Brasilianischer Tauchkäfer

Schwimmkäfer

A+D: Megadytes ducalis (Brasilianischer Tauchkäfer), B+E: M. lherminieri, C+F: M. magnus (© L. Hendrich, M. Manuel, M. Balke: The Return of the Duke, Vol. 4586 No. 3: 18 Apr. 2019, Licensed under CC BY 3.0)

Brasilianischer Tauchkäfer – Steckbrief
lateinische Namen Megadytes ducalis, Bifurcitus ducalis
englischer Name Brazilian Diving Beetle
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Brasilien
Zeitpunkt des Aussterbens unklar, Ende des 19. Jahrhunderts oder später
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Lebensraumverlust, Insektenhandel

„Giant of the Dytiscidae

Bis vor kurzem kannte man den Brasilianischen Tauchkäfer Megadytes ducalis nur von einem einzigen männlichen Exemplar, das Gerüchten zufolge vor 1882 auf dem Boden eines mit Wasser vollgelaufenen Kanus im Amazonasgebiet in Brasilien entdeckt wurde. Es befindet sich heute im National History Museum in London. Vielleicht weil es sich mit 4,75 Zentimetern Länge beim Brasilianischen Tauchkäfer um die weltweit größte Art aus der Familie der Tauchkäfer (Dytiscidae) handelt, beschäftigten sich der deutsche Entomologe Lars Hendrich und seine Kollegen 2019 noch einmal näher mit dem Insekt. Dabei entdeckten sie in bislang nicht bearbeiteten Teilen der Pariser zoologischen Sammlungen noch zehn weitere Exemplare des Schwimmkäfers. Alle wurden Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt.

Während das erste bekannte Individuum, das Typusexemplar, mit keinem genauen Fundort versehen war, ist bei den anderen zehn Käfern klar, wo sie gefunden wurden. Alle Daten weisen darauf hin, dass sie in der Gemeinde Condeúba im Süden des Bundesstaates Bahia im Nordosten Brasiliens gesammelt wurden.

Die IUCN listet den Brasilianischen Tauchkäfer als ausgestorben, gleichwohl der Fund weiterer zehn Exemplare mit genauer historischer Fundortangabe die Möglichkeit zulässt, nun gezielt nach dem Brasilianischen Tauchkäfer zu suchen und ihn lebend wiederzuentdecken.

Die zehn in den Pariser zoologischen Sammlungen gefundenen Schwimmkäfer wurden einst von dem französischen Naturforscher und Entomologen Pierre-Émile Gounelle nach Europa gebracht. Gounelle unternahm zwischen 1884 und 1914 sieben Expeditionen in den Osten und Nordosten von Brasilien. Er sammelte dort zahlreiche Spinnen, Insekten und Pflanzen, die später in die Sammlungen des Muséum National d’Histoire Naturelle aufgenommen wurden.

Schwindende Biodiversität in den brasilianischen Cerrados

Cerrados Brasilien

Die als Cerrados bezeichneten Savannen im Südosten Brasiliens umfassen eine Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern. Die sehr große Biodiversität dort ist durch die landwirtschaftliche Nutzung stark bedroht. (© Fabricio Carrijo, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons)

Ende des 19, Jahrhunderts war Condeúba (früher Santo Antônio da Barra) in den Cerrados, den Savannen im Südosten Brasiliens, ein bedeutender Standort für den Insektenhandel. Dorfbewohner aus dieser Region fingen Insekten – sehr beliebt war der Maulwurfsbockkäfer (Hypocephalus armatus) – und verkauften ihre Fänge wöchentlich auf Märkten.

In den brasilianischen Cerrados herrschen einzigartige Klima- und Umweltbedingungen mit viel Feuchtigkeit mit temporären Sümpfen in der Feuchtsavanne und Restseen und Teichen in der Trockenzeit. Die Seltenheit des Brasilianischen Tauchkäfers in Sammlungen weise, so Hendrich, auf sein kleines Verbreitungsgebiet hin.

Die Artenvielfalt in der Cerrado-Region wurde in den letzten 50 Jahren zunehmend durch die Ausweitung der Landwirtschaft bedroht. Traditionell zunächst eine extensive Weidenutzung und seit den 1980er- und 1990er-Jahren der Anbau von Monokulturen auf den einstigen Weideflächen. Zudem werden Wälder für die Entstehung von Eukalyptus- und Sojaplantagen gerodet.

Mittlerweile ist zwei Drittel der Cerrado-Region durch anthropogene Einflüsse stark verändert worden. Es gibt große Plantagen für Reis, Soja, Mais und Zuckerrohr; Viehzucht wird ebenfalls betrieben. Häufig gelegte Brände zur Gewinnung von Holzkohle, die Nutzung von Düngemitteln für die Landwirtschaft und der Bau von Staudämmen wirken sich negativ auf das Ökosystem aus. Nur ein Prozent der Cerrado-Gesamtfläche steht überhaupt unter Naturschutz.

Brasilianischer Tauchkäfer: Gezielte Suchaktionen möglich

Mit den durch Hendrich und seinen Kollegen ermittelten Fundortdaten für den Brasilianischen Tauchkäfer bietet sich nun die Möglichkeit für eine gezielte Suche nach dem größten Schwimmkäfer der Welt. Bis vor kurzem war nichts über sein Verbreitungsgebiet und seinen bevorzugten Lebensraum bekannt. Möglicherweise kann der Brasilianische Tauchkäfer, der bislang als ausgestorben gilt, schon bald lebend wiederentdeckt werden.

Insofern der Brasilianische Tauchkäfer noch existiert, ist sein Lebensraum durch die Ausweitung der für Land- und Viehwirtschaft genutzten Flächen der natürlichen Cerrado-Savannen gefährdet. Möglich ist auch, dass bereits der Insektenhandel Ende des 19. Jahrhunderts zu sinkenden Populationszahlen des Riesenschwimmkäfers geführt hat.

Hendrichs Studie zeigt, welch große Bedeutung Sammlungen zum Schutz der Biodiversität haben; darunter auch das oft als das weltweit umfangreichste Archiv für Artenvielfalt geltende  Muséum National d’Histoire Naturelle in Paris.

Neben dem Brasilianischen Tauchkäfer gelten weitere Schwimmkäfer als ausgestorben: der Mono-Lake-Tauchkäfer, der Neukaledonische Tauchkäfer, der Südamerikanische Tauchkäfer, der Neuguinea-Tauchkäfer sowie Perrins Höhlentauchkäfer.