IUCN Rote Liste 2024: Borneo-Zwergelefant vom Aussterben bedroht
In den letzten 75 Jahren ist die Zahl der auf Borneo lebenden Zwergelefanten dramatisch zurückgegangen. Die Tieflandwälder, in denen sie leben, werden großflächig abgeholzt, sodass die Elefanten nun als vom Aussterben bedroht gelten. Bernard DUPONT from FRANCE, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons))

IUCN Rote Liste 2024: Tausend zusätzliche Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht

Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) hat ihre neueste Rote Liste der bedrohten Arten veröffentlicht. Im 60. Jahr ihres Bestehens warnt die Liste, die mehr als 163.040 Arten umfasst, vor einem besorgniserregenden Anstieg der vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen. Über 45.000 Arten sind nun gefährdet – das sind 1.000 mehr als im Vorjahr. Zu den Faktoren, die dieses Aussterben vorantreiben, gehören Klimawandel, invasive Arten und menschliche Aktivitäten wie illegaler Handel und infrastrukturelle Expansion.

82% der Copiapoa-Kakteen-Arten vom Aussterben bedroht

Als besonders gefährdet gelten nun auch die Copiapoa-Kakteen, die in der Atacama-Wüste Chiles endemisch sind. Diese sind seit einigen Jahren als dekorative Zierpflanzen begehrt, was den illegalen Handel mit ihnen gefördert hat, der durch soziale Medien noch verstärkt wird.

Laut IUCN sind inzwischen 82 Prozent der Copiapoa-Arten vom Aussterben bedroht; im Jahr 2013 waren es noch 55 Prozent. Die Nachfrage nach den Kakteen in Europa und Asien sowie der Ausbau von Straßen und Wohngebieten haben den Zugang zu den natürlichen Lebensräumen der Pflanzen erleichtert und die Wilderei verschärft.

Bedrohte Tierarten: Borneo-Zwergelefant und kanarische Reptilien

Copiapoa coquimbana
Mehr als 80 Prozent der Copiapoa-Kakteenarten sind vom Aussterben bedroht. (© Pato Novoa, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Ebenfalls neu auf der Roten Liste ist der Borneo-Elefant (Elephas maximus borneensis), eine zwergwüchsige Unterart des Asiatischen Elefanten. Schätzungen zufolge leben nur noch etwa 1.000 dieser Zwergelefanten in freier Wildbahn. Ihr Rückgang ist hauptsächlich auf die Abholzung der Wälder Borneos zurückzuführen. Weitere Bedrohungen stellen Konflikte mit Menschen, landwirtschaftliche Expansion, Bergbau, Wilderei und Verkehrsunfälle dar.

Auch die Zahl der Reptilienarten auf den Kanarischen Inseln ist aufgrund eingeschleppter Schlangen erheblich zurückgegangen. Betroffen sind unter anderem die Populationen der Gran-Canaria-Rieseneidechse (Gallotia stehlini) und des Gestreiften Kanarenskinks (Chalcides sexlineatus), die seit der Einschleppung der invasiven Kalifornischen Kettennatter (Lampropeltis californiae) Ende der 1990er-Jahre stark zurückgegangen sind.

Erfolgsgeschichte: Der Iberische Luchs

Inmitten dieser unschönen Entwicklungen gibt es auch Erfolgsgeschichten. Der Iberische Luchs (Lynx pardinus), einst eine der am stärksten gefährdeten Wildkatzenarten der Welt, hat sich dank intensiver Naturschutzbemühungen erholt. Die Population ist von 62 erwachsenen Tieren im Jahr 2001 auf über 2.000 im Jahr 2022 gestiegen. Diese Erholung wurde durch die Wiederherstellung des natürlichen Lebensraums, die Erhöhung der Anzahl der Europäischen Kaninchen als Hauptbeute und die genetische Vielfalt durch Umsiedlung und kontrollierte Züchtung erreicht.

Seit 2010 wurden mehr als 400 Iberische Luchse in Portugal und Spanien wieder angesiedelt. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um sicherzustellen, dass die Populationen des Iberischen Luchses langfristig überleben, insbesondere angesichts verbleibender Bedrohungen wie Schwankungen der Beutepopulation, Wilderei und Verkehrsunfällen.

Die aktualisierte IUCN Rote Liste 2024 zeigt sowohl besorgniserregende Entwicklungen als auch hoffnungsvolle Erfolge im Bereich des Artenschutzes. Während der Druck auf viele Arten durch menschliche Aktivitäten und Umweltveränderungen zunimmt, beweisen erfolgreiche Naturschutzprojekte wie das des Iberischen Luchses, dass gezielte Maßnahmen zur Wiederherstellung von Populationen führen können.

Bei der IUCN handelt es sich um einen Dachverband von staatlichen und nichtstaatlichen Naturschutzorganisationen. Die Rote Liste existiert seit 1964. Sie umfasst aktuell rund 163.000 Tier- und Pflanzenarten, von denen mehr als 45.300 als bedroht gelten.

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