Archiv der Kategorie: Säugetiere

Königsgenette

Königsgenette Genetta poensis

Zu sehen sind v.l.n.r.: 1 + 2 Liberia-Genette (Genetta johnstoni), 3 Westafrikanischer Linsang (Poiana leightoni), Königsgenette (Genetta poensis). R.I.Pocock, Public domain, via Wikimedia Commons)

Königsgenette – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Königs-Ginsterkatze, Königs-Genette, Genette Royale
lateinischer Name Genetta poensis
englischer Name King Genet
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Liberia, Elfenbeinküste, Ghana, Bioko, Kongo (Westafrika)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, frühestens 1946
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumzerstörung

Nur von zehn Museumsexemplaren her bekannt

Genetten oder Ginsterkatzen (Genetta) leben vor allem in Afrika und gehören zur Familie der Schleichkatzen (Viverridae). Die Gattung der Ginsterkatzen umfasst 15 Arten – eine davon ist die Königsgenette. Von allen Genetten ist sie die am wenigsten erforschte. Nur zehn Museumsexemplare sind bekannt; „gesammelt“ von Jägern, die letzten im Jahr 1946. Das heißt, seit Jäger 1946 Fell und Schädel von Königs-Ginsterkatzen in ein Museum gebracht haben, gab es weder bestätigte Sichtungen der Ginsterkatzenart noch hat jemand ein erlegtes Tier vorweisen können.

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Borys Weiße Fledermaus

Ectophylla alba

Die Gelbohr- oder Weiße Fledermaus (Ectophylla alba) gehört zu den wenigen heute bekannten Fledermausarten mit weißem Fell. Sie weist ähnliche Verhaltensweisen wie Borys Weiße Fledermaus auf. (© Charlie Jackson, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Borys Weiße Fledermaus – Steckbrief
lateinischer Name Boryptera alba
englischer Name Bory’s White Bat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Réunion (Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1801 oder später
Ursachen für das Aussterben vermutlich auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

„Kleine weiße Fledermäuse“ suchen Schutz in Palmenblättern

Der französische Naturforscher und Botaniker Jean Baptiste Bory de Saint-Vincent erkundete im November 1801 die Mündung des Rivière du Mât in der heutigen Gemeinde Saint-Joseph im Süden der Insel La Réunion. Er studierte gerade dort wachsende Rote Latanpalmen (Latania lontaroides), als er etwas entdeckte: „Kleine weiße Fledermäuse (…) suchen tagsüber zwischen den Blattstielen Schutz“ in den Palmen. Und als Bory einige Tage später den Sandstrand der Gemeinde L’Étang-Salé entlang lief, bemerkte er „ein paar Latanpalmen, spindeldürr und vom Wind zerzaust, die einzigen Bäume, die ich hier gesehen habe. (…) Die kleinen weißen Fledermäuse kommen, um Schutz gegen die Hitze des Tages zu suchen, in den zerrissenen Blättern dieser Bäume“.

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Bali-Tiger

Jagdgesellschaft um O. Vojnich mit totem Bali-Tiger

Jagdgesellschaft des Barons Oszkar Vojnich (Oscar Voynich) mit erlegtem Bali-Tiger im Jahr 1911. (© O. Vojnich, Public domain, via Wikimedia Commons)

Bali-Tiger – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Balitiger, Sunda-Tiger, Samong, Harimau Bali
lateinische Namen Panthera tigris sondaica, Panthera tigris balica, Panthera tigris ssp. balica, Panthera sondaica ssp. balica, Felis tigris balica
englische Namen Bali Tiger, Balinese Tiger, Sunda Island Tiger
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Bali (Indonesien, Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1940er-Jahre
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumverlust

Bali-Tiger: Ein kolonialzeitliches Opfer des Jagdtourismus

Kurz nachdem die zu Indonesien gehörende Insel Bali 1908 unter niederländische Kolonialherrschaft geriet, entstanden auch schon die ersten Fotografien, die weiße Männer in Leinenanzügen mit Tropenhelmen, halbnackte Inselbewohner und getötete Bali-Tiger zeigen. Den ersten Tiger soll der ungarische Baron Oszkar Vojnich 1911 auf Bali erlegt haben. Mit In the East Indian Archipelago, 1913 in Budapest veröffentlicht, ließ er die Welt an seinem Jagderlebnis sogar teilhaben. Es heißt, Vojnich erweckte das Interesse der lokalen Bevölkerung an Tigern beziehungsweise an der Jagd auf diese. In Anbetracht dessen erscheint es paradox, dass die meisten Fotos und dokumentarischen Aufzeichnungen über den Bali-Tiger, die uns heute zur Verfügung stehen, von eben jenem Vojnich stammen sollen. Weiterlesen

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte

Bramble Cay Mosaikschwanzratte Melomys rubicola

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte erreichte eine Körperlänge von 14 bis 16 Zentimeter; ihr schuppiger, dünner Schwanz war noch einmal 14,5 bis 18 Zentimeter lang. (© Ian Bell, EHP, State of Queensland, Creative Commons Attribution 3.0 Australia)

Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte – Steckbrief
lateinischer Name Melomys rubicola 
englische Namen Brambly Cay Melomys, Bramble Cay Mosaic-tailed Rat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Bramble Cay (Torres-Strait-Inseln, Australien)
Zeitpunkt des Aussterbens zwischen 2009 und 2011
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust durch Klimawandel, wiederholte Überflutung der Insel

Das erste Opfer des menschengemachten Klimawandels

Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte gilt als die erste Säugetierart, die primär oder ausschließlich aufgrund des anthropogenen Klimawandels für ausgestorben erklärt wurde. Sie lebte auf der Torres-Strait-Insel Bramble Cay, einer der am stärksten begrenzten Lebensräume. Bramble Cay ist eine unbewohnte, nur 150 Meter breite und 340 Meter lange Sandinsel am nördlichsten Punkt Australiens, umgeben von einem Korallenriff des Great Barrier Reef. Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte galt als das isolierteste australische Säugetier. Sie teilte sich ihren Lebensraum mit zahlreichen Seevögeln und nistenden Meeresschildkröten.

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Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus

Pipistrellus tenuis

Zunächst hielten Wissenschaftler die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus für eine Unterart der Weißflügelfledermaus (Bild), die ebenfalls der Gattung der Zwergfledermäuse (Pipistrellus) angehört. (© Manoj P, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus – Steckbrief
lateinische Namen Pipistrellus murrayi, Pipistrellus tenuis murrayi
englische Namen Christmas Island Pipistrelle, Murray’s Pipistrelle, Murray’s Pipistrelle Bat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Weihnachtsinsel (Indischer Ozean, Australien)
Zeitpunkt des Aussterbens 2009
Ursachen für das Aussterben unklar, wahrscheinlich auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust, Krankheiten

Die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus – Das erste seit 60 Jahren ausgestorbene Säugetier Australiens

Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung und mit Beginn der Besiedlung der australischen Weihnachtsinsel in den 1890er-Jahren kam die Weihnachtsinsel-Zwergfledermaus noch überall auf der Insel vor. Und auch 1984, als der australische Zoologe C. R. Tidemann die Fledermausart zum ersten Mal genauer in Augenschein nahm, war sie weit verbreitet. Das änderte sich jedoch in den 1990er-Jahren: Ihr Verbreitungsgebiet wurde immer zerklüfteter und kleiner, sodass die Zwergfledermausart 2007 in 90 Prozent ihres ehemaligen Lebensraums nicht mehr anzutreffen war. Am 27. August 2009 verschwand die Art schließlich endgültig – und keiner weiß, warum.

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Burmeister-Fuchs

Falklandwolf Burmeister-Fuchs

Darstellung eines Falklandwolfes  aus ‚Iconographica Zoologica – Special Collections‘ (1868) der Universität Amsterdam. Der Burmeister-Fuchs und der Falklandwolf müssen aufgrund ihrer nahen Verwandtschaft morphologisch ziemlich ähnlich ausgesehen haben. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Burmeister-Fuchs – Steckbrief
lateinische Namen Dusicyon avus, Canis avus, Canis platensis
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Süd-Südamerika (Chile, Uruguay, Argentinien, Brasilien)
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, möglicherweise frühes 17. Jahrhundert, vielleicht auch erst 20. Jahrhundert
Ursachen für das Aussterben anthropogene Auswirkungen (etwa Einfuhr von Haushunden,  Lebensraumverlust, Bejagung), klimatische Veränderungen

Wie der Burmeister-Fuchs zum Falklandwolf wurde

Während der letzten Eiszeit vor rund 16.000 Jahren nutzten ein paar Burmeister-Füchse flache, zugefrorene Stellen im Meer, um von Südamerika zu den 500 Kilometer entfernten Falklandinseln zu gelangen. Der Burmeister-Fuchs auf den Falklandinseln entwickelte sich im Laufe der Zeit anders als seine kontinentalen Verwandten. So entstand auf den Inseln eine neue Art der Gattung Dusicyon: der Falklandwolf oder Falklandfuchs. Die übrigen Burmeister-Füchse verblieben auf dem südamerikanischen Kontinent. Heute sind beide Arten ausgestorben.

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Falklandwolf

Falklandwolf Falklandfuchs

Ein vom niederländischen Maler John Gerrad Keulemans 1890 gemalter Falklandwolf. Er maß vom Kopf bis zum Rumpf rund 90 Zentimeter, sein Schwanz war 30 Zentimeter lang. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Falklandwolf – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Falklandfuchs, Falkland-Fuchs, Falkland-Wolf
lateinische Namen Dusicyon australis, Canis australis, Dusicyon antarcticus, Canis antarcticus
englische Namen Falklands Wolf, Falklands Fox, Falkland Fox, Falkland Islands Wolf, Warrah, Falkland Islands Dog, Falkland Islands Fox, Warrah Fox, Antarctic Wolf
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Falklandinseln (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens 1876
Ursachen für das Aussterben Bejagung

Wie kam der Falklandwolf auf die Falklandinseln?

Bereits 1690 wunderten sich britische Besucher der Falklandinseln über das einzige Landsäugetier, das dort zwischen all den kleinen Lebewesen lebte. Nicht einmal Mäuse gab es dort. Wovon ernährte sich dieser Wolf? Auch der britische Naturforscher Charles Darwin, der die abgelegenen Inseln 1833 während seiner Weltreise mit der HMS Beagle besuchte, versetzte die Anwesenheit des Tieres, das er als Fuchs bezeichnete, in Erstaunen. Wie kam dieses Raubtier, das sich laut Darwins Reisetagebücher von Vögeln ernährte, auf die Inseln? Das südatlantische Inselarchipel liegt fast 500 Kilometer von der Ostküste Argentiniens entfernt und war nie mit dem Kontinent verbunden.

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Puerto-Rico-Höhlenstachelratte

Ferreira-Stachelratte (verwandt mit der Puerto-Rico-Höhlenstachelratte)

So ähnlich könnte auch die Puerto-Rico-Höhlenstachelratte ausgesehen haben. Das Bild zeigt die in Südamerika heimische Ferreira-Stachelratte (Mesomys hispidus). (© R. Mintern, Public domain, via Wikimedia Commons)

Puerto-Rico-Höhlenstachelratte – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Antillianische Höhlenratte, Insel-Höhlenratte,
lateinische Namen Heteropsomys insulans, Heteropsomys antillensis, Homopsomys antillensis
englische Namen Insular Cave Rat, Antillean Cave Rat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Puerto Rico, Vieques Island (Karibik)
Zeitpunkt des Aussterbens um 1500
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, auf Insel eingeschleppte Tiere

Fast alle ursprünglichen Landsäugetiere Puerto Ricos sind ausgestorben

Es heißt, Puerto Rico ist die einzige Insel der Großen Antillen, die fast alle ihre einheimischen Landsäugetiere verloren hat – auch die Puerto-Rico-Höhlenstachelratte. Mit der Ankunft der Europäer vor rund 500 Jahren begann das Aussterben der endemischen Fauna. Die meisten Säugetiere, die man heute auf der Insel antrifft, gelangten – teils absichtlich, teils unabsichtlich – durch Siedler dorthin.

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Auerochse

auerochse ur

Diese Illustration des Auerochsen entstand zwischen 1700 und 1880. Der Banteng, der Gaur und der ausgestorbene Kouprey sind mit dem Wildrind verwandt. (© Special Collections of the University of Amsterdam, Public domain, via Wikimedia Commons)

Auerochse – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Ur, Eurasischer Auerochse, Europäischer Auerochse
lateinische Namen Bos primigenius, Bos primigenius primigenius, Bos taurus primigenius
englische Namen Aurochs, Urus, Ure, Eurasian Aurochs
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Europa, Mittlerer Osten, Zentralasien (Unterarten auch in Nordafrika und Indien)
Zeitpunkt des Aussterbens 1627
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung

Wie aus dem Wildtier ein Haustier wurde

Der Auerochse oder Ur gilt als das erste Wildrind, das von Menschen domestiziert wurde, um eine stete Fleisch- und Milchversorgung zu garantieren und Last- und Arbeitstiere zur Verfügung zu haben. Eine Haustierwerdung ist immer auch mit körperlichen Veränderungen verbunden: Die Tiere werden mit der Zeit kleiner, die Hörner krümmer, die Beine und der Schädel kürzer und der Rumpf wird lang und massig. Es wird so gezüchtet, dass besonders ertragreiche Tiere geboren werden. Unser heutiges Hausrind ist aus der vor rund 8.000 Jahren beginnenden Domestikation des Eurasischen Auerochsen entstanden, der in seiner Wildform 1627 ausstarb.

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Blaubock

Blaubok - Zeichnung von Le Vaillant 1781

Der französische Naturwissenschaftler François Le Vaillant fertigte diese Zeichnung des Blaubocks 1781 an. Wahrscheinlich handelt es sich um den Bock, der im Valley of Soete Melk (Südafrika) geschossen wurde und heute im Pariser Naturkundemuseum ausgestellt ist. (© Le Vaillant, Public domain, via Wikimedia Commons)

Blaubock – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Blaubok, Bloubok, Blaawwbok, Blawebock
lateinische Namen Hippotragus leucophaeus, Antilope leucophaeus, Egocerus leucophaea, Oryx leucophaeus, Cerophorus leucophaeus, Hippotragus glauca, Cemas glaucus, Bubalis leucophaea, Antilope leucophaea, Capra leucophaea, Hippotragus capensis
englische Namen Bluebuck, Blue Antelope
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Südafrika
Zeitpunkt des Aussterbens 1799 oder 1800
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Lebensraumverlust, Klimawandel

Blaue Böcke in Museen seltener als angenommen

„Auch lauffen auff den hohen Bergen von vielerley Arten der wilden Böcke, und Ziegen, als Gems-Böcke, blaue Böcke, bundte Böcke, Rehe-Böcke, Klippsteiger, Steinböcke, wilde Böcke“, heißt es in Johann Schreyers Neue Ost-Indianische Reisz-Beschreibung von 1681. Das ist das erste Mal, dass „blaue Böcke“ in der Literatur auftauchen. Fast einhundert Jahre später wurde die erste Zeichnung veröffentlicht, die einen Blaubock von Kopf bis Fuß zeigt. Die Darstellung des Naturwissenschaftlers Jean Nicolas Sébastien Allamand erschien 1778 in Comte de Buffons Histoire Naturelle.

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