Psychropotes verrucicaudatus
Psychropotes verrucicaudatus, eine Seegurken-Spezies, die die Forscher in 4.999 Meter Tiefe im Pazifischen Ozean entdeckten. Das Tier ist knapp 35 Zentimeter lang. (© Bribiesca-Contreras G, Dahlgren TG, Amon DJ, Cairns S, Drennan R, Durden JM, Eléaume MP, Hosie AM, Kremenetskaia A, McQuaid K, O'Hara TD, Rabone M, Simon-Lledó E, Smith CR, Watling L, Wiklund H, Glover AG (2022) Benthic megafauna of the western Clarion-Clipperton Zone, Pacific Ocean. ZooKeys 1113: 1-110.

Forscher entdecken im Pazifik 30 potenzielle neue Arten

Wissenschaftler des Londoner Natural History Museums entdeckten 30 neue Spezies am Grund des Ozeans, indem sie ein ferngesteuerten Tauchroboter nutzten, der aus der fast sechs Millionen Quadratkilometer großen Clarion-Clipperton-Zone im zentralen Pazifik Lebewesen absammelte. Bislang war es nur möglich, die Organismen anhand von Fotografien zu studieren.

Das Ergebnis ihrer Arbeit veröffentlichten die Forscher im Juli 2022 in einer Studie im Journal ZooKeys. Dabei stellten sie unter anderem fest, dass die Artenvielfalt größerer Organismen in den tiefen Meeresregionen besonders groß ist, denn von den 55 gefundenen Exemplaren gehörten 48 unterschiedlichen Arten an.

Bei den gefundenen Tieren handelt es sich um Benthonten – Lebewesen, die in der Bodenzone eines Gewässers vorkommen. Die Wissenschaftler entdeckten etwa Ringelwürmer, Verwandte der Hundertfüßer, Spezies aus der Familie der Quallen, Seegurken, Seesterne, Seeigel, Schwämme oder verschiedene Korallenarten. Von den gefundenen Individuen wurden 36 in einer Tiefe von mehr als 4.800 Metern entdeckt, zwei sammelten die Forscher in 4.125 Metern Tiefe und 17 weitere in einer Meerestiefe von 3.095 bis 3.562 Metern.

Die Hauptautorin der Studie, Guadalupe Bribiesca-Contreras vom National History Museum äußerte gegenüber dem Guardian: „Unsere Studie ist nicht nur wegen der Entdeckung potenzieller neuer Spezies von Wichtigkeit, sondern auch weil diese Megafauna-Tiere bis vor kurzem ausschließlich anhand von Meeresbodenbildern studiert werden konnten. Ohne die Organismen selbst und deren DNA können wir sie nicht richtig einordnen und nicht begreifen, wie viele verschiedene Arten dort existieren.“

Auch Adrian Glover, der Leiter der Tiefsee-Forschungsgruppe des National History Museums, betont die Wichtigkeit der Erforschung des Meeresgrundes: „Wir wissen, dass millimetergroße Tiere, die als Makrofauna bezeichnet werden, in der Tiefsee eine extreme Artenvielfalt aufweisen. Wir hatten bisher aber nicht wirklich viele Informationen über größere Tiere, die wir als Megafauna bezeichnen, da nur sehr wenige Exemplare gesammelt wurden. Diese Studie ist die erste, die darauf hindeutet, dass die Vielfalt auch dort groß sein könnte.“

Die Clarian-Clipperton-Zone im Pazifischen Ozean besitzt weltweit das größte Vorkommen an Manganknollen sowie auch große Mengen an Kupfer, Nickel und Kobalt. Diese bei Rohstoffkonzernen begehrten Metalle gefährden die Biodiversität am Meeresboden, so die Forscher der Studie.