St.-Helena-Sumpfhuhn

zwergsumpfhuhn porzana pusilla
Das ausgestorbene St.-Helena-Sumpfhuhn gilt als direkter Abkömmling des heute in Europa, Afrika und Asien lebenden Zwergsumpfhuhns (Bild). (© Dr. Raju Kasambe, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)
St.-Helena-Sumpfhuhn – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Sankt-Helena-Sumpfhuhn, Saint-Helena-Sumpfhuhn, Helenasumpfhuhn, Helena-Sumpfhuhn, Helenaralle, Helena-Ralle
lateinische Namen Zapornia astrictocarpus, Porzana astrictocarpus
englische Namen Saint Helena Crake, St. Helena Crake, Saint Helena Rail, St. Helena Rail
ursprüngliches Verbreitungsgebiet St. Helena (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1502
Ursachen für das Aussterben Lebensraumverlust, auf Insel eingeschleppte Tiere, Überjagung

Mit der Entdeckung Sankt Helenas begann das Aussterben des Sumpfhuhns

Die Südatlantikinsel Sankt Helena ist gerade einmal 15 Kilometer lang und elf Kilometer breit. Aufgrund ihrer isolierten Lage konnte sich auf diesem Eiland eine einzigartige Flora und Fauna entwickeln – mit zahlreichen endemischen Arten (Arten, die nur dort vorkommen). Heutzutage weiß man von mindestens 400 Spezies, die ausschließlich auf dieser Insel gelebt haben. Eine davon war das St.-Helena-Sumpfhuhn.

Etwa zehn Jahre nachdem der amerikanische Vogelkundler Alexander Wetmore in der Prosperous Bay auf St. Helena Überreste der größeren St.-Helena-Ralle entdeckt hatte, stieß der US-Paläontologe Storrs Lovejoy Olsen 1973 dort auf Knochen des St.-Helena-Sumpfhuhns.

Olsen fand fast komplett erhaltene Skelette, die kleiner waren, als die von Wetmore gefundenen Knochen. Da der Carpometacarpus, ein besonderer Flügelknochen bei Vögeln, eine sonst nicht bei Rallen übliche Form aufwies, verlieh Olsen der neu entdeckten kleinen Rallenart den Namen Porzana astrictocarpus. Warum der Carpometacarpus solch eine spezielle Form aufwies, ist unklar, so Julian P. Hume in seiner Monographie Extinct Birds (2012).

Das nur von fossilen Überresten her bekannte St.-Helena Sumpfhuhn gehört neben der ebenfalls ausgestorbenen St.-Helena-Ralle zu den beiden einzigen flugunfähigen Rallen, die auf Sankt Helena bis ins frühe 16. Jahrhundert überlebt haben. Beide Vogelarten gelten als sympatrisch. Das heißt, eine der Rallenarten hat sich als neue Art im Lebensraum der ursprünglichen Art herausgebildet.

St.-Helena-Sumpfhuhn: Flugunfähiger Vogel ohne Überlebenschance

Da auf der Insel St. Helena für Vögel lange keine Fressfeine existierten, verloren viele von ihnen im Laufe der Entwicklungsgeschichte ihre Flugfähigkeit. Mit der Besiedlung der kleinen Insel ab 1502 schleppten Siedler Säugetiere wie Ziegen ein, die maßgeblich für die Zerstörung der Vegetation sorgten. Aber auch Rodungen für Feuer- und Bauholz und zur Schaffung von Plantagen vernichteten die ursprüngliche Pflanzenwelt.

Neben Tieren für Weidewirtschaft wurden auch andere Tier- und Pflanzenarten eingeschleppt, die auf St. Helena einheimische Arten verdrängten: Neuseeländischer Flachs (Phormium tenax), Fuchsien (Fuchsia), Füchse, Ratten oder Schweine.

So wurde dem St.-Helena-Sumpfhuhn seine Flugunfähigkeit zum Verhängnis. Verlorengegangene Vegetation und plötzliche Fressfeinde sorgten möglicherweise für das Aussterben dieser kleinen Vogelart. Der Ornithologe Julian P. Hume nennt auch Überjagung als ein Auslöser für das Verschwinden der Tierart.

Wann genau das St.-Helena-Sumpfhuhn ausgestorben ist, ist nicht bekannt. Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN dürfte das kurz nach der Entdeckung und Besiedlung der Insel Sankt Helena durch Menschen – also um 1502 herum – gewesen sein. Die subfossilen Überreste des St.-Helena-Sumpfhuhns werden heute in London und Washington D.C. aufbewahrt.

Fast nichts bekannt über das St.-Helena-Sumpfhuhn

Über Aussehen und Eigenschaften des bodenbewohnenden Vogels ist fast nichts bekannt. Wie heutige Rallen auch, ernährte sich der St.-Helena-Sumpfvogel als Allesfresser vermutlich von Pflanzenteilen, Wurzeln und Samen, von Würmern, Spinnen und kleinen Insekten sowie von Fischüberresten und Vogelkadavern.

Olsen zufolge handelte es sich beim St.-Helena-Sumpfhuhn und bei der ebenso ausgestorbenen Laysan-Ralle (Zapornia palmeri) um Abkömmlinge des noch heute in Europa, Afrika und Asien weit verbreiteten Zwergsumpfhuhns (Porzana pusilla). In etwa so dürfte das Sumpfhuhn von Sankt Helena dann wohl auch ausgesehen haben.

Das St.-Helena-Sumpfhuhn (wie auch die Laysan-Ralle) unterscheidet sich wegen der isolierten Lage, in der sie lebte, allerdings vom heutigen Zwergsumpfhuhn durch die zurückgebildeten Flügel. Heutige Zwergsumpfhühner können nämlich fliegen, weshalb ihr Becken und ihre Beine weniger robust als die vom St.-Helena-Sumpfhuhn sind.