Kuba-Ara

Kuba-Ara – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Kubaara, Dreifarben-Ara, Dreifarbenara
lateinische Namen Ara tricolor, Psittacus tricolor, Sittace? lichtensteini, Ara tricolor haitius, Ara cubensis
englische Namen Cuban Macaw, Cuban Red Macaw, Hispanolian Macaw
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kuba, Isla de la Juventud
Zeitpunkt des Aussterbens Ende des 19. Jahrhunderts
Ursachen für das Aussterben Bejagung, Nestraub, Lebensraumverlust, Hurrikans, Exotenhandel, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Eigentliche und hypothetische Aras auf den Karibischen Inseln

kuba-ara

Kuba- oder Dreifarben-Ara,1907. Der zur Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae) gehörende Vogel erreichte eine Größe von rund 50 Zentimetern. (© John Gerrard Keulemans (1842 – 1912), Public domain, via Wikimedia Commons)

Mindestens sieben, vielleicht sogar 15 unterschiedliche prähistorische und historische Ara-Arten sollen einst auf den Karibischen Inseln, zu denen auch die Kleinen und Großen Antillen gehören, gelebt haben. Einige dieser Arten sind rein hypothetisch. Das heißt, man kennt sie überhaupt nur, weil jemand sie zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert schriftlich erwähnt oder gemalt hat, aber echte Beweise für ihre Existenz gibt es keine. Die am besten bekannte Spezies ist der Dreifarben- oder Kuba-Ara. Sie ist die einzige Art, von der es ganze Exemplare präpariert als Bälge in Museen gibt: Vogelhäute mit Gefieder, Schnabel, Beinen und Füßen. Ein vollständiges Skelett steht uns vom Kuba-Ara bislang aber auch nicht zur Verfügung. Von der Existenz des St.-Croix-Aras (Ara autochthones) wissen wir heute beispielsweise nur aufgrund eines prähistorischen Unterschenkelknochens, den man in einer archäologischen Ausgrabungsstätte auf der Antillen-Insel Saint Croix entdeckt hat. 

Auf den Inseln Montserrat und Maria Galante wurden ebenfalls subfossile Vogelknochen entdeckt, nur sind sich Ornithologen nicht einig darüber, zu welcher hypothetischen oder tatsächlichen Ara-Art sie gehören oder ob es sich gar um eine weitere ausgestorbene Spezies handeln könnte.

Die große Zahl an ausgestorbenen Ara-Arten, für die es keine Beweise gibt, erklärt sich vielleicht damit, dass es gar keine endemischen Vögel waren, über die berichtet wurde. Heute wissen wir nämlich, dass Paläoindianer in prähistorischer Zeit und Europäer und indigene Völker in historischer Zeit Aras vom Festland Südamerikas auf die Karibischen Inseln transportiert haben.

Die Ornithologen James W. Wiley und Guy M. Kirwan sichteten 2013 in The extinct Macaws of the West Indies die prähistorischen und historischen Beweise zur Existenz der rund 15 Ara-Arten auf den Westindischen Inseln. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich nur bei zwei oder drei Arten wirklich belegen lässt, dass es sie einst gegeben haben muss: Dazu zählen der Kuba-Ara, der St.-Croix-Ara und vielleicht der Montserrat-Ara, der bisher nicht einmal wissenschaftlich beschrieben wurde. Außerdem würden einige Beweise auch für eine weitere umstrittene Art, den Jamaikanischen Rot-Ara oder Gelbstirn-Ara (Ara gossei), sprechen.

War der Rot-Ara auf Jamaika vielleicht doch ein Kuba-Ara?

Kuba-Ara oder Jamaikanischer Rot-Ara?

Ein nach Jamaika importierter Kuba-Ara oder der hypothetische ausgestorbene Jamaikanische Rot-Ara (Ara gossei)? (© L. J. Robins 1765, Public Domain, via Wikimedia Commons)

Den Jamaikanischen Rot-Ara hat der britische Zoologe Walter Rothschild 1905 wissenschaftlich beschrieben – basierend auf einer Beschreibung eines 1765 in den Bergen von Jamaika erschossenen Vogels. Bis heute ist nicht klar, ob es den Rot-Ara auf Jamaika gab oder ob es sich ebenfalls um eine spekulative Art handelt. Seit dem 19. Jahrhundert halten Naturforscher den Jamaikanischen Rot-Ara immer mal wieder für einen Kuba-Ara, der einst nach Jamaika verschleppt wurde. Für diese Theorie spricht, dass die Beschreibungen der beiden Vogelarten fast identisch sind. Lediglich die Stirn, die beim Jamaikanischen Rot-Ara als gelb beschrieben wird, ist beim Kuba-Ara rot.

Ein vom britischen Leutnant L. J. Robins 1765 gemaltes Bild könnte den Kuba-Ara zeigen, wäre es nicht in einem Band mit dem Titel The Natural History of Jamaica veröffentlicht worden. Vielleicht zeigt das Gemälde auch einen Dreifarben-Ara, der von Kuba nach Jamaika gebracht wurde. Oder aber Robins hat tatsächlich einen auf Jamaika lebenden Rot-Ara gemalt. Die gelbe Stirn, die ja bisweilen als Unterscheidungsmerkmal beider Vogelarten herangezogen wird, weist der Vogel, den Robins gemalt hat, indes nicht auf.

Im Laufe der Jahrhunderte gab es noch eine Menge weiterer Theorien von unterschiedlichen Ornithologen dazu, wer oder woher der Kuba-Ara war, welche Inseln er bewohnte und mit welchen spekulativen Arten er identisch ist, aber keine hat sich wirklich durchsetzen können. Heute lebt auf den Westindischen Inseln übrigens keine einzige Ara-Spezies mehr – außer vielleicht als Haustier.

Die Verwandtschaftsbeziehungen des Kuba-Aras

Ara macao (Hellroter Ara) und Ara militaris (Kleiner Soldatenara)

Hellroter Ara (Ara macao) und Kleiner Soldatenara (Ara militaris). Beide sind in Südamerika heimisch.  (© Steven Depolo, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Detaillierte Beschreibungen ausgestorbener Aras gibt es eigentlich nur vom Kuba-Ara, weshalb Biologen heute oft nur vermuten können, welche evolutionären oder verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Ara-Spezies bestehen.

Die Paläozoologen Matthew I. Williams und David W. Steadman vermuten in The Historic and Prehistoric Distribution of Parrots in the West Indies (2001), dass der nächste auf dem Festland lebende Verwandte des Kuba-Aras der Hellrote Ara (Ara macao) ist. Dieser gehört mit einer Länge von bis zu 90 Zentimetern zu den größten Papageien der Welt. Ihre Annahme stützt sich auf rein optische Merkmale: die Rot-Blau-Verteilung im Federkleid und der weiße, nackte Ring, der die Augen der Vögel umgibt. Zudem erstrecke sich das Verbreitungsgebiet des Hellroten Aras bis an den Rand des Karibischen Meeres. Einige Biologen vermuten, dass der Dreifarben-Ara eng mit dem hypothetischen Jamaikanischen Rot-Ara verwandt (wenn nicht identisch) ist.

Der schwedische Zoologe Ulf S. Johansson und Kollegen konnten mittels DNA-Analyse 2018 die tatsächliche phylogenetische Position des Kuba-Aras bestimmen. Das Ergebnis: Wider Erwarten bildet der Kuba-Ara mit dem Hellroten Ara und dem Dunkelroten Ara (Ara chloropterus) keine geschlossene Abstammungsgemeinschaft (Klade). Stattdessen zweigte sich der Kuba-Ara als erste Art von der Hauptentwicklungslinie der Aras ab. Er ist daher die basale Schwesterart der beiden roten Aras und zweier grüner Aras: dem Kleinen Soldatenara (Ara militaris) und dem Großen Soldatenara (Ara ambiguus).

Dreifarben-Ara deutlich kleiner als Festlandsverwandtschaft

Karte: Verbreitungsgebiet von Ara tricolor

Das Verbreitungsgebiet des Kuba-Aras. Die Inseln Kuba und Isla de la Juventad (rot) gehören zur Inselgruppe Große Antillen. Zusammen mit den Kleinen Antillen, den Bahamas und den Turks- und Caicoinseln bilden sie die Westindischen Inseln. (© By  Rei-artur  pt  en  Rei-artur blog, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Die genetischen Analysen aus der schwedischen Studie zeigen auch, dass sich der Dreifarben-Ara vor rund vier Millionen Jahren im frühen Pliozän von seiner Schwestergruppe abspaltete. Dass der Kuba-Ara rund ein Drittel kleiner als seine größten verwandten, heute noch lebenden Aras vom Festland war, habe möglicherweise mit dieser Abspaltung zu tun. Vielleicht verlor der Ara an Größe, als er sich vor Millionen von Jahren auf den Inseln der Antillen niederließ (Inselverzwergung).

Die Landbrücke, von der man annimmt, dass sie einst die Großen Antillen mit Südamerika verband, existierte vor vier Millionen Jahren schon gar nicht mehr. Das bedeutet, dass die Vorfahren des Kuba-Aras über das offene Meer auf die Antillen gelangt sein müssen. Die Forscher stellen daher fest, dass der kubanische Ara aufgrund seiner langen Zeit auf Kuba, weit entfernt von Festland-Aras, kein direkter Abkömmling des Hellroten Aras sein kann.

Basierend darauf, wie lange die Festland-Aras von den karibischen Aras getrennt waren, räumt Johansson ein, dass zwar die Existenz vieler der in der Vergangenheit beschriebenen ausgestorbenen karibischen Ara-Spezies fragwürdig ist, es prinzipiell aber genügend Zeit zur Ausbildung dieser Arten gegeben hat.

Bei der Entdeckung der Neuen Welt waren Aras noch reichlich

Sumpfgebiet auf Kuba: Ciénaga de Zapata

Das kubanische Sumpfgebiet Ciénaga de Zapata im Jahr 2009. Hier soll der Dreifarben-Ara einst gelebt haben. (© Francisco Puertas, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Als Christoph Kolumbus 1492 Kuba entdeckte, soll es noch reichlich Papageien und Aras auf den Westindischen Inseln gegeben haben. Doch schon im 18. Jahrhundert galten die Vögel auf den Kleinen Antillen (und im Rest der Westindischen Inseln) als selten, bestätigt der Zoologe Austin H. Clark 1905 in Lesser Antillean Macaws. So schrieb etwa der englische Naturforscher Philip Henry Gosse in The Birds of Jamaica, dass er, als er zwischen 1844 und 1846 auf Jamaika verweilte, kaum Aras sah. Und auch andere Autoren berichteten von schwindenden Populationszahlen. Auf Jamaika soll schon nach 1849 kein Ara mehr gesichtet worden sein.

Der im hessischen Marburg geborene Zoologe Juan (eigentlich Johannes) Gundlach ließ sich 1839 in Kuba nieder und schrieb in Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas (1874) über den Dreifarben-Ara:

„Diese Art ist jetzt schon eine Seltenheit auf der Insel Cuba, und man findet sie nur noch an wenigen Stellen. Ich selbst habe sie nur in der Sumpfgegend der Cienaga de Zapata von Habana bis zur Ensenada de Conchinos geschossen. In 1849 fand man noch oft Exemplare, seitdem ist aber die Zahl der selben sehr verringert worden, weil die Bewohner jener Gegenden die Nester aufsuchen.“

Ein Großteil der Kuba-Ara-Sichtungen stammt von Gundlach aus dem 19. Jahrhundert. Insbesondere im Norden des riesigen Zapata-Sumpfgebiets habe er Aras gesehen. Als die Dreifarben-Aras ab den 1870er-Jahren immer seltener wurden, sollen sie sich ins Landesinnere zurückgezogen haben.

Das Verbreitungsgebiet des Dreifarben-Aras ist umstritten

ara tricolor Dreifarbenara

Der französische Maler Jacques Barraband malte  vor allem Tropenvögel wie den Kuba-Ara (Bild) im Jahr 1801. Seine Werke gelten als besonders akkurat und naturgetreu. (© Jacques Barraband, Public domain, via Wikimedia Commons)

Biologen kennen das genaue Verbreitungsgebiet des Dreifarben-Aras, nachdem Kuba durch Europäer besiedelt wurde, nicht. Die meisten Wissenschaftler mutmaßen, dass die Vögel nur in zentralen und westlichen Regionen der Insel vorkamen. Wiley und Kirwan dagegen sind sich sicher, dass das Verbreitungsgebiet des Kuba-Aras größer war, als es die ornithologische Literatur der letzten 60 Jahre propagierte. Dies würden historische Daten wie fossile Funde und zahlreiche Erwähnungen in Berichten zur Insel Kuba belegen.

Auch auf der größten Nebeninsel Kubas, die Isla de la Juventud (früher: Isla de Pinos), lebten Dreifarben-Aras. Die amerikanischen Zoologen Outram Bangs und Walter R. Zappey berichteten in Birds of the Isle of Pines (1905), dass das letzte Paar Kuba-Aras dort 1864 geschossen wurde. Alten Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, der Kuba-Ara hätte auch auf Haiti und Jamaika gelebt, schenken Biologen heute kaum Glauben.

Für den Kuba-Ara haben verschiedene Autoren unterschiedliche Aussterbedaten angegeben, aber alle liegen zwischen 1850 und 1885 beziehungsweise grenzen den Zeitpunkt auf das Ende des 19. Jahrhunderts ein. Die IUCN hat sich für das Jahr 1885 entschieden. Als die letzten zuverlässigen Sichtungen gelten jene von Gundlach im Zapata-Sumpfgebiet in den frühen 1850er-Jahren sowie Zappeys Sichtung aus zweiter Hand der letzten Kuba-Aras 1864 auf der Isla de la Juventud. Gundlach berichtete 1886 außerdem, dass er glaube, es könnten noch Aras im Süden Kubas leben.

Kuba-Ara: Lebensgrundlage, Handelsobjekt und Haustier

Wahrscheinlich starb der Kuba-Ara in erster Linie aus, weil er wegen seines Fleisches gejagt wurde. Die Papageienjagd diente schon vor Ankunft der Europäer als Lebensgrundlage und war Teil der traditionellen Kultur der indigenen Völker Amerikas. Für viele Ureinwohner auf den Antillen stellten Papageien und Aras genau wie Enten und Gänse ein Lebensmittel dar.

Doch Kuba-Aras standen nicht nur auf dem Speiseplan der Urbevölkerung, sondern sie fing die Vögel auch, um sie als Haustiere zu halten oder um mit ihnen Handel zwischen den Inseln zu treiben. Im Zuge der Entdeckung der Neuen Welt und der Kolonisation wurden Dreifarben-Aras und andere Papageien der Antillen zu Tausenden nach Europa verkauft: lebend zur Haltung als Zoo- oder Haustier sowie als Statussymbol oder tot für Museen und Sammlungen.

Betrachtet man die Zahl der Museumsexponate, die direkt aus Gefangenschaft stammten, kann der Kuba-Ara in europäischen Zoos wohl eher keine Seltenheit gewesen sein. Trotzdem er dafür bekannt war, mit seinem Schnabel eine Menge Schaden anrichten zu können, war der Kuba-Ara insbesondere im wohlhabenden Teil der Gesellschaft als Käfigvogel äußerst beliebt.

Um junge Kuba-Aras, die als Haustiere besonders begehrt waren, zu fangen, fällten Jäger die Bäume, auf denen sich ihre Nester befanden. Dass dabei nicht nur die Brutplätze der Papageien zerstört, sondern auch Jungvögel versehentlich getötet wurden, dürfte klar sein. Nicht nur Jungvögel, auch ausgewachsene Papageien waren gefragt. Archäologische Funde weisen darauf hin, so der Paläontologe Storrs L. Olson 2008, dass der Dreifarben-Ara vor allem ab dem 16. bis ins 18. Jahrhundert in der kubanischen Provinz Havanna bejagt wurde.

Es existieren zahlreiche Aufzeichnungen darüber, dass die Aras der Westindischen Inseln mit Pfeil und Bogen einfach zu erlegen waren. Auch mit der Hand oder einer Schlinge ließen sich die Vögel einfangen. Wiley und Kirwan verweisen in diesem Zusammenhang auf Schilderungen, denen zufolge sich die Aras nicht einmal durch Gewehrschüsse aufschrecken ließen und keinerlei Fluchtreaktion zeigten.

Auf Inseln sterben Papageien als erstes aus

Ara tricolor (Kuba-Ara) im Museum für Naturkunde, Berlin

Ein Exemplar des Dreifarben-Aras im Museum für Naturkunde in Berlin. Gundlach schickte den Balg 1885 von Havanna nach Berlin. Viele Kuba-Aras landeten, nachdem sie in europäischen Zoos, königlichen Menagerien oder als Haustier im Käfig gehalten wurden, in Museumssammlungen. (© Etemenanki3, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Es heißt, Papageien gehören auf Inseln stets zu den Tieren, die als erstes ausgerottet werden. Der Hauptgrund dafür dürfte ihr buntes Federkleid sein. Auch die indigene Bevölkerung hielt Aras in Gefangenschaft, um stets eine Quelle für zeremonielle Federn zu haben. Der Seefahrer Amerigo Vespucci erlebte, welchen Wert die Federn für die Ureinwohner hatten. Er schrieb, ihr Reichtum habe zum Teil aus „bunten Vogelfedern“ bestanden. Ein Stamm hätte ihm „Federn von sehr großem Wert, (…) und (…) zahllose Papageien in verschiedenen Farben“ geschenkt.

Wie auch etwa die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, sich einst vor allem mit den langen Schwanzfedern des heute ausgestorbenen Huia-Vogels schmückten, steckte sich auch die indigene Antillen-Bevölkerung Ara-Schwanzfedern ins Haar, durch Nasenscheidewände und Ohrläppchen.

Richtig ist, der Ara und seine Federn waren für die Urbevölkerung sehr wertvoll. Sie dienten ihnen für zeremonielle und ästhetische Zwecke als Bestandteil ihrer Kultur. Nicht richtig dürfte sein, dass die indigenen Antillen-Völker das Aussterben des Dreifarben-Aras mit verursachten. Insbesondere dann nicht, wenn man bedenkt, dass die Kolonisation dem Leben und Wirken der Urvölker ganz schön zusetzte. Die Taíno etwa, ein Volk der Großen Antillen, waren bereits einhundert Jahre nach Kolumbus‘ Ankunft der Kolonialisierung zum Opfer gefallen. Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten dezimierten die Urbevölkerung rasch. Um 1600 galten die Taíno auf der Insel Hispaniola als ausgestorben.

Hurrikans, Tropenstürme und kultivierte Landschaften

Mit der steigenden Bevölkerungszahl auf Kuba wurden aus den natürlichen Landschaften rasch abgeholzte Wälder und kultivierte Landschaften. Und die Anzahl der Dreifarben-Aras reduzierte sich angesichts des Verlusts ihres natürlichen Lebensraums immer weiter. Außerdem sollen Hurrikans den Vögeln in den Jahren 1844, 1846 und 1856 zugesetzt haben. Der erste Hurrikan hat die Ara-Population der Provinz Pinar del Río so gut wie ausgelöscht. Die beiden nachfolgenden zerstörten den Lebensraum der Vögel im westlichen Teil Kubas und zerstreuten die Population. Und 1851 gab es noch einen Tropensturm, der die Zapata-Sümpfe traf.

Es ist anzunehmen, dass die Wirbelstürme den geschrumpften Lebensraum der Aras zusätzlich fragmentierten. Dies führte möglicherweise dazu, dass die Vögel sich in Gebieten auf Nahrungssuche begeben mussten, in denen sie noch leichter als ohnehin schon zur Beute wurden.

Ein Fall von Ko-Extinktion: Der Kuba-Ara und seine Parasiten

Der Biologe und Läuse-Forscher Eberhard Mey entdeckte 2005 eine neue Kieferlaus-Spezies, die er basierend auf einem toten Exemplar, das er auf einem Museumsbalg des Kuba-Aras fand, als Psittacobrosus bechsteini beschrieb. Die Ornithologen Julian P. Hume und Michael Walters vertreten in Extinct Birds (2012) die Ansicht, dass die neu entdeckte Kieferlaus ausschließlich auf dem Kuba-Ara lebte und deshalb mit dem Verschwinden ihres Wirtes ausgestorben ist. Auch zwei Arten von Federmilben fanden Wissenschaftler in Bälgen des Kuba-Aras: Genoprotolichus eurycnemis und die kürzlich entdeckte Distigmesikya extincta.

Fälle von Ko-Extinktion sind sehr viele bekannt, wobei die mit dem Wirtstier ausgestorbenen Parasiten oft erst viele Jahre nach dessen Verschwinden entdeckt werden. So verschwand die Wandertaubenmilbe mit der Wandertaube 1914, die Nasenmilbe Halarachne americana ging zusammen mit der Karibischen Mönchsrobbe Mitte des 20. Jahrhunderts verloren und die Laus Rallicola extinctus starb mit ihrem Wirtsvogel, dem Huia oder Lappenhopf, etwa 1907 aus.