subantarktischer schluepfer
Der als neue Vogelart im August 2022 beschriebene Subantarktische Schlüpfer von der Diego-Ramírez-Inselgruppe unterscheidet sich optisch, vom Verhalten und genetisch von seinen Festlandsverwandten. Rozzi, R., Quilodrán, C.S., Botero-Delgadillo, E. et al., via Wikimedia Commons)

Neue Vogelart auf baumloser Inselgruppe entdeckt

Rund 100 Kilometer südlich von Kap Hoorn, dem südlichsten Punkt Südamerikas, liegen die ein Quadratkilometer großen Diego-Ramírez-Inseln. Auf ihnen lebt der Subantarktische Schlüpfer (Aphrastura subantarctica), den man bis vor kurzem für den in Chile und angrenzenden Gebieten weit verbreiteten Stachelschwanzschlüpfer (Aphrastura spinicauda) hielt.

Ein Hinweis darauf, dass es sich um unterschiedliche Vogelarten handelt, lieferte der vollkommen unterschiedliche Lebensraum, in denen die Spezies vorkommen. Während der Stachelschwanzschlüpfer ausschließlich dichtes Unterholz von Wäldern besiedelt, existieren auf den Diego-Ramírez-Inseln weder Bäume noch Büsche, die die Vögel bewohnen könnten.

Ricardo Rozzi von der Universidad de Magellanes und sein Team vermaßen mehrere Jahre lang die auf den Diego-Ramírez-Inseln lebenden Schlüpfer: Alle Tiere waren größer und schwerer, besaßen einen kürzeren Schwanz und kräftigeren Schnabel als ihre Verwandten vom Festland. Auch im Verhalten weisen die Vögel Unterschiede auf. Da es keine Bäume gibt, brüten die Schlüpfer vom Diego-Ramírez-Archipel in Erdhöhlen; außerdem fliegen sie nur kurze Distanzen. Letztendlich konnten Rozzi und sein Team mittels Genstudien belegen, dass sich beide Vogelarten deutlich voneinander unterscheiden und veröffentlichten im August 2022 die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Subantarktischen Schlüpfers.

In geologisch jüngerer Zeit kann kein Austausch zwischen dem Stachelschwanzschlüpfer und dem Subantarktischen Schlüpfer stattgefunden haben. Dies liege an der Drake-Passage mit ihren starken Westwinden und Meeresströmungen, die das chilenische Festland und die Diego-Ramírez-Inselgruppe voneinander abgrenzt. Wie die Subantarktischen Schlüpfer einst auf das Archipel gelangten, ist nicht ganz klar, aber sie hatten Glück, denn die Inseln waren für Seefahrer schwer zu erreichen und auch nicht interessant genug, sodass dort keine Ratten, Ziegen, Nerze oder ähnliches ausgesetzt wurden, die bekanntermaßen zum Aussterben vieler auf Inseln endemischer Vogelarten führten, etwa beim Stephenschlüpfer, bei der St.-Helena-Ralle oder beim Weißbrust-Brillenvogel.