Norfolk-Erdtaube

Pampusana norfolkensis Norfolk-Erdtaube
Die einzige Darstellung der Norfolk-Erdtaube, um 1790 gezeichnet von John Hunter. (© See page for author, Public domain, via Wikimedia Commons)
Norfolk-Erdtaube – Steckbrief
lateinische Namen Pampusana norfolkensis, Alopecoenas norfolkensis, Alopecoenas norfolciensis, Gallicolumba norfolciensis, Columba norfolciensis 
englische Namen Norfolk Ground Dove, Norfolk Ground-dove, Norfolk Island Ground-dove, Norfolk Island Ground Dove
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Norfolkinsel (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens um 1800
Ursachen für das Aussterben Bejagung, auf Insel eingeschleppte Tiere, Lebensraumverlust

1801 beschrieben und 2015 noch einmal – die Norfolk-Erdtaube

Von der Norfolk-Erdtaube gibt es nicht besonders viel: eine wissenschaftliche Erstbeschreibung durch den britischen Ornithologen John Latham aus dem Jahr 1801, eine Zeichnung von John Hunter aus dem Jahr 1790 sowie vier fossile Knochen, gefunden 1985 und 1997. Und eigentlich ist es noch weniger, denn Lathams Beschreibung wirft Zweifel auf. Sie enthält sowohl Merkmale des von Hunter gemalten Vogels als auch von zwei anderen Taubenarten der Norfolkinsel.

Möglicherweise bezieht sich Latham in seiner Beschreibung von Columba norfolciensis auf die Weißbrusttaube (Columba leucomela) und die Braunkappen-Glanztaube (Chalcophaps longirostris). Letztere lebt zwar auf der Norfolkinsel, wurde aber dorthin eingeführt, und die Weißbrusttaube trifft man gelegentlich auf der Insel an; eigentlich ist sie an der Ostküste Australiens beheimatet.

Da nicht klar ist, auf welchen Vogel sich Lathams Beschreibung bezieht, und weil der wissenschaftliche Name Columba norfolciensis für drei recht unterschiedliche Gattungen der letzten 100 Jahre verwendet wurde, sah sich die ICZN-Kommission 2010 dazu gezwungen, das Binomen Columba norfolciensis zu unterdrücken.

Mithilfe von Hunters Zeichnung und dem subfossilen Material beschrieb der australische Ornithologe und Papageienexperte Joseph Michael Forshaw die Norfolk-Erdtaube als Alopocoenas norfolkensis 2015 schließlich neu. Der Holotypus ist der Vogel, den Hunter einst malte, nicht die Illustration selbst. Die Norfolk-Erdtaube, also der Vogel von Hunters Bild, war auf der zu Australien gehörenden Norfolkinsel endemisch.

Im Jahr 2019 änderte sich noch einmal der Gattungsname zu Pampusana. Indopazifische Erdtauben sind bodenbewohnende Tauben, die in der Pazifik-Region und in den Regenwäldern Indonesiens beheimatet sind.

Latham – Ein Brite als Großvater der australischen Ornithologie

gemälde von john latham, der die erstbeschreibung der Norfolk-Erdtaube lieferte
Ölgemälde von Ramsay Richard Reinagle aus dem Jahr 1802, das vermutlich den Ornithologen John Latham zeigt.(© Ramsay Richard Reinagle, Public domain, via Wikimedia Commons)

Latham war nie in Australien, weshalb er niemals eine lebende oder tote Norfolk-Erdtaube zu Gesicht bekommen haben kann, denn es gibt ja auch keine konservierten Exemplare des Vogels. Bekannt als Großvater der australischen Ornithologie, besaß Latham seinerzeit eine der größten privaten Vogelsammlungen. Der Brite interessierte sich besonders für australische Vögel, die im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts in England eintrafen – etwa als Skelett, Balg oder in Alkohol konserviert.

Bis dato unbenannten und unbeschriebenen Vögeln gab Latham wissenschaftliche Namen. Er beschrieb in den 1780er-Jahren so zum Beispiel die Tongatapu-Ralle sowie anhand eines in Alkohol aufbewahrten Individuums auch den Kiritimati-Südseeläufer. Die beiden einst in der Pazifik-Region beheimateten Vogelarten sind heute ausgestorben.

Latham fertigte Beschreibungen zu diversen Vogelarten auch nur anhand von Zeichnungen an, weshalb es öfters vorkam, dass er ein und derselben Spezies unterschiedliche Namen gab. Den Weißstirn-Schwatzvogel (Manorina melanocephala) beschrieb Latham gleich viermal.

Zum Erscheinungsbild der Norfolk-Erdtaube

Columba leucomela
So sieht sie aus, die Weißbrusttaube. (© JJ Harrison (www.jjharrison.com.au/), CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Da es keine erhaltenen Exemplare der Norfolk-Erdtaube gibt, basieren die einzigen wenig zweifelhaften Aussagen über diese Vogelart auf der einzigen Illustration des Vogels. Hunter fertigte die Darstellung für das Buch Collection of 100 original watercolours of Birds, Flowers, Fishes and Natives done during 1788–1790 in New South Wales an und fügte als Beschreibung „Dove. Norfolk Island“ hinzu.

Chalcophaps longirostris
Und das ist die Braunkappen-Glanztaube. (© Jim Bendon from Karratha, Australia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

Lathams Beschreibung von 1801 zufolge, sei die Norfolk-Erdtaube circa 35 Zentimeter groß gewesen. Kopf, Nacken und Brust seien weiß, die Unterseite des Vogels, der Schwanz und der Schnabel schwarz gewesen und die Beine rot. Nun ja, irgendwie klingt das nicht so richtig nach dem Vogel auf Hunters Bild.

Der weiße Nacken und Kopf sind tatsächlich Merkmale der Weißbrusttaube und vom Vogel auf Hunters Bild, der schwarze Schwanz scheint auch von der Weißbrusttaube oder der Braunkappen-Glanztaube zu kommen. Rote Beine sieht man bei allen, einen schwarzen Schnabel nirgends.

Norfolk-Erdtaube: In nicht einmal 30 Jahren ausgerottet

Zurzeit gibt es noch 20 Erdtaubenarten; einige weitere Arten wurden ausgerottet. Drei oder vier Spezies starben im 18. Jahrhundert aus und andere sind nur durch subfossile Knochenfunde bekannt. Letztere verschwanden, als die ersten Menschen die Inseln im Südpazifik besiedelten, etwa zwischen 3.000 vor Christus und 1400 nach Christus.

Zu den ausgestorbenen Erdtaubenarten der neueren Zeit gehören neben der Norfolk-Erdtaube mindestens noch die Tanna-Erdtaube (Pampusana ferrugineus) und die San-Cristobal-Taube (Pampusana salamonis).

Europäer besiedelten ab 1774 die Norfolkinsel. Die dort lebenden Vögel zeigten keinerlei Scheu vor den Neuankömmlingen, sodass die Norfolk-Erdtaube, eine leicht zu bejagende Beute darstellte. Hinzu kommt, dass ihre Lebensweise bodengebunden war. Werden Erdtauben aufgescheucht, fliegen sie meist nur wenige Meter weit, um sich dann wieder auf dem Boden niederzulassen und im Dickicht Zuflucht zu suchen.

Die auf die Insel mitgebrachten Säugetiere, vor allem Ratten und Katzen, erledigten wohl den Rest. Im späten 18. Jahrhundert waren die Norfolk-Erdtauben ausgerottet, keine 30 Jahre nach der Besiedlung der Insel.

Als die Hauptursachen für den Bestandsrückgang noch existierender und das Aussterben bereits verschwundener Erdtaubenarten gelten die Zerstörung ihres Lebensraums, Überjagung und eingeschleppte Tierarten.