Wüsten-Langnasenbeutler

Perameles eremiana Wüsten-Langnasenbeutler
Der im National Museum of Victoria in Melbourne aufbewahrte Holotypus des Wüsten-Langnasenbeutlers. Die Art erreichte eine Kopf-Rumpf-Länge von 18 bis 28 Zentimeter. (© David Staples, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)
Wüsten-Langnasenbeutler – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Iwurra, Mulgaruquirra, Waliya
lateinischer Name Perameles eremiana
englische Namen Desert Bandicoot, Orange-backed Bandicoot
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Australien (Central Australia)
Zeitpunkt des Aussterbens zwischen 1943 und den 1960er-Jahren
Ursachen für das Aussterben eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

Wüsten-Langnasenbeutler: Mulgaruquirra und Iwurra in Central Australia

Die im Gebiet der Stadt Alice Springs lebende indigene Bevölkerung Australiens nannte den Wüsten-Langnasenbeutler Mulgaruquirra und bei den Aborigines im Gebiet von Charlotte Waters hieß der Beutelsäuger Iwurra. Bekannt war ihnen das Tier lange bevor der britisch-australische Evolutionsbiologe Baldwin Spencer die Art 1897 unter dem Namen Perameles eremiana wissenschaftlich beschrieb.

Spencers Erstbeschreibung basiert auf einem Exemplar, das er von einem europäischen Korrespondenten, der sich in Alice Springs niedergelassen hatte, bekam. Als Typuslokalität bestimmte Spencer „Burt Plain nördlich von Alice Springs und die Sanddünen etwa 40 Meilen nordöstlich von Charlotte Waters“. Beides liegt in Central Australia.

Der Artstatus des Wüsten-Langnasenbeutlers ist umstritten. So hält L. Freedman in Skull and Tooth Variation of the Genus Perameles (1967) den Wüsten-Langnasenbeutler und den heute noch existierenden Streifen-Langnasenbeutler (Perameles bougainville) für dieselbe Art. Er vermutet, dass sich eine Kline mit unterschiedlichen Formen herausgebildet hat, da beide Langnasenbeutler (Perameles) sich sehr ähnlich sehen, aber dennoch Unterschiede aufweisen.

Für eine Studie (2012) ist der Evolutionsbiologe Michael Westerman der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft existenter und ausgestorbener Langnasenbeutler basierend auf mitochondrialer DNA auf den Grund gegangen. Es bestätigt sich eine nahe Verwandtschaft des Wüsten- mit dem Streifen-Langnasenbeutler, allerdings zieht Westerman es vor, sie als unterschiedliche Spezies zu betrachten.

An das Wüstenleben angepasster Langnasenbeutler

Fuß und Ohr vom Wüsten-Langnasenbeutler (Perameles eremiana)
Ohr und Fuß des Wüsten-Langnasenbeutlers aus Spencers 1897 veröffentlichten Erstbeschreibung der Tierart. (© Baldwin Spencer, lithograph executed by R. Wendel, Public domain, via Wikimedia Commons)

Am ehesten ist der Wüsten- vom Streifen-Langnasenbeutler anhand der Rot-Orange-Färbung an den Flanken, im Gesicht und am Rumpf zu unterscheiden. Grundsätzlich sind die Schwänze von Langnasenbeutlern relativ kurz, was auf den Wüsten-Langnasenbeutler aber nicht zutraf. Sein zum Ende hin spitz zusammenlaufender Schwanz erreichte eine Länge von 7,7 bis 13,5 Zentimeter. Sein Verwandter, der Streifen-Langnasenbeutler, besitzt graueres Fell und sein Schwanz war höchstens zehn Zentimeter lang.

Im Gegensatz zum Streifen-Langnasenbeutler besaß der Wüsten-Langnasenbeutler außerdem Haare auf der Unterseite seiner Füße sowie längere und spitzere Ohren. Es ist anzunehmen, dass dies der Anpassung an seinen trockenen Lebensraum in den steinigen und sandigen Dünen oder Sandebenen sowie dem Grasland Zentral-Australiens diente.

Über seine Lebensweise ist kaum etwas bekannt, aber sie ähnelte wohl der anderer Langnasenbeutler. Berichten zufolge, ernährten sich die Wüsten-Langnasenbeutler von Ameisen (insbesondere Honigtopfameisen), Käfer, Larven und Termiten. Sie waren wahrscheinlich Allesfresser, so wie andere Nasenbeutler auch.

Die nachtaktiven Tiere hielten sich tagsüber in einem mit Gras gesäumten Nest in einer Bodenvertiefung oder einem kurzen Bau unter Hügelgras oder Sträuchern auf.

Wüsten-Langnasenbeutler: Spätestens in den 1960er-Jahren ausgestorben

Wüsten-Langnasenbeutler Verbreitungsgebiet
Einstiges Verbreitungsgebiet des Wüsten-Langnasenbeutlers. (© מנחם.אל, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Als Spencer die neu entdeckte Langnasenbeutler-Art 1897 beschrieb, schienen die Tiere im Südosten des Bundesstaates South Australia, im Zentrum von Western Australia und im Bundesterritorium Northern Territory bis zur Tanamiwüste häufig vorzukommen – zumindest bis in die 1930er-Jahre hinein.

Der Biologe Andrew Burbridge befragte 1988 Aborigines zu in den Wüsten von Central Australia vorkommenden Säugtieren. Auch zum Wüsten-Langnasenbeutler: Western-Desert-Aborigines geben an, die Art sei zwischen 1940 und 1960 verschwunden. Die Pintupi hingegen, die nahe des Lake Mackey, einem ausgetrockneten Salzsee in Western Australia und Northern Territory, lebten, wollen noch in den 1960er-Jahren Wüsten-Langnasenbeutler gegessen haben.

Weiterhin berichten sie, die Tiere auf dieselbe Weise gejagt zu haben, wie den Goldenen Kurznasenbeutler (Isoodon auratus), der im selben Verbreitungsgebiet vorkommt. Die indigene Bevölkerung jagte die Beutelsäuger, indem sie den Eingang zu seinem Nest mit einem Fuß blockierte und das Tier mit der Hand einfing.

Der letzte sichere Nachweis des Wüsten-Langnasenbeutlers stammt aus dem Jahr 1943. Dabei wurde ein einzelnes Tier in Western Australia gesammelt. Dieser Hinweis und die Erinnerungen der Pintupi lassen vermuten, dass der Wüsten-Langnasenbeutler irgendwann zwischen 1943 und den 1960er-Jahren ausstarb.

Gründe für das Verschwinden der Art ungeklärt

Warum die Wüsten-Langnasenbeutler verschwunden sind, ist indes nicht ganz geklärt. Vielleicht hat es mit dem Feuer-Regime zu tun. Die Aborigines nutzen seit jeher Feuer in der Landschaft für die Jagd, um so das Wachsen von Grünfutter für Jagdwild anzuregen oder Korridore freizuhalten.

Lebensraum vom Wüsten-Langnasenbeutler
So sah der Lebensraum des Wüsten-Langnasenbeutlers aus – Stachelkopfgräser (Triodia) im Outback Australiens. (© Harry Rose from South West Rocks, Australia, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Nachdem die indigene Bevölkerung die zentralaustralische Wüstenregion verlassen musste, lösten durch Blitze verursachte, intensive Waldbrände den nach und nach entstandenen Brand-Flickenteppich der Ureinwohner ab. Diese unkontrollierbaren Waldbrände sorgten für den Verlust der Biodiversität.

Ursächlich für das Aussterben kann aber auch die Einschleppung des Rotfuchses (Vulpes vulpes) nach Australien gewesen sein. Seit den 1830er-Jahren brachten Siedler diese Tiere immer wieder auf den Kontinent. Der sich schnell ausbreitende Rotfuchs gilt als eine der invasiven Arten, die dort den größten ökologischen Schaden anrichtet.

Rotfüchse sind auch der Hauptgrund für sinkende Bestandszahlen bei Rattenkängurus (Potoroidae). Das Nacktbrustkänguru ist sogar bereits ausgestorben. Für das Verschwinden der Nasenbeutler-Art Perameles papillon sind ebenfalls eingeschleppte Räuber verantwortlich.

Der Biologe Ian Abbott setzt sich in einer Studie (2006) mit den Ursachen des Säugetiersterbens in Western Australia zwischen 1875 und 1925 auseinander. Er suchte den Auslöser, der in diesem Zeitraum dafür sorgte, dass sich bei rund ein Drittel der Fauna in Western Australia (33 Arten) die Verbreitung und Häufigkeit grundlegend änderte. Es gibt Hinweise auf eine möglicherweise eingeschleppte Krankheit oder Seuche unter den Säugetieren. Abbott geht auch davon aus, dass der Wüsten-Langnasenbeutler aufgrund fehlender Immunität davon betroffen gewesen sein könnte.

Die IUCN erklärt sich den Bestandsrückgang der Wüsten-Langnasenbeutler ebenfalls mit eingeschleppten Fressfeinden wie Füchsen oder Katzen. Neben dem sich ändernden Feuer-Regime nennt die Weltnaturschutzorganisation noch Kaninchen, die wahrscheinlich einen großen Einfluss auf den Lebensraum der Wüsten-Langnasenbeutler hatten.