Berg-Affengesichtflughund

Pteralopex anceps verwandt mit P- pulchra Berg-Affengesichtflughund
Der Bougainville-Affengesichtflughund (Pteralopex anceps) ist ein ebenfalls von den Salomoninseln stammender Verwandter des Berg-Affengesichtflughunds. (© DeadMonkey8984, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)
Berg-Affengesichtflughund – Steckbrief
alternative Bezeichnung Makarakomburu-Flughund
lateinischer Name Pteralopex pulchra
englischer Name Montane Monkey-faced Bat
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Guadalcanal (Salomonen, Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens wahrscheinlich nach 1990
Ursachen für das Aussterben unklar, möglicherweise Lebensraumverlust

Berg-Affengesichtflughund: Nur ein dokumentiertes Exemplar

Der australische Biologe Tim Flannery entdeckte den Berg-Affengesichtflughund 1990 während einer Studie zu den Säugetieren der Südpazifikregion. Ihm war sofort klar, dass es sich um eine bislang unbekannte Flughund-Spezies handelt. Die auffälligen roten Augen, die schwarzweiß gefleckte Flugmembran, das lange schwarze Rücken- und das gelbliche Bauchfell machten das Tier für Flannery zum schönsten aus der Gattung der Affengesichtflughunde (Pteralopex). Daher verlieh er dem gefundenen Weibchen auch das Artepitheton pulchra, die lateinische Femininform für schön.

In A new Species of Pteralopex from Montane Guadalcanal, Solomon Islands beschrieb Flannery die neue Art Pteralopex pulchra 1991 wissenschaftlich – anhand eines einzigen ausgewachsenen Weibchens, das im Mai 1990 auf der Südseite des Mount Makarakomburu auf der Salomoninsel Guadalcanal in ein Japannetz geflogen ist.

Flughunde gelten als die größten Fledertiere. So kann etwa der in Südostasien lebende Kalong (Pteropus vampyrus) eine Flügelspannweite von 170 Zentimetern, eine Kopfrumpflänge von 40 Zentimetern und ein Gewicht von einem Kilogramm aufweisen. Der Berg-Affengesichtflughund gehört mit einer Kopfrumpflänge von rund 16 Zentimetern und einem Gewicht von 280 Gramm allerdings eher zu den kleinsten Vertretern seiner Gattung.

Affengesichtflughund vom Mount Makarakomburu bevorzugte höhere Bereiche

pteralopex atrata - verwandt mit dem Berg-Affengesichtflughund
Der Guadalcanal-Affengesichtflughund (Bild) und der Berg-Affengesichtflughund bewohnen auf Salomoninsel Guadalcanal unterschiedliche Höhenlagen. (© Joseph Smit, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der Berg-Affengesichtflughund oder Makarakomburu-Flughund ist ein kaum erforschtes Fledertier. Flannery entdeckte das Weibchen, das als Grundlage für die Beschreibung der Art diente, in einer Höhe von 1.230 Metern über dem Meeresspiegel. Er beobachtete weitere Tiere dieser Art oberhalb von 1.200 Metern. In tieferen Regionen sah er aber nicht einen Berg-Affengesichtflughund.

Der Biologe nimmt daher an, dass der Berg-Affengesichtflughund den Guadalcanal-Affengesichtflughund (P. atrata) ab einer Höhe von 1.200 Metern auf der Insel ersetzt. Damit wäre dieses Arten-Paar unter den Säugetieren auf den Salomonen das einzige, bei dem die eine Art die andere ab einer bestimmten Höhenlage ersetzt (vertikaler Vikariismus?).

Berg-Affengesichtflughund 1990 entdeckt – und nie wieder gesehen

Seit seiner Entdeckung 1990 wurde der Berg-Affengesichtflughund nicht mehr gesichtet, sodass einige Wissenschaftler heute davon ausgehen, dass die Tierart ausgestorben ist. Die IUCN listet den Berg-Affengesichtflughund als ’stark gefährdet, wahrscheinlich ausgestorben‘. Die Weltnaturschutzorganisation vermutet, dass die Population weniger als 50 Tiere umfassen würde, insofern die Art noch existiert. Es fehle bislang an intensiven Suchen, um endgültig festzustellen, ob Fledertiere dieser Art noch existieren oder nicht.

Während einer Suchexpedition im Jahr 2015 in Höhen von 1.000 und 1.300 bis 1.500 Metern auf der Nordseite des Mount Popomanasaeu konnte der Berg-Affengesichtflughund auch nicht nachgewiesen werden. Flannery vermutete in seiner Erstbeschreibung zwar, dass die Art ab 1.200 Höhenmeter vorkommt, doch orientierte er sich dabei an den Fundort des Weibchens, das am Südhang des Mount Makarakomburu entdeckt wurde.

Aufgrund klimatischer Bedingungen könnte die untere Höhengrenze des Berg-Affengesichtflughunds im Norden von Guadalcanal oberhalb von 1.500 Metern liegen. Die Nordseite des Gebirges ist nämlich regenarm, sodass die von der Art bevorzugte Vegetation eher in höheren Bereichen zu finden ist.

Affengesichtflughunde: Eine stark gefährdete Gattung

Verbreitungsgebiet: Berg-Affengesichtflughund Pteralopex pulchra
Die Karte zeigt das mögliche Verbreitungsgebiet des Berg-Affengesichtflughunds auf Guadalcanal in der Inselgruppe der Salomonen.(© A proietti, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Sämtliche Affengesichtflughund-Arten gelten aufgrund der in ihrem Lebensraum stattfindenden Waldrodungen und durch Bejagung als vom Aussterben bedroht oder zumindest als stark gefährdet. Was genau zum Verschwinden der Berg-Affengesichtflughunde beigetragen haben mag, ist jedoch ungewiss. Wegen ihres möglicherweise kleinen Verbreitungsgebiets kann schon ein einziger Störfaktor zum Aussterben geführt haben.

Es ist davon auszugehen, dass der Berg-Affengesichtflughund sehr spezifische Anforderungen an seinen Lebensraum stellt. So sind seine Artgenossen beispielsweise auf große hohle Bäume, die ihnen als Schlafplätze dienen, angewiesen. Was die Bejagung angeht, so sieht der Biologe Tyrone Lavery darin keine Gefahr, da in hochgelegenen Bereichen der Insel Guadalcanal Flughunde kaum oder gar nicht bejagt werden.

Berg-Affengesichtflughund: Gute Chancen auf Wiederentdeckung

Die australischen Biologen Diana O. Fisher und Simon P. Blomberg haben sich 2010 in einer Studie mit der Wahrscheinlichkeit der Wiederentdeckung von seit mehreren Jahren nicht dokumentierten Säugetieren befasst. Fisher deutete in einem späteren Interview an, dass einige Säugetierarten, die man jetzt für ausgestorben hält, noch gute Chancen haben, wiederentdeckt zu werden – als Beispiele nennt sie den Berg-Affengesichtflughund und Alcorns Taschenratte (Pappogeomys alcorni), die seit den später 1990er-Jahren als verschollen gilt.

Fishers und Blombergs Studie nach, ist eine Art meist tatsächlich ausgestorben, wenn der Hauptgrund für den Rückgang dieser Art das Einschleppen fremder Tiere (etwa Füchse, Ratten, Katzen) ist. Ein Beispiel: Die ebenfalls auf Guadalcanal endemische Kaiserriesenratte starb im späten 19. Jahrhundert aus, weil invasive Tiere mitsamt Krankheiten auf die Insel gelangten.

Anders verhält es sich mit Säugetieren, deren Lebensraum zerstört wurde. Viele Tierarten, von denen man glaubte, sie seien durch den Verlust ihres Lebensraums bereits ausgestorben, konnten wiederentdeckt werden. Es sei denn, sie waren auf ein äußerst kleines Verbreitungsgebiet beschränkt. Arten, die extrem stark bejagt wurden, sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wirklich ausgestorben, wie etwa Stellers Seekuh oder die Wandertaube.

Die Auswertung von Daten hat zudem gezeigt, dass ein bis zwei Suchen nach einer Art meist negativ verlaufen. Innerhalb von drei bis sechs Suchen jedoch konnten vermisste Arten wiederentdeckt werden. Noch mehr Suchexpeditionen allerdings erhöhen nicht unbedingt die Chancen auf eine Wiederentdeckung, so Fisher. Arten, die mehr als elf Mal der Gegenstand einer Suche waren, wie etwa der Beutelwolf oder der Baiji, wurden zum Beispiel bis heute nicht wiederentdeckt.