Huia

Huia oder Lappenhopf (Heteralocha acutirostris) - Illustration von Keulemans

Männliche Huias (unten) erreichten eine Länge von rund 45 Zentimeter, weibliche Huias (oben) zwischen 48 und 55 Zentimeter. Die Illustration stammt von John G. Keulemans aus Walter Bullers „A History of the Birds of New Zealand“ von 1873. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Huia – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Lappenhopf, Hopflappenvogel
lateinische Namen Heteralocha acutirostris, Neomorpha acutirostris (Weibchen),
Neomorpha crassirostris (Männchen), Neomorpha gouldi, Heteralocha gouldi 
englischer Name Huia
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordinsel Neuseelands
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1907
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere und Krankheiten

Wenn Männchen und Weibchen wie zwei unterschiedliche Arten erscheinen

Der besonders ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus zwischen den weiblichen und den männlichen Huias sorgte in der Vergangenheit für Verwirrung. Das ging sogar so weit, dass der englische Ornithologe John Gould 1836 Huia-Männchen und -Weibchen als unterschiedliche Arten beschrieb. Noch heute wird das Zustandekommen der geschlechtsbezogenen Schnabelform und -länge unter Wissenschaftlern diskutiert, da dies in einem solchen Ausmaß von keiner anderen Vogelart bekannt ist. Die größeren weiblichen Vögel besaßen einen langen, dünnen und nach unten gebogenen Schnabel, während die kleineren Männchen sich durch einen kurzen, kräftigen Schnabel ähnlich einer Krähe auszeichneten.


Gleichwohl der Huia aufgrund der stark ausgeprägten Geschlechtsunterschiede oft in Fachliteratur erwähnt wird, ist nicht viel über seine Lebens- und Verhaltensweisen bekannt. Bevor er ausstarb, blieb kaum Zeit, die Vogelart eingehend zu studieren. Vieles, was wir heute über den Lappenhopf wissen, entstammt Aufzeichnungen des neuseeländischen Ornithologen Walter Buller, der die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts damit zubrachte, sich intensiv mit dem Huia zu befassen.

Wie auch der vermutlich ausgestorbene Südinsel-Kokako gehört der Huia zur Familie der Lappenvögel (Callaeidae), die ausschließlich auf den Inseln Neuseelands vorkommen. Der Lappenhopf besaß für gewöhnlich schwarzes Gefieder mit grünlichem Glanz, seine Kehllappen seitlich der Wurzel des elfenbeinfarbigen Schnabels waren leuchtend orange und kaum zu übersehen. Ausgewachsene Huias hatten zwölf lange schwarze Schwanzfedern mit einer breiten weißen Spitze.

Der Lappenhopf bevorzugte primäre Mischwälder

Lappenhopf-Verbreitungsgebiet

Hellgrün: Verbreitungsgebiet des Huia, bevor Menschen die Nordinsel besiedelten / Dunkelgrüne Streifen: Verbreitung um 1840 / Roter Punkt: letzte bestätigte Huia-Sichtung 1907 / Gelbe Punkte: spätere, unbestätigte Sichtungen (© Kahuroa, Public domain, via Wikimedia Commons)

Subfossile Funde und Knochenlager weisen darauf hin, dass der Huia einst sowohl im Tiefland als auch im Bergurwald der Nordinsel lebte. Von Buller gesammelte Berichte und ein Lied der Maori namens waiata deuten an, dass der Huia einst auch im Marlborough und Nelson District der Südinsel vorkam. Durch fossile Funde konnte das jedoch bislang nicht belegt werden.

Mit Beginn der Besiedlung der Nordinsel durch die Maori im 14. Jahrhundert verschwand der Huia aus dem nördlichen und westlichen Inselbereich. Und als die Europäer in den 1840er-Jahren auf die Nordinsel kamen, beschränkte sich das Verbreitungsgebiet der Vogelart nur noch auf die Gebirgszüge Ruahine, Tararua, Rimutaka und Kaimanawa im südöstlichen Teil der Nordinsel.

Der Lappenhopf bewohnte beide ursprünglichen Primärwaldtypen Neuseelands: den gemäßigten Regenwald und den Southern Beech Forest mit Südbuchen (Nothofagus). Er bevorzugte Nothofagus-PodocarpusMischwälder.

Unterschiedliche Schnabelformen als Ernährungsstrategie?

Kaka mit Huhu-Larve

Kaka mit einer Huhu-Käfer-Larve im Schnabel, die er gerade aus einem toten Baumstamm gegraben hat. (© Tony Wills, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Huias ernährten sich wie auch der ausgestorbene Nordamerikanische und Kubanische Elfenbeinspecht von in totem Holz lebenden Insektenlarven sowie Beeren und Samen. Da es keine Spechte in Neuseeland gibt, übernahmen ihre Rolle der ausgestorbene Huia und der bedrohte Waldpapagei oder Kaka (Nestor meridionalis).

In verrottendem Holz begab sich der Lappenhopf auf die Suche nach Insektenlarven. Wissenschaftler nehmen an, dass der Huia auf die Larven des nachtaktiven und als schwersten Käfer Neuseelands geltenden Huhu-Käfers (Prionoplus reticularis) spezialisiert war, er fraß aber auch andere Insekten wie Heuschrecken oder Spinnen.

Buller und auch viele andere Wissenschaftler nahmen zunächst an, dass sich die unterschiedlichen Huia-Schnabelformen möglicherweise auf die Ernährungsstrategien der Vögel zurückführen lassen: Das Männchen meißelte mit seinem kurzen Schnabel wie ein Specht Insekten und Larven aus der Rinde von morschem und faulem Holz heraus. Es entfernte so die äußeren Schichten des toten Holzes. Das Weibchen hat dann mit ihrem langen, dünnen Schnabel für das Männchen unerreichbare Larvengänge im Holz erkundet, die das Männchen aufgrund der Härte des Holzes nicht aufbrechen konnte.

Diese Theorie Bullers basiert auf die Beobachtungen eines in Gefangenschaft gehaltenen Huia-Pärchens, das mit Larven gefüttert wurde. Wissenschaftler gehen heute vielmehr davon aus, dass die unterschiedlichen Schnäbel ein extremes Beispiel für Nischendifferenzierung darstellen, um die intraspezifische Konkurrenz zwischen den Geschlechtern zu reduzieren. Diese Ansicht vertritt etwa der Biologe Ron J. Moorhouse in The extraordinary Bill Dimorphism of the Huia: Sexual Selection or intersexual Competition? (1996). Demnach würden die unterschiedlichen Schnabelformen der Spezies ermöglichen, eine Vielzahl von Nahrungsquellen in verschiedenen Mikrohabitaten zu nutzen.

Der Ornithologe Philip J. K. Burton hat die Anatomie von Hals und Kopf der Huias 1974 untersucht und festgestellt, dass sich Männchen und Weibchen nicht nur durch die Schnabelform unterscheiden, sondern auch, dass der Aufbau und die Muskulatur von Hals und Kopf Unterschiede aufweisen. Burton fand zudem heraus, dass Huias eine stark ausgeprägte Kaumuskulatur besaßen, sodass die Vögel ihre Kiefer mit beträchtlicher Kraft öffnen konnten.

Gab es den Lappenhopf auch in Weiß?

Von Keulemans gemalter weißer Huia

Darstellung eines weißen Huia von Keulemans. Albinismus, Leuzismus oder eine Ino-Mutation? (@ By J. G. Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die Maori, die indigene Bevölkerung Neuseelands, bezeichneten einige Huias als huia-ariki. Diese besaßen bräunliches Gefieder mit grauen Einschlägen; am Kopf und Hals waren sie dunkler gefärbt. Die Wissenschaft ist sich uneinig, ob es sich dabei um partielle Albinos handelte oder einfach nur um sehr alte Huias.

Es existieren auch Berichte über Huias, die komplett weiß gewesen sein sollen. Der niederländische Illustrator John G. Keulemans malte um 1900 einen dieser weißen Huias. Der Ornithologe Julian P. Hume und Hein van Grouw, der Museumskurator der ornithologischen Sammlung des Natural History Museum in London, untersuchten 2013 in Colour Aberrations in extinct and edangered Birds, was es mit dem weißen Vogel auf sich hat.

Da der von Keulemans gemalte weiße Lappenhopf ausgewachsen zu sein scheint, schließen die beiden Wissenschaftler Albinismus aus. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass progressives Ergrauen, Leuzismus oder eine Ino-Mutation das helle Gefieder verursacht haben. Fraglich ist auch, wie ein solcher von der Norm abweichender Huia bis ins Erwachsenenalter überleben konnte. Er wäre unter Sammlern sicherlich äußerst begehrt gewesen.

Leuzismus, eine angeborene Defekt-Mutation, bei der die Haut keine Pigmentzellen enthält, weshalb die Tiere weißes Fell und rosa Haut haben, kommt bei Wildvögeln sehr selten vor. Diese Theorie kann demnach auch für den Huia als Ursache ausgeschlossen werden. Ino-Mutationen, wie man sie von Wellensittichen kennt, sind hingegen bei Wildvögeln nicht unüblich, weshalb Hume und Grouw diese Erklärung favorisieren. Zumal das frische Gefieder von Inos sehr blass, fast reinweiß sein kann. Obwohl die Augen der Inos aufgrund des fehlenden Melanins rötlich sind, leiden die Vögel nicht wie Albinos unter einer Sehschwäche. So ist es Ino-Vögeln möglich, in freier Wildbahn zurechtkommen.

Den Wissenschaftlern gelang nicht, einen hellen Huia in ornithologischen Sammlungen ausfindig zu machen, weshalb sie die Farbabweichung auch nicht hundertprozentig erklären können. Doch die Tatsache, dass der von Keulemans gemalte Vogel ein Weibchen ist, unterstreicht, dass es sich um einen Ino handelt. Der Grund: Die Ino-Mutation ist eine Geschlechtschromosomen-gebundene, rezessive Mutation am Z-Chromosom, ein Geschlechtschromosom der Vögel. Das heißt, sobald Weibchen ein mutiertes Ino-Gen haben, ist die Mutation auch sichtbar, da weibliche Vögel nur ein Z-Chromosom besitzen. Männliche Vögel haben zwei Z-Chromosomen und wenn nur eines der Chromosomen ein mutiertes Ino-Gen aufweist, sieht man es dem Vogel nicht an, aber er kann die Mutation an seine Nachkommen vererben.

Die Māori und der Huia

Maori mit Huia-Schmuck pohoi

Ein 1878 von G. Lindauer gemaltes Portrait von Tukukino, einem Häuptling des Stammes Ngāti Tamaterā, der einen pōhoi-Ohrschmuck trägt. (© Gottfried Lindauer, Public domain, via Wikimedia Commons)

Die Maori haben die seltenen Huias nicht gejagt, um sie zu verspeisen, sondern ihrer Federn wegen, die Menschen hohen Ranges schmückten. Die Vögel waren recht neugierig, was es den Maori leicht machte, sie zu fangen. Zudem ahmten sie die Rufe des Huia nach und lockten so die Vögel an, um sie dann mit einer Schlinge zu packen oder mittels Keule oder Speer zu töten.

Zudem nutzten die Maori eine besondere Eigenschaft der Huias für ihre Jagdzwecke aus: Die Vögel lebten monogam und verbrachten ihr ganzes Leben mit demselben Partner. Wenn die Maori also ein Tier gefangen hatten, lockte dieses mit seinen Rufen unweigerlich seinen Partner an, der dann ohne großen Aufwand ebenfalls gefangen genommen werden konnte.

Das Verbreitungsgebiet des Huia war nicht sehr groß, aber seine Schwanzfedern fand man im hohen Norden und im äußersten Süden Neuseelands. Die Maori-Stämme tauschten Huia-Federn gegen andere wertvolle Güter wie Haifischzähne. Die Federn wurden zum Beispiel genutzt, um die Köpfe Verstorbener zu schmücken, als Schmuck auf Beerdigungen oder zum Dekorieren von Häuptlingsbehausungen.

Maori kreierten unterschiedliche Schmuckstücke aus Huias. Das marereko etwa war ein Federkopfschmuck bestehend aus zwölf Huia-Federn. Der pōhoi, ein Hals- oder Ohrschmuck, bestand aus getrockneter Huia-Haut – der Vogel wurde bis auf den Schnabel, die Kehllappen und den Schädel gehäutet und die Beine und Flügel entfernt. Zudem trugen die Maoris getrocknete Huia-Köpfe als Anhänger, sogenannte ngutu huia. Auch war es nicht unüblich Huias in Käfigen zu halten, um ihnen dann, sobald sie zu voller Größe herangewachsen waren, die Schwanzfedern auszuzupfen.

Waldrodungen nahmen dem Lappenhopf die Lebensgrundlage

Maori-Frau mit Hui-Federn als Kopfschmuck

Ein weiteres Portrait von Lindauer von etwa 1890, das Hinepare zeigt, eine Frau des Ngāti-Kahungunu-Stammes. Sie trägt zwei Huia-Schwanzfedern im Haar. (© Lindauer, Bohumír Gottfried, 1839-1926, Public domain, via Wikimedia Commons)

Huias waren zwar schon selten, als die Europäer begannen, Neuseeland zu besiedeln. Doch mit den massiven Waldrodungen auf der Nordinsel, um landwirtschaftliche Flächen für die neuen Siedler zu erhalten, wurden die Vögel schnell noch viel seltener. Huias reagierten auf diese Veränderung besonders sensibel, denn sie konnten nur in alten Wäldern leben, in Wäldern mit reichlich verrotteten Bäumen, in denen sie holzbohrende Insektenlarven fanden. In den sich nach Brandrodungen oder Abholzungen regenerierenden Sekundärwäldern fanden Huias keine Nahrung und konnten nicht überleben.

Auch wenn die Abholzung der Wälder hauptsächlich die Tiefländer betraf und die Bergregionen weitestgehend verschont wurden, kam es zu einem enormen Bestandseinbruch in den Huia-Populationen. Wissenschaftler vermuten, dass der Lappenhopf die Tieflandregionen als Winterrefugium benötigte, um dem Schnee und der extremen Kälte der Bergregion nicht ausgesetzt zu sein.

Invasive Arten, exotische Krankheiten und gierige Naturforscher

Präparat eines Lappenhopf-Weibchens im Museum Wiesbaden

Aufgrund der langen Huia-Beine, geht man davon aus, dass die Vögel besser hüpfen als fliegen konnten. Das Bild zeigt ein Weibchen im Museum Wiesbaden. (© Fritz Geller-Grimm, CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons)

Natürlich gelangten mit den Europäern auch Säugetiere nach Neuseeland. Dieter Luther weist in Die ausgestorbenen Vögel der Welt (1986) auf die mit der europäischen Besiedlung einhergehenden Faunenverfälschung als Aussterbeursache hin. Diese sei durch die Ansiedlung von rund 35 Säugetierarten verursacht worden, darunter Hunde, Marderartige, Ratten, Katzen, Kaninchen und Rotwild. Der fast flugunfähige Huia, der seine Zeit auf dem Boden oder in unteren und mittleren Baumregionen hüpfend verbrachte, stellte für diese invasiven Spezies sicherlich eine leichte Beute dar.

Die IUCN führt in diesem Zusammenhang die Hypothese an, dass die Einführung des ursprünglich asiatischen Singvogels Hirtenstar (Acridotheres tristis) und dessen Parasiten und Krankheiten das Aussterben des Huia beschleunigten. Diese Annahme beruht darauf, dass Wissenschaftler an Huia-Museumsbälgen afrikanische und asiatische Zecken nachweisen konnten. Diese wurden vermutlich mit Hirtenstaren eingeschleppt, so der Entomologe John G. Meyers in The present Position of endemic Birds in New Zealand (1923).

Der Hirtenstar, der auch Eier und Küken anderer Vögel erbeutet, gilt als Bedrohung für Ökosysteme und endemische Tiere. Die IUCN zählt den heute auch in Australien, Afrika und Nordamerika lebenden Hirtenstar daher zu den 100 of the World’s Worst Invasive Alien Species.

Sämtliche auf Neuseeland endemische Vogelarten sahen sich mit Lebensraumverlust und eingeschleppten Säugern konfrontiert, doch der Huia wurde zusätzlich massiv bejagt. Die Vögel waren als präparierte Exemplare wohlhabender Sammler in Europa und in Museen auf der ganzen Welt begehrt. Die Jagd auf die Vögel ging im Grunde genommen von Naturforschern aus. So brachte etwa der österreichische Präparator Andreas Reischek in einem Zeitraum von zehn Jahren 212 Huia-Paare ins Naturhistorische Museum Wien. Dies geht aus dem Beitrag Huia, The Sacred Bird (1993) für New Zealand Geographic von Michael Szabo hervor.

Doch auch die Maori trugen durch regen Huia-Handel ihren Teil zum Verschwinden der Vogelart bei. Buller berichtete 1888 in A History of the Birds of New Zealand, dass 1883 eine Gruppe von elf Maori 646 Huia-Bälge in einem Tauschhandel erhielten. Im Rahmen dessen sollen auch mehrere tausend Huia nach Übersee exportiert worden sein.

Versuche, den Lappenhopf zu retten und wie sie scheiterten

Schnabelformen von Huia-Weibchen und -Männchen

Der Schnabel des Huia-Weibchens (oben) war lang, gebogen und dünn, der des Huia-Männchens (unten) war kurz und kräftig. (© John Gould (1804-1881), Public domain, via Wikimedia Commons)

Neuseelands Regierung unternahm ein paar Versuche, die den Lappenhopf vor dem Aussterben bewahren sollten, doch es waren nur wenige, rechtlich nicht abgesicherte und schlecht organisierte Versuche. Die neuseeländische Naturschutzbewegung steckte im 19. Jahrhundert noch in den Kinderschuhen.

Anfang 1892 änderte man sogar den Wild Bird Protection Act dahingehend, dass verboten wurde, Huias zu töten. Das Problem war nur, dass sich niemand daran hielt. Zudem wurden auch nie Huias in die Inselschutzgebiete für gefährdete einheimische Vögel gebracht. In diesem Zusammenhang eine Anekdote aus Kerry-Jayne Wilsons Flight of the Huia (2004): Im Jahr 1893 sollte ein Huia-Paar zum Schutz nach Kapiti Island gebracht werden, doch Buller verhinderte dies und nahm das Paar sowie das letzte gesammelte lebende Weißwangenkauz-Pärchen (Ninox albifacies) als Geschenk für Lord Rothschild mit nach England. Ab 1901 galt der Lappenhopf in Neuseeland auch nicht mehr als geschützte Art während der Jagdsaison.

Die letzten Sichtungen und wie auch das Klonen scheiterte

Die letzte bestätige Huia-Sichtung war im Dezember 1907, als W. W. Smith drei Vögel in den Wäldern des Gebirgszugs Tararua Range im Süden der Nordinsel sah. Unbestätigte, „ziemlich glaubwürdige“ Sichtungen deuten aber an, dass der Lappenhopf später ausgestorben ist. So berichtete ein Mann, dem Huias nicht fremd waren, er habe drei Vögel in Gollans Valley hinter der York Bay im Dezember 1922 gesehen. In derselben Region sind auch Huia-Sichtungen für die Jahre 1912 und 1913 dokumentiert. Die letzten unbestätigten, glaubwürdigen Sichtungen kam aus den Wäldern des Te Urewera Nationalparks: 1952 in der Nähe des Mount Urutawa sowie 1961 und 1963 am Lake Waikareiti.

Einige Wissenschaftler glauben daran, dass es in der Urewera Range noch eine kleine überlebende Huia-Population gibt, von den meisten wird dies aber als unwahrscheinlich angesehen. In letzter Zeit fanden auch keine Expeditionen statt, die zum Ziel hatten, einen lebenden Huia zu finden.

Im Juli 1999 trafen sich Wissenschaftler und Ethiker und entschieden darüber, dass der Huia geklont werden solle, die CNN berichtete darüber. Allerdings stellte sich der Zustand der DNA in den Museumsvogelbälgen als zu schlecht heraus, sodass kein vollständiges Huia-Genom zum Klonen gewonnen werden konnte.

Mit dem Huia starb die Vogel-Ischnozere Rallicola extinctus aus

Als man an mehreren Huia-Museumspräparaten Federlings-Befall feststellte, fanden Wissenschaftler beim näheren Hinschauen eine bis dato unbekannte und zugleich ausgestorbene Insektenart: Eine Tierlaus aus der Familie Philopteridae, der Ischnozeren und Kieferläuse (Mallophagen) angehören, die in der Regel parasitisch auf Vögeln leben. Die auf dem Lappenhopf gefundene Laus Rallicola extinctus lebte wahrscheinlich ausschließlich auf dieser Vogelart und war auf den Huia als Wirt spezialisiert.

Das Verschwinden vieler Vogelarten ist mit dem Verlust wirtsspezifischer Insektenformen verbunden. Viele Arten von Parasiten sind erst nach dem Aussterben einer Vogelart in den Bälgen entdeckt worden. Ein berühmtes Beispiel ist die Wandertaubenmilbe, deren Wirt, die Wandertaube, 1914 ausstarb. Doch es muss nicht immer ein Vogel sein: Mit der Karibischen Mönchsrobbe verschwand Mitte des 20. Jahrhunderts auch die Nasenmilbe Halarachne americana.