesamt 558 bewertete Süßwasserfischarten in Europa. 77 Arten wurden zum ersten Mal bewertet, vor allem infolge taxonomischer Neubewertungen.

Das zentrale Ergebnis:
- 42,1 % (ca. 222 Arten) der europäischen Süßwasserfischarten gelten als bedroht – also gefährdet (VU), stark gefährdet (EN) oder als vom Aussterben bedroht (CR)
In der letzten europäischen Bewertung von 2011 lag dieser Anteil noch bei 37 % – ein Anstieg um 5,1 %. - Zusätzlich gelten 17,5 % (ca. 94 Arten) als potenziell gefährdet (NT). Diese Arten stehen kurzdavor, in eine Gefährdungskategorie aufzurücken.
2011 lag dieser Anteil noch bei lediglich 4,2 % – sie haben sich also mehr als vervierfacht.
Rechnet man bedrohte und potenziell gefährdete Arten zusammen, stehen 58,9 % aller europäischen Süßwasserfischarten unter erhöhtem Schutzbedarf. Das entspricht etwa 316 Arten. Berücksichtigt man zusätzlich bereits ausgestorbene (EX) oder in der Wildnis verschwundene Arten (EW), sind insgesamt mehr als 60 % der Arten betroffen.
Aufschlüsselung der Gefährdungskategorien
Für die noch existierenden Arten (ohne bereits ausgestorbene), ergibt sich folgende Verteilung:

- 8,6 % (46 Arten) sind vom Aussterben bedroht (CR) – Rückgang gegenüber 2011 (12 %), allerdings vor allem durch Neubewertungen
- 18,8 % (101 Arten) sind stark gefährdet (EN) – deutlicher Anstieg (2011: 9,9 %)
- 14 % (75 Arten) sind gefährdet (VU) – leicht rückläufig (2011: 15,1 %)
Der Anteil der stark gefährdeten Arten (EN) hat sich nahezu verdoppelt, während gleichzeitig deutlich mehr Arten in die Kategorie Potenziell bedroht (NT) aufrücken. Das deutet darauf hin, dass sich viele Arten schrittweise in Richtung höherer Gefährdung bewegen.
Ausgestorbene Süßwasserfischarten in Europa
Die aktuelle Rote Liste der IUCN listet 20 Arten europäischer Süßwasserfische, die seit dem Jahr 1500 ausgestorben sind. Viele der Arten sind bereits seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten verschwunden, wurden teils jedoch erst jetzt offiziell als ausgestorben bestätigt.
- 20 Arten gelten als global ausgestorben (EX) – darunter bekannte Arten aus Mitteleuropa wie der Bodensee-Kilch oder Fera und Gravenche aus dem Genfer See
- 1 Art ist regional ausgestorben (RE) – Aral-Barbe (Luciobarbus brachycephalus)
- 1 Art gilt als in der Wildnis ausgestorben (EW) – Petzea-Rotfeder (Scardinius racovitzai) aus dem Peta-See in Rumänien. Die Art überlebt nur noch in menschlicher Obhut, u. a. im Tiergarten Schönbrunn in Wien, im Zoo Plzeň (Tschechien) sowie in Zuchtprogrammen in Rumänien und Bulgarien.
Neue Einstufungen seit 2011
Seit der letzten europäischen Bewertung (2011) wurden neun Arten neu als ausgestorben (EX) bestätigt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um kürzlich erfolgte Aussterbeereignisse. Vielmehr zeigen neue Daten und gezielte Nachuntersuchungen, dass diese Arten bereits zuvor verschwunden waren, aber lange Zeit noch als vom Aussterben bedroht (CR) oder unter unzureichende Datenlage (DD) geführt wurden.
Die neu als ausgestorben eingestuften Fischarten:
- Orkney char (Salvelinus inframundus) – 1909 beschrieben von der Hoy-Insel, der zweitgrößten der schottischen Orkney-Inseln; letzter Nachweis in seinem natürlichen Lebensraum vermutlich 1912
- Maiforelle (Salmo schiefermuelleri) – endemisch im Donaueinzugsgebiet (Attersee, Traunsee, Fuschlersee), Österreich; letzte bestätigte Sichtung im späten 19. Jahrhundert
- Ören whitefish (Coregonus trybomi) – Lachsfisch aus dem Ören-See in Schweden; zuletzt in den 1950er-Jahren gesehen
- Zugeralbeli (Coregonus zugensis) – endemischer Lachsfisch im Zugersee in der Schweiz; seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr dokumentiert
- Starnberger Renke (Coregonus renke) – vermutlich bereits Ende des 19. Jahrhunderts im Starnberger See in Deutschland ausgestorben
- Chiemsee-Renke (Coregonus hoferi) – endemischer Lachsfisch aus dem Chiemsee in Deutschland; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verschwunden
- Bogardilla (Squalius palaciosi) – in Spanien endemischer Karpfenfisch; seit den späten 1990er-Jahren nicht mehr dokumentiert
- Wolga-Maifisch (Alosa volgensis) – anadromer Wanderfisch aus dem Kaspischen Meer und der Wolga (zuvor auch Terek und Ural); letzte Sichtung 2016 oder früher
- Thracian shad (Alosa vistonica) – im Vistonida-See in Griechenland endemischer Heringsfisch; 1995 zuletzt gesichtet
Diese Entwicklung zeigt ein typisches Muster: Viele Süßwasserfischarten verschwinden unbemerkt und ohne sofortige wissenschaftliche Dokumentation. Erst Jahrzehnte später, wenn gezielte Nachsuchen erfolglos bleiben und historische Daten ausgewertet werden, wird ihr Aussterben offiziell bestätigt. Die Rote Liste bildet also nicht nur aktuelle Verluste ab, sondern macht auch lange übersehene Aussterbeprozesse sichtbar.

Bild: Wilhelm Sandor, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons
Süßwasserfischarten am Rand des Aussterbens
Einige europäische Süßwasserfische gelten als vom Aussterben bedroht (CR), allerdings mit dem Zusatz möglicherweise ausgestorben (Possibly Extinct, PE bzw. Possibly Extinct in the Wild, PEW). Das bedeutet: Es gibt seit Jahren oder Jahrzehnten keine bestätigten Nachweise mehr, doch ein vollständiges Aussterben lässt sich nicht mit letzter Sicherheit belegen.
Zu diesen kritischen Fällen zählen nun:
- Struga-Forelle (Salmo balcanicus) – CR(PE)
Die Art ist im Ohridsee (Albanien) endemisch. Der letzte gesicherte Nachweis stammt aus den 1960er-Jahren. Seither fehlen gezielte Nachuntersuchungen. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu anderen Forellenarten des Sees könnte sie jedoch unbemerkt geblieben sein, etwa im Rahmen der kommerziellen Fischerei. - Pelasgus epiroticus – CR(PE)
Diese kleine Karpfenfischart ist im Pamvotida-See in Griechenland endemisch. Seit 2003 wurden keine Exemplare mehr nachgewiesen. Eutrophierung, Dammbau und die Einleitung ungeklärter Abwässer haben die Wasserqualität des Sees massiv verschlechtert. - Ammersee-Kilch (Coregonus bavaricus) – CR(PE)
Die Art aus dem Ammersee in Bayern ist vermutlich ausgestorben, denn zwischen 1951 und 2003 wurden lediglich drei Individuen dokumentiert. Die wichtigsten Gründe für den Rückgang sind Eutrophierung des Sees, Gewässerveränderungen im Einzugsgebiet (z. B. Begradigung der Ammer) sowie Überfischung, insbesondere von Jungfischen. - Atlantischer Stör (Acipenser oxyrinchus) – PEW
Die Art existiert vermutlich nicht mehr in natürlichen Populationen in der Ostsee, könnte aber durch Wiederansiedlungsprojekte oder Restbestände in kontrollierten Programmen überleben. Außerhalb Europas lebt der Atlantische Stör weiterhin entlang der nordamerikanischen Atlantikküste – von Kanada bis in den Golf von Mexiko – mit fortpflanzungsfähigen Populationen in mehreren Flusssystemen.
Diese Beispiele zeigen, wie schwer es ist, das Aussterben von Süßwasserfischen eindeutig festzustellen. Viele Arten leben in schwer zugänglichen Lebensräumen, sind selten oder werden mit ähnlichen Arten verwechselt. Dadurch können sie über Jahre hinweg unentdeckt bleiben, selbst wenn ihre Bestände bereits zusammengebrochen sind. Der Status möglicherweise ausgestorben (PE) markiert daher eine kritische Schwelle: Die Art könnte bereits verschwunden sein oder nur noch in letzten, unentdeckten Restpopulationen existieren.

Bild: Jörg Freyhof, CC BY-NC 4.0, via iNaturalist
Nicht mehr ausgestorben: 3 Wiederentdeckungen
Neben den zahlreichen Verlusten gibt es auch wenige positive Entwicklungen: Einige Arten, die lange Zeit als verschollen oder sogar ausgestorben galten, konnten wieder nachgewiesen werden und gelten heute nicht mehr als ausgestorben (EX):
- Bodensee-Tiefseesaibling (Salvelinus profundus)
Er galt über Jahrzehnte als verschwunden und wurde 2016 wiederentdeckt, nachdem mehr als 40 Jahre lang kein Nachweis gelungen war. Heute wird die Art als stark gefährdet (EN) eingestuft. - Ukliva-Strömer (Telestes ukliva)
Diese Art aus dem Cetina-Flusssystem in Kroatien wurde bereits 1997 wiederentdeckt, nachdem sie zuvor als verschollen galt. In der aktuellen Roten Liste wird sie als stark gefährdet (EN) geführt. - Danube delta gudgeon (Romanogobio antipai)
Der Gründling aus dem unteren Donauraum (Rumänien, Bulgarien, Ukraine) wurde 2016 wieder nachgewiesen. Er gilt heute als gefährdet (VU).
Selbst Arten, die über Jahrzehnte nicht beobachtet wurden, können in seltenen Fällen noch existieren. Entscheidend ist dabei gezielte Forschung: Nur durch intensive Felduntersuchungen lassen sich solche Restpopulationen nachweisen und damit überhaupt erst Schutzmaßnahmen einleiten.
Gleichzeitig machen diese Fälle auch deutlich: Das Fehlen von Nachweisen bedeutet nicht automatisch, dass eine Art ausgestorben ist, aber es erschwert ihren Schutz erheblich.
Echte Verbesserungen sind selten
Die Autorinnen und Autoren der IUCN Roten Liste 2025 machen deutlich, dass viele der beobachteten Veränderungen in den Gefährdungskategorien keine echten Verbesserungen widerspiegeln.
Von 224 Arten mit veränderten Bewertungen wurden:
- 113 Arten in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft
- 84 Arten in eine niedrigere Kategorie herabgestuft
Das könnte zunächst den Eindruck erwecken, dass sich ein erheblicher Teil der Bestände erholt hat. Doch dieser Eindruck täuscht, denn weniger als 5 % dieser Veränderungen beruhen auf tatsächlichen Entwicklungen in der Natur.
Der Großteil der Anpassungen ist auf andere Faktoren zurückzuführen: verbesserte Daten zur Verbreitung einer Art, präzisere Schätzungen der Populationsgrößen und taxonomische Neubewertungen (z. B. Aufspaltung oder Zusammenlegung von Arten). Mit anderen Worten: Viele Arten wurden nicht „gerettet“, sondern lediglich genauer erfasst und besser verstanden. Darauf weist auch die Entwicklung der Datenlage hin: Während 2011 noch 27 Arten als unzureichend bekannt (DD) galten, sind es in der aktuellen Roten Liste nur noch 6.
Betrachtet man ausschließlich reale Veränderungen der Bestände, ergibt sich ein deutlich ernüchternderes Bild:
- Nur 3 Arten zeigen eine echte Verbesserung
– darunter der Weißlachs (Stenodus leucichthys), der von in der Wildnis ausgestorben (EW) auf potenziell gefährdet (NT) herabgestuft wurde - Gleichzeitig haben sich 8 Arten nachweislich weiter verschlechtert.
Selbst bei den wenigen Verbesserungen handelt es sich oft nicht um klassische Erholungsgeschichten, sondern auf neuen Erkenntnissen über bereits bestehende Populationen.
Die Rote Liste wird präziser, aber der Zustand der Arten verbessert sich kaum. Der scheinbare Fortschritt ist also größtenteils ein statistischer Effekt. In der Realität bleibt echte Erholung die Ausnahme.
Besonders betroffen: Wanderfische, Karstsysteme und isolierte oder temporäre Gewässer
Besonders stark betroffen sind wandernde Arten. Rund 39 % der migrierenden Süßwasserfische zeigen rückläufige Bestände, während es bei nicht wandernden Arten nur etwa 14 % sind. Dieser Unterschied verdeutlicht, wie stark Flüsse heute fragmentiert sind: Dämme, Wehre und andere Querbauwerke unterbrechen Wanderkorridore, die für Fortpflanzung und Nahrungssuche entscheidend sind. Arten wie der Atlantische Stör oder der Maifisch (Alosa alosa) sind darauf angewiesen, zwischen Meer und Fluss zu wechseln, um ihre Laichgebiete zu erreichen. Werden diese Wege blockiert, brechen Populationen oft innerhalb weniger Generationen ein oder verschwinden ganz.
Auch bestimmte Lebensräume stechen durch besonders hohe Gefährdungsraten hervor. In Karstsystemen, die durch unterirdische Wasserläufe, Höhlen und isolierte Quellen geprägt sind, sind über 90 % der Fischarten bedroht. Diese Lebensräume beherbergen häufig hochspezialisierte, endemische Arten mit extrem kleinen Verbreitungsgebieten, etwa verschiedene Grundel- oder Elritzenarten auf dem Balkan. Schon geringe Veränderungen – etwa durch Wasserentnahme, Verschmutzung oder bauliche Eingriffe – können hier zum Zusammenbruch ganzer Populationen führen.
Ähnlich kritisch ist die Lage in Süßwasserquellen sowie in temporär wasserführenden Flüssen und Bächen, in denen jeweils rund 54 % der Arten als gefährdet gelten. Diese oft kleinen und isolierten Ökosysteme reagieren besonders sensibel auf Veränderungen im Wasserhaushalt. Viele von ihnen liegen im Mittelmeerraum, wo zunehmende Wasserknappheit, intensive Nutzung und der fortschreitende Klimawandel bestehende Belastungen weiter verstärken. Längere Trockenperioden, sinkende Wasserstände und steigende Temperaturen setzen Arten wie dem Ukliva-Strömer oder anderen regional endemischen Karpfenfischen zusätzlich unter Druck.

Bild: Depositphotos (Kooperation)
Die wichtigsten Bedrohungen für Europas Süßwasserfische
Die neue Rote Liste macht deutlich, dass der Rückgang vieler Arten kein Zufall ist. Die Ursachen sind bekannt und betreffen einen Großteil der europäischen Gewässer gleichzeitig.
1. Flussverbauung und Wassermanagement
Die größte Bedrohung geht von Eingriffen in Flusssysteme aus. Rund 69 % der Arten sind von Dämmen, Wasserentnahme und anderen Formen des Wassermanagements betroffen, weitere knapp 50 % durch zusätzliche Veränderungen wie Begradigungen oder Kanalisierungen.
Flüsse sind heute in weiten Teilen Europas stark fragmentiert. Dämme und Wehre blockieren Wanderwege, verändern natürliche Abflussmuster und verhindern, dass Fische ihre Laichgebiete erreichen. Gleichzeitig gehen wichtige Lebensräume verloren, darunter Auen, Überschwemmungsflächen und strukturreiche Uferzonen.
2. Verschmutzung
Ebenfalls weit verbreitet ist die Belastung durch Schadstoffe. Bis zu zwei Drittel aller Arten sind von Verschmutzung betroffen, insbesondere durch landwirtschaftliche Einträge, Abwasser und Industrieemissionen.
Nährstoffe aus der Landwirtschaft führen zur Eutrophierung von Gewässern und damit zu Sauerstoffmangel. Hinzu kommen Pestizide, Schwermetalle, Mikroplastik und zunehmend auch neue Schadstoffe wie Medikamente oder hormonell wirksame Substanzen.
3. Invasive Arten
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Ausbreitung nicht heimischer Arten. Mehr als die Hälfte der europäischen Süßwasserfische ist davon betroffen. Eingeschleppte Arten konkurrieren mit einheimischen Fischen um Nahrung und Lebensraum oder verdrängen sie direkt. In manchen Regionen, etwa im Mittelmeerraum, sind invasive Arten mittlerweile ebenso häufig wie die ursprüngliche Fauna.
4. Klimawandel
Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation. Steigende Wassertemperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Dürren setzen viele Arten unter Druck. Insbesondere spezialisierte Fische, die auf bestimmte Temperaturbereiche oder stabile Wasserstände angewiesen sind, reagieren besonders empfindlich.
5. Übernutzung
Auch die Nutzung der Gewässer selbst spielt eine Rolle. Fischerei, Wasserentnahme und andere Formen der Nutzung können Bestände direkt reduzieren oder Lebensräume weiter beeinträchtigen.
Entscheidend ist, dass diese Bedrohungen sehr selten isoliert wirken. Vielmehr greifen sie ineinander und verstärken sich gegenseitig. Dieses Zusammenspiel macht den Schutz von Süßwasserfischen so schwierig, da man mehrere Ursachen gleichzeitig beseitigen müsste, um Arten zu retten. Die Folge ist, dass sich viele Bestände trotz bekannter Ursachen bislang kaum erholen.
Eine der artenreichsten Wirbeltiergruppen
Süßwasserfische zählen zu den artenreichsten Wirbeltiergruppen der Erde und gelten als wichtige Indikatoren für den Zustand ganzer Ökosysteme. Ihr Rückgang ist daher kein isoliertes Phänomen, sondern ein deutliches Warnsignal für den fortschreitenden Verlust ökologischer Stabilität.
Europas Flüsse, Seen und Feuchtgebiete gehören zu den wertvollsten, zugleich aber auch zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen des Kontinents. Die neue Rote Liste der Süßwasserfische kommt daher zu einem entscheidenden Zeitpunkt: Der Schutz von Binnengewässern rückt zunehmend in den Fokus, und der Bedarf an belastbaren Daten wächst.
Die Ergebnisse liefern eine fundierte Grundlage, um Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen gezielter zu planen. Dabei ergänzt die IUCN Rote Liste bestehende Bewertungen: Während die Wasserrahmenrichtlinie den Zustand ganzer Gewässer erfasst, beleuchtet die Rote Liste die Situation einzelner Arten. Erst diese Kombination zeigt, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen tatsächlich wirksam sein können.
Ohne konsequente und koordinierte Maßnahmen – insbesondere zum Schutz von Lebensräumen, zur Reduktion von Verschmutzung, zur Kontrolle invasiver Arten und zur Eindämmung des Klimawandels – droht innerhalb weniger Jahrzehnte ein erheblicher Teil dieser Biodiversität unwiederbringlich verloren zu gehen.
Quellen
- European Commission, Directorate-General for Environment, Ford, M., Adams, C., Amaral, S., Artaev, O., et al. (2026). European Red List of freshwater fishes: Measuring the pulse of European biodiversity. Publications Office of the European Union. https://doi.org/10.2779/880135
- International Union for Conservation of Nature. (2026, 13. April). Almost half of European freshwater fishes at risk of extinction, new IUCN Red List reveals. https://iucn.org/press-release/202604/almost-half-european-freshwater-fishes-risk-extinction-new-iucn-red-list
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