Archiv der Kategorie: Vögel

Ryūkyū-Liest

Guam-Zimtkopfliest Todiramphus cinnamominus cinnamominus

Der ausgestorbene Ryukyu-Liest unterscheidet sich vom Guam-Liest (Bild) lediglich darin, dass er rote statt schwarze Beine und kein schwarzes Nackenband aufweist. (© derivative work: Snowmanradio (talk)Guam_Micronesian_Kingfisher_at_Bronx_Zoo-8.jpg: Eric Savage, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Ryūkyū-Liest – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Ryukyu-Liest, Ryūkyū-Eisvogel, Ryukyu-Eisvogel, Riu Kiu-Liest, Riukiu-Liest, Miyako-Eisvogel, Zimtliest (miyakoensis)
lateinische Namen Todiramphus cinnamominus miyakoensis, Todiramphus miyakoensis, Halcyon miyakoensis
englische Namen Ryukyu Kingfisher, Miyako Island Kingfisher, Miyako Kingfisher,  Guam Kingfisher (Miyako-Jima I.), Micronesian Kingfisher (Miyako-Jima I.)
ursprüngliches Verbreitungsgebiet vermutlich Miyako-jima, Miyako-Inseln (Ostchinesisches Meer)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, spätes 19. Jahrhundert
Ursachen für das Aussterben unklar, vermutlich Lebensraumverlust

„One of the most mysterious of the world’s birds“

David Day bezeichnet den Ryukyu-Liest im Doomsday Book of Animals (1981) als einen der geheimnisvollsten Vögel der Welt, da man ihn nur von einem einzigen Exemplar (wahrscheinlich ein Männchen) her kennt. Dieses wurde am 5. Februar 1887 auf der japanischen zur Ryukyu-Inselgruppe gehörenden Insel Miyako-jima von einem Vogelsammler namens Y. Tashiro erlegt. Erst 30 Jahre später stellte man überhaupt fest, dass er sich von anderen, bislang bekannten Eisvögeln unterscheidet. So beschrieb der japanische Ornithologe Nagamichi Kuroda den Vogel als eigenständige Art Halcyon miyakoensis 1919 wissenschaftlich. Das Exemplar ist teilweise beschädigt und unterscheidet sich von anderen Eisvögeln anhand seiner dunkelroten Füße und der längeren Federn an den Handschwingen. Beim Ryukyu-Liest handelt es sich um ein incertae sedis innerhalb der Familie der Eisvögel (Alcedinidae): Seine Zuordnung zu einer bestimmten Gattung ist unklar. Der Museumsbalg befindet sich heute im Yamashina Institute for Ornithology.

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Kaiserspecht

Kaiserspecht – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Mexikanischer Elfenbeinspecht, Carpintero Gigante
lateinischer Name Campephilus imperialis
englische Namen Imperial Woodpecker, Mexican Ivory-billed Woodpecker
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Mexiko
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1956
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Ein Zahnarzt aus Pennsylvania im Hochland Mexikos

kaiserspecht Campephilus imperialis

Der männliche Kaiserspecht besaß eine schwarz-rote und das Weibchen eine schwarze spitze Haube. (© American Ornithologists‘ Union, No restrictions, via Wikimedia Commons)

Bereits in den 1950er-Jahren war klar, dass es nur noch wenige Kaiserspechte gibt. In dieser Zeit arrangierte William L. Rhein, ein Zahnarzt und Hobby-Ornithologe aus Pennsylvania, drei selbstfinanzierte Expeditionen in die riesige Sierra Madre, dem zentralen Hochland von Mexiko. Er wollte diesen einzigartigen Specht finden und seine Existenz dokumentieren. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Kaiserspecht kaum erforscht; es existierten nicht einmal Fotografien von ihm. Erst auf seiner dritten Expedition in die Sierra Madre gelang es Rhein, Videoaufnahmen von einem Kaiserspecht zu machen. Rhein filmte 85 Sekunden lang, wie ein Kaiserspecht-Weibchen im Kreis von Baum zu Baum flog und gelegentlich nach Nahrung suchte. Leider entsprachen die Filmaufnahmen nicht Rheins Qualitätsansprüchen, sodass er sie jahrzehntelang unter Verschluss hielt. Erst der niederländische Ornithologe Martjan Lammertink brachte die Kaiserspecht-Aufnahmen ans Licht der Öffentlichkeit. Lammertink entdeckte nämlich in den Archiven der Cornell University einen Brief, den Rhein Anfang der 1960er-Jahre an den Spechtforscher James Tanner geschrieben hatte. Darin erwähnte er die Kaiserspecht-Aufnahmen. Lammertink, dessen Forschungsschwerpunkt Spechte sind, spürte Rhein in Pennsylvania auf und interviewte diesen weniger als zwei Jahre vor seinem Tod.

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Aucklandsäger

mergus-australis Aucklandsäger

Illustration von 1909. Der Aucklandsäger hielt sich vor allem im Süßwasser auf und begab sich in Flüssen, Flussmündungen und geschützten Buchten auf Nahrungssuche. (© F. W. HUTTON, F.E.S. AND JAMES DRUMMOND, Public domain, via Wikimedia Commons)

Aucklandsäger – Steckbrief
lateinischer Name Mergus australis
englische Namen New Zealand Merganser, Auckland Merganser, Auckland Islands Merganser, Auckland Island Merganser, Southern Merganser
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Aucklandinseln (Südpazifik, Neuseeland)
Zeitpunkt des Aussterbens 1902
Ursachen für das Aussterben Bejagung, auf Inseln eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

An Unsuccessful Search

Zwischen 1972 und 1973 suchten die Ornithologen Gordon Williams und Milton Weller nach dem seit 70 Jahren nicht mehr dokumentierten Aucklandsäger. Beim Aucklandsäger handelt es sich um einen Entenvogel, der auf den bis dahin wenig erforschten Auckland Islands, eine subantarktische Inselgruppe, endemisch war. Im Zentrum der Expedition stand die zweitgrößte Insel der Inselgruppe: Adams Island – die einzige große Insel, auf der keine in der Vergangenheit eingeschleppten Säugetiere lebten. Williams und Weller inspizierten besonders die nördliche, gut geschützte Küste von Adams Island, denn dort wurde das letzte Paar Aucklandsäger 1902 vom Earl of Ranfurly gesehen und gesammelt. Drei Monate lang durchforsteten die beiden Experten sämtliche Gebiete, in denen Enten leben könnten, durchkämmten die Küstengewässer und besuchten alle Häfen und Inselchen der Aucklandinseln – mit dem Ergebnis, dass die Aucklandsäger tatsächlich verschwunden zu sein scheinen. Die Ergebnisse vorangegangener Suchaktionen haben sich somit bestätigt.

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Kuba-Ara

Kuba-Ara – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Kubaara, Dreifarben-Ara, Dreifarbenara
lateinische Namen Ara tricolor, Psittacus tricolor, Sittace? lichtensteini, Ara tricolor haitius, Ara cubensis
englische Namen Cuban Macaw, Cuban Red Macaw, Hispanolian Macaw
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kuba, Isla de la Juventud
Zeitpunkt des Aussterbens Ende des 19. Jahrhunderts
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Nestraub, Lebensraumverlust, Hurrikans, Exotenhandel, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Eigentliche und hypothetische Aras auf den Karibischen Inseln

kuba-ara

Kuba- oder Dreifarben-Ara,1907. Der zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) gehörende Vogel erreichte eine Größe von rund 50 Zentimetern. (© John Gerrard Keulemans (1842 – 1912), Public domain, via Wikimedia Commons)

Mindestens sieben, vielleicht sogar 15 unterschiedliche prähistorische und historische Ara-Arten sollen einst auf den Karibischen Inseln, zu denen auch die Kleinen und Großen Antillen gehören, gelebt haben. Einige dieser Arten sind rein hypothetisch. Das heißt, man kennt sie überhaupt nur, weil jemand sie zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert schriftlich erwähnt oder gemalt hat, aber echte Beweise für ihre Existenz gibt es keine. Die am besten bekannte Spezies ist der Dreifarben- oder Kuba-Ara. Sie ist die einzige Art, von der es ganze Exemplare präpariert als Bälge in Museen gibt: Vogelhäute mit Gefieder, Schnabel, Beinen und Füßen. Ein vollständiges Skelett steht uns vom Kuba-Ara bislang aber auch nicht zur Verfügung. Von der Existenz des St.-Croix-Aras (Ara autochthones) wissen wir heute beispielsweise nur aufgrund eines prähistorischen Unterschenkelknochens, den man in einer archäologischen Ausgrabungsstätte auf der Antillen-Insel Saint Croix entdeckt hat.  Weiterlesen

Labradorente

Labradorente

Die Labradorente war mit circa 50 Zentimeter Körperlänge eine kleine Entenart. Das Pracht- oder Brutkleid des Männchens (rechts) war schwarzweiß. Die Weibchen (links) waren stets braungrau. (© Rothschild, Lionel Walter Rothschild, Public domain, via Wikimedia Commons)

Labradorente – Steckbrief
lateinischer Name Camptorhynchus labradorius
englische Namen Labrador Duck, Pied Duck, Skunk Duck, Sand Shoal Duck
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Ostküste Nordamerikas
Zeitpunkt des Aussterbens 1878
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Bejagung und Ausbeutung, Lebensraumverlust, Veränderungen des Ökosystems

Über die Biologie der Labradorente ist wenig bekannt

Von der Labradorente wissen wir, dass sie schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht selten war. Innerhalb eines kurzen Zeitraums zwischen 1850 und 1870 verschwand die Entenart allmählich. Und im Herbst 1875 oder 1878 erschoss ein Jäger auf Long Island das letzte Exemplar. Bis heute ist nicht vollständig geklärt, warum die Labradorente ausgestorben ist.

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Huia

Huia oder Lappenhopf (Heteralocha acutirostris) - Illustration von Keulemans

Männliche Huias (unten) erreichten eine Länge von rund 45 Zentimeter, weibliche Huias (oben) zwischen 48 und 55 Zentimeter. Die Illustration stammt von John G. Keulemans aus Walter Bullers „A History of the Birds of New Zealand“ von 1873. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Huia – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Lappenhopf, Hopflappenvogel
lateinische Namen Heteralocha acutirostris, Neomorpha acutirostris (Weibchen),
Neomorpha crassirostris (Männchen), Neomorpha gouldi, Heteralocha gouldi 
englischer Name Huia
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordinsel Neuseelands
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1907
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Wenn Männchen und Weibchen wie zwei unterschiedliche Arten erscheinen

Der besonders ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus zwischen den weiblichen und den männlichen Huias sorgte in der Vergangenheit für Verwirrung. Das ging sogar so weit, dass der englische Ornithologe John Gould 1836 Huia-Männchen und -Weibchen als unterschiedliche Arten beschrieb. Noch heute wird das Zustandekommen der geschlechtsbezogenen Schnabelform und -länge unter Wissenschaftlern diskutiert, da dies in einem solchen Ausmaß von keiner anderen Vogelart bekannt ist. Die größeren weiblichen Vögel besaßen einen langen, dünnen und nach unten gebogenen Schnabel, während die kleineren Männchen sich durch einen kurzen, kräftigen Schnabel ähnlich einer Krähe auszeichneten.

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Kubanischer Elfenbeinspecht

kubanischer elfenbeinspecht

Ein männlicher Kubanischer Elfenbeinspecht, im Oktober 1948 vom Ornithologen John Dennis fotografiert. (© John Dennis, Public domain, via Wikimedia Commons)

Kubanischer Elfenbeinspecht – Steckbrief
alternative Bezeichnung Carpintero Real
lateinische Namen Campephilus principalis bairdii, Campephilus bairdii
englischer Name Cuban Ivory-billed Woodpecker
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kuba
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1987
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Kubanischer Elfenbeinspecht: Die letzten und einzigen Fotos entstanden 1948

Der Ornithologe John V. Dennis und der Vogelbeobachter Davis Crompton reisten 1948 nach Kuba, um den Gerüchten, dort gäbe es noch Elfenbeinspechte, auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich: In einem kahl geschlagenen Kiefernwald der Provinz Oriente nistete in einer toten Kiefer ein Paar Kubanischer Elfenbeinspechte. Dennis schoss die bis dato einzigen Fotos lebender Elfenbeinspechte auf Kuba – und die letzten wissenschaftlich anerkannten Fotografien der Vogelart. Von da an verbrachte Dennis den Rest seines Lebens damit, nach dem Elfenbeinspecht zu suchen…

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Norfolk-Erdtaube

Pampusana norfolkensis Norfolk-Erdtaube

Die einzige Darstellung der Norfolk-Erdtaube, um 1790 gezeichnet von John Hunter. (© See page for author, Public domain, via Wikimedia Commons)

Norfolk-Erdtaube – Steckbrief
lateinische Namen Pampusana norfolkensis, Alopecoenas norfolkensis, Alopecoenas norfolciensis, Gallicolumba norfolciensis, Columba norfolciensis 
englische Namen Norfolk Ground Dove, Norfolk Ground-dove, Norfolk Island Ground-dove, Norfolk Island Ground Dove
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Norfolkinsel (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens um 1800
Ursachen für das Aussterben Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

1801 beschrieben und 2015 noch einmal – die Norfolk-Erdtaube

Von der Norfolk-Erdtaube gibt es nicht besonders viel: eine wissenschaftliche Erstbeschreibung durch den britischen Ornithologen John Latham aus dem Jahr 1801, eine Zeichnung von John Hunter aus dem Jahr 1790 sowie vier fossile Knochen, gefunden 1985 und 1997. Und eigentlich ist es noch weniger, denn Lathams Beschreibung wirft Zweifel auf. Sie enthält sowohl Merkmale des von Hunter gemalten Vogels als auch von zwei anderen Taubenarten der Norfolkinsel.

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Rodrigues-Solitär

Pezophaps solitaria Rodrigues-Solitär

Der ausgestorbene Rodrigues-Solitär ist nah verwandt mit der heutigen Kragentaube (Caloenas nicobarica). Die Darstellung stammt aus L. W. Rothschilds Buch Extinct Birds (1907). (© Frederick William Frohawk, Public domain, via Wikimedia Commons)

Rodrigues-Solitär – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Rodriguez-Solitär, Rodrigues-Einsiedler, Rodriguez-Einsiedler
lateinische Namen Pezophaps solitaria, (Pezophaps minor), Didus solitarius
englische Namen Rodrigues Solitaire, Rodriguez Solitaire
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Rodrigues (Maskarenen, Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, möglicherweise 1730er-Jahre
Ursachen für das Aussterben Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

Die Inselkette der ausgestorbenen Vögel

Etwa 580 Kilometer östlich von Madagaskar liegt die knapp 110 Quadratkilometer große Insel Rodrigues (auch Rodriguez) als Teil der Maskarenen im Indischen Ozean. Auf ihr lebte einst der Rodrigues-Solitär, eine große, flugunfähige Taube, nahe verwandt mit dem ausgestorbenen Dodo von der Maskarenen-Insel Mauritius. Und 200 Kilometer weiter wiederum befindet sich die Insel Réunion, auf der der flugunfähige Réunion-Solitär, den man lange Zeit für einen weißen Dodo hielt, einmal existierte.

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Nördliche Spitzschwanzente

Chile-Spitzschwanzente - wie auch die Nördliche Spitzschwanzente, eine Unterart der Spitzschwanzente

Das Bild zeigt die in Südamerika weit verbreitete Chile-Spitzschwanzente (Anas georgica spinicauda). Sie ist – wie die ausgestorbene Nördliche Spitzschwanzente – eine Unterart von A. georgica. (© Joseph Smit, Public domain, via Wikimedia Commons)

Nördliche Spitzschwanzente – Steckbrief
lateinische Namen Anas georgica niceforoi, Anas niceforoi
englischer Name

Niceforo’s Pintail

ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kolumbien
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1952
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Lebensraumzerstörung

Nördliche Spitzschwanzente: Kaum erforschte Unterart

Über die Nördliche Spitzschwanzente lassen sich kaum mehr Informationen als die folgenden finden: Es handelt sich um eine der drei Unterarten der Spitzschwanzente Anas georgica, sie war in Zentralkolumbien heimisch und starb in den 1950er-Jahren aus.

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