Falklandwolf

Falklandwolf Falklandfuchs

Ein vom niederländischen Maler John Gerrad Keulemans 1890 gemalter Falklandwolf. Er maß vom Kopf bis zum Rumpf rund 90 Zentimeter, sein Schwanz war 30 Zentimeter lang. (© John Gerrard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons)

Falklandwolf – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Falklandfuchs, Falkland-Fuchs, Falkland-Wolf
lateinische Namen  Dusicyon australis, Canis australis, Dusicyon antarcticus, Canis antarcticus
englische Namen Falklands Wolf, Falklands Fox, Falkland Fox, Falkland Islands Wolf, Warrah, Falkland Islands Dog, Falkland Islands Fox, Warrah Fox, Antarctic Wolf
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Falklandinseln (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens 1876
Ursachen für das Aussterben Bejagung

Wie kam der Falklandwolf auf die Falklandinseln?

Bereits 1690 wunderten sich britische Besucher der Falklandinseln über das einzige Landsäugetier, das dort zwischen all den kleinen Lebewesen lebte. Nicht einmal Mäuse gab es dort. Wovon ernährte sich dieser Wolf? Auch der britische Naturforscher Charles Darwin, der die abgelegenen Inseln 1833 während seiner Weltreise mit der HMS Beagle besuchte, versetzte die Anwesenheit des Tieres, das er als Fuchs bezeichnete, in Erstaunen. Wie kam dieses Raubtier, das sich laut Darwins Reisetagebücher von Vögeln ernährte, auf die Inseln? Das südatlantische Inselarchipel liegt fast 500 Kilometer von der Ostküste Argentiniens entfernt und war nie mit dem Kontinent verbunden.

Die Falklandinseln mit ihrem stets kalten, windigen und regnerischen Klima bestehen aus etwa 200 Inseln, von denen die wenigsten größer als zehn Quadratkilometer sind. Dort leben mehr als 60 Vogelarten und an den Küsten brüten Millionen von Pinguinen zwischen Mähnenrobben, Seebären und See-Elefanten.

Erst 2013 gelang es australischen Wissenschaftlern, das Rätsel um die Anwesenheit des einzigen heimischen Landsäugetiers, den Falklandwolf, zu lösen. Forscher vom Australian Centre for Ancient DNA verglichen für eine Studie das Erbgut des Falklandwolfexemplars, das Darwin selbst gesammelt hatte, mit anderen ausgestorbenen Füchsen. Mit dem Ergebnis, dass der Falklandwolf vor 16.000 Jahren, auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, zwischen den Inseln und dem Kontinent flache zugefrorene Stellen nutzte, um hinüberzulaufen. Unterwegs konnte er sich von Pinguinen oder Robben ernähren. Für kleinere Säugetiere wie Ratten wäre der Weg auf die Inseln zu lang gewesen, sie wären auf dem Weg dahin verhungert. Das erklärt auch, warum der Falklandwolf das einzige Säugetier auf den Inseln war.

Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Falklandwolf ein verwilderter Haushund gewesen wäre. So wurde vermutet, dass südamerikanische Ureinwohner sie als Haustiere mitgebracht haben, als sie vor 20.000 Jahren die Falklandinseln bewohnten.

Falklandwolf oder Falklandfuchs?

Falklandwolf ausgestopft

Heute existieren nur etwa zwölf Museumsexemplare vom Falklandwolf. Der ausgestopfte Wolf auf dem Foto befindet sich im Otago-Museum auf Neuseeland. (© Kane Fleury / © Otago Museum / Wikimedia Commons)

Darwin bezeichnete den Falklandwolf als Fuchs, was auch irgendwie nahe liegt, denn der Falklandwolf – oder eben Falklandfuchs – war nicht grau wie ein Wolf, sondern rotbraun wie ein Fuchs. Ob Fuchs oder Wolf, beide gehören zur Familie der Hunde (Canidae), die sich in Echte Füchse (Vulpini) und Echte Hunde (Canini) aufgliedert. Der Falklandwolf zählt wie auch Wölfe, Schakale oder Kojoten zu den Echten Hunden – trotz seines fuchsartigen Aussehens.

Anhand von DNA-Vergleichen konnten Biologen herausfinden, dass der dem Falklandwolf kaum ähnlich sehende südamerikanische Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) sein nächster lebender Verwandter ist. Der nächste, aber bereits ausgestorbene Verwandte des Falklandwolfes war der Burmeister-Fuchs. Dieser gilt auch als die Stammform des Falklandwolfes, denn beide Arten entwickelten sich vor 16.000 Jahren auseinander, als der Falklandwolf sich zu den Falklandinseln aufmachte.

Der Falklandwolf kam auf den jeweils etwa 6.000 Quadratkilometer großen Hauptinseln Westfalkland und Ostfalkland vor. Die Falklandwölfe von Westfalkland seien kleiner und röter gefärbt als jene von Ostfalkland, so Darwin in seinem Reisebericht Voyages of the Adventure and Beagle Volume III. (1839).

Darwin, der später die Evolutionstheorie begründete, schrieb beim Ordnen seiner Notizen zum letzten Teil der Beagle-Expedition über seinen wachsenden Verdacht, dass es sich sowohl bei den Unterschieden zwischen den verschiedenen Spottdrosseln und Schildkröten auf den Galápagosinseln als auch den Unterschieden zwischen den Wölfen auf der West- und der Ost-Hauptinsel um Varianten handele. Je nachdem, von welcher Insel die Tiere stammen, seien bestimmte Merkmale anders ausgeprägt.

Vom Spitzenprädator zum vielleicht ersten in historischer Zeit ausgestorbenen Wildhund

falklandwolf von waterhouse

Darstellung des Falklandwolfes vom englischen Naturforscher George R. Waterhouse aus dem Jahr 1838. Darwin gab Waterhouse die während seiner Reise mit der Beagle gesammelten Säugetiere, woraufhin Waterhouse für das geplante Werk ‚The Zoology of the Voyage of H.M.S. Beagle‘ die Tiere illustrierte. (© George R. Waterhouse (1810-1888), Darwin (1809-1882), Public domain, via Wikimedia Commons)

Im Ökosystem der Falklandinseln stand der Falklandwolf als einziges Landsäugetier an der Spitze der Nahrungspyramide. Er besaß weder Fressfeinde noch Nahrungskonkurrenten. Vermutlich ernährte er sich von Vögeln, die am Boden brüteten, und Pinguinen. Vielleicht war auch ein wenig pflanzliche Kost darunter, aber das ist nicht sicher.

Darwin beschrieb den Falklandwolf bei seinem Besuch der kaum besiedelten Falklandinseln im Jahr 1833 als ein häufig vorkommendes und zahmes Tier, das wortwörtlich aus der Hand fraß. Nur 43 Jahre später war der Falklandwolf ausgerottet.

Im frühen 19. Jahrhundert machten zunächst argentinische Siedler Jagd auf den Falklandwolf, ab den 1830er-Jahren kamen US-amerikanische Pelzhändler hinzu. In den 1860er-Jahren landeten schließlich noch schottische Siedler samt ihrer Schafherden auf die Inseln. Ein Wolf stellt natürlich eine Bedrohung für die Schafe dar, sodass der Falklandwolf zum Abschuss freigegeben wurde. Die britische Verwaltung zahlte schon seit 1839 eine Prämie für jedes erschossene Tier. Viele der Siedler legten auch Giftköder aus oder setzten die Vegetation in Brand.

Ob der Falklandwolf tatsächlich eine Gefahr für die Schafe darstellte, weiß heute niemand. Aber es war sicherlich ein Leichtes die zahme Art auszurotten, zumal die Zwergstrauchheiden auf den Inseln den Wölfen kaum Möglichkeiten zum Verstecken geboten haben dürften.

Darwin prognostizierte bereits in seinem Reisebericht von 1839, dass der Falklandwolf schon bald „auf einer Stufe mit dem Dodo stehen wird, als ein Tier, das von der Erde verschwand“. Innerhalb der wenigen Jahre, in der die Falklandinseln aktiv besiedelt wurden, habe sich die Zahl der Falklandwölfe auf West- und Ostfalkland stark verringert. Schon 1865 gab es im östlichen Teil Ostfalklands keine Wölfe mehr. Der letzte Falklandwolf wurde wahrscheinlich 1876 in Shallow Bay, Westfalkland geschossen, so die IUCN.

Heute gibt es auf den Falklandinseln zwar keinen Falklandwolf mehr, aber neben den Schafen noch einige weitere eingeschleppte Säugetiere wie etwa Mäuse, Ratten, Kaninchen und Katzen.