Buschmoa-Genom rekonstruiert (Anomaloptery didiformis)
Der Buschmoa ist die bislang kleinste bekannte Moa-Art. Er war nur etwas größer als heutige Truthähne und erreichte ein Gewicht von etwa 30 Kilogramm. Der flugunfähige Vogel starb vor rund 500 bis 600 Jahren mit der Besiedlung Neuseelands aus. Auckland Museum, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Entschlüsseltes Buschmoa-Genom liefert Einblicke in die ausgestorbene Vogelwelt Neuseelands

Ein Team von Evolutionsbiologen hat das nahezu vollständige Genom des Buschmoas (Anomalopteryx didiformis), eines vor 500 bis 600 Jahren ausgestorbenen flugunfähigen Vogels aus Neuseeland, rekonstruiert. Forscher der Harvard University, der East Carolina University, der Universität Osaka und der University of Toronto sequenzierten alte DNA aus einem fossilen Knochen, der auf der Südinsel gefunden wurde, um das Buschmoa-Genom zu entschlüsseln.

Der Buschmoa war eine von etwa neun Moa-Arten, die einst die beiden Hauptinseln Neuseelands bewohnten. Moas gehörten zu den größten flugunfähigen Vögeln weltweit, starben jedoch zwischen dem späten 13. und dem frühen 16. Jahrhundert aus, als die Polynesier Neuseeland besiedelten. Hauptursachen für ihr Aussterben waren die intensive Bejagung sowie die Einführung nicht heimischer Arten wie Hunde. Zu den natürlichen Feinden der Moas zählten der Haastadler und die Eylesweihe (Circus teauteensis), die heute ebenfalls ausgestorben sind.

Der Buschmoa war eine verhältnismäßig kleine Moa-Art und war etwas größer als ein Truthahn. Im Vergleich dazu erreichten die Weibchen der Südinsel-Riesenmoas eine Rückenhöhe von bis zu zwei Metern, während die Weibchen des Nordinsel-Riesenmoas fast dieselbe Größe aufwiesen. Die männlichen Moas waren deutlich kleiner.

Das Fehlen von Flügeln bei Moas: Genom löst genetisches Rätsel

Bereits 2018 veröffentlichten Forscher der Harvard University Studienergebnisse, die das nukleare Genom des Buschmoas rekonstruierten. Diese Teilsequenzierung des Genoms zeigte, dass der genetische Bauplan für die Flügelbildung bei den Moas grundsätzlich funktionierte, jedoch die genetischen Anweisungen, die dem Körper signalisieren, wann, wo und wie viel Flügel zu bilden sind, fehlerhaft waren. Es ist wahrscheinlich, dass die Flügelentwicklungsgene über die Zeit mutierten, während die Moas allmählich zu flugunfähigen Landbewohnern wurden. Moas sind in der Vogelwelt einzigartig, da sie im Gegensatz zu anderen flugunfähigen Vögeln, die zumindest rudimentäre Flügelknochen besitzen, überhaupt keine Flügel hatten.

Buschmoa-Genom liefert überraschende Fähigkeiten der Vögel

Die aktuelle Studie, veröffentlicht in Science Advances, bietet eine detailliertere Analyse des Genoms des ausgestorbenen Buschmoas. Das Forschungsteam beschreibt seine Ergebnisse als die Wiederherstellung eines vollständigen mitochondrialen Genoms sowie des Kerngenoms eines männlichen Moas. Auch diese neue Untersuchung bestätigt die früheren Erkenntnisse bezüglich der Flügelbildung.

Nach der Sequenzierung entdeckten die Forscher, dass die Vögel in der Lage waren, im ultravioletten Spektrum zu sehen – eine Fähigkeit, die ihnen geholfen hätte, versteckte Nahrung zu finden. Zudem stellte sich heraus, dass Moas empfindlich auf bittere Nahrungsmittel reagierten – ein Merkmal, das bei modernen Vögeln üblich ist. Die Daten weisen zudem darauf hin, dass die wahrscheinliche Population dieser Vögel einst bis zu 240.000 Individuen betragen hatte und dass die Vögel sich vor etwa 70 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten abgespalten hatten.

Das Wiederherstellen des Genoms von längst ausgestorbenen Arten wie dem Buschmoa stellt eine Herausforderung dar, da die Menge an verfügbarer aDNA oft sehr begrenzt ist. Die neue Studie eröffnet weitere Möglichkeiten für zukünftige Forschungen, da das rekonstruierte Genom eine wertvolle Ressource bietet, um vertiefende Untersuchungen zur Evolution der Vögel und ihrer morphologischen Divergenz durchzuführen.

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