Burulori / Blue-fronted Lorikeet (Charmosynopsis toxopei) by John C. Mittermeier/American Bird Conservancy
Burulori (Charmosynopsis toxopei) auf Buru – fotografiert von John C. Mittermeier. Es zählt zu den ersten dokumentierten Aufnahmen der Art seit 2014. Bild: John C. Mittermeier/American Bird Conservancy

Burulori wiederentdeckt: Seltener Papagei lebt in abgelegenen Bergwäldern der Molukken

Der Burulori (Charmosynopsis toxopei) ist wieder nachgewiesen worden. Im April 2026 dokumentierte ein Expeditionsteam die seltene Papageienart im Hochland des Mount Kapalatmada auf der indonesischen Insel Buru. Es ist der erste gesicherte Nachweis seit 2014 und erst die zweite bestätigte Beobachtung der Art seit ihrer Entdeckung vor rund einhundert Jahren.

Die Expedition wurde von der indonesischen Bergsteigergruppe Kanal Buru unter Leitung von Handoko geführt. Beteiligt waren unter anderem John C. Mittermeier von der American Bird Conservancy (ABC) und der Initiative Search for Lost Birds, James Eaton von Birdtour Asia und Adam Miller von Yayasan Planet Indonesia sowie der Birdtour-Asia-Guide Sumaraja.

Der Burulori, auch Burolori genannt, wurde 1930 vom niederländischen Ornithologen Hendrik Cornelis Siebers wissenschaftlich beschrieben. Grundlage waren sieben Exemplare, die in den 1920er-Jahren auf Buru gesammelt worden waren. Danach verschwand die Art nahezu vollständig aus den ornithologischen Aufzeichnungen. Fast ein Jahrhundert lang blieb unklar, ob der kleine Lori extrem selten, bereits ausgestorben oder lediglich in einem schwer zugänglichen Lebensraum übersehen worden war.

Erst 2014 bestätigten Fotos von Craig Robson und einer Birdquest-Vogelbeobachtungstour, dass der Burulori noch lebt. Danach blieb die Art trotz weiterer Suchaktionen erneut unauffindbar, weshalb sie 2024 in die von Search for Lost Birds geführte Liste der „verschollenen Vögel“ aufgenommen wurde.

Burulori / Blue-fronted Lorikeet (Charmosynopsis toxopei) by James Eaton/Birdtour Asia
Burulori in den Bergwäldern Burus
Auf dem Foto sind der orangefarbene Schnabel und der bläuliche Stirnbereich gut zu erkennen – zwei wichtige Merkmale der Art. Loris sind auf Nektar und Pollen spezialisierte Papageien, oft mit kräftiger Färbung.
Bild: James Eaton/Birdtour Asia

Die Wiederentdeckung

Möglich wurde die neue Expedition erst durch eine Route, die lokale Kletterer im Herbst 2025 zum höchsten Gipfel Burus erschlossen hatten. Der Mount Kapalatmada erreicht rund 2.700 Meter Höhe. Seine Bergwälder sind bislang kaum erforscht, weil steile Felsen, dichter Bewuchs, rutschiges Gelände und schwierige Wetterbedingungen den Zugang erschwerten.

Das Team erreichte das Hochland nach mehreren Tagen Aufstieg. Kurz darauf kam es zur ersten Begegnung: Zwei kleine Vögel flogen in einen nahe gelegenen Baum. Als John C. Mittermeier sein Fernglas hob, erkannte er einen grünen Lori mit orangefarbenem Schnabel und blauer Stirn – die typischen Merkmale des Buruloris.

Diese erste Sichtung war zu kurz für Fotos. Zwei Tage später gelang dann der entscheidende Nachweis: Ein weiterer Burulori setzte sich für wenige Sekunden in die moosige Krone eines Baumes und konnte fotografiert werden. Am letzten Morgen im Hochland beobachtete das Team schließlich mehrere Buruloris zwischen blühenden Bäumen. Dabei gelangen auch die ersten Tonaufnahmen der hohen Rufe dieser Art.

Eindrücke von der Expedition und der Wiederentdeckung hat die American Bird Conservancy in einem kurzen Video dokumentiert:

Warum die Art so lange übersehen wurde

Der Burulori ist endemisch auf Buru, kommt also nur auf dieser zu den Molukken gehörenden Insel vor. Trotz dieses eng begrenzten Verbreitungsgebiets ist bis heute nur wenig über seine tatsächliche Verbreitung, Bestandsgröße und Lebensweise bekannt.

Karte: Buru in den Molukken - Lebensraum des Burulori
Buru ist die drittgrößte Insel der indonesischen Molukken – und der einzige bekannte Lebensraum von Charmosynopsis toxopei.

Auffällig ist, dass alle sicheren Nachweise aus höheren Lagen stammen. Die historischen Exemplare wurden in etwa 850 bis 1.000 Metern Höhe gesammelt; der Nachweis von 2014 gelang in rund 1.300 Metern Höhe. Entsprechend lag die Vermutung nahe, dass der Burulori vor allem Wälder der mittleren Höhenlagen nutzt. Diese Bereiche Burus wurden später vergleichsweise gut untersucht. Dass er dort dennoch kaum gefunden wurde, galt lange als Warnsignal: Der Papagei könnte extrem selten geworden sein oder stark zurückgehen.

Die IUCN führte die Art deshalb viele Jahre als Critically Endangered (CR), also als vom Aussterben bedroht. Im Jahr 2024 wurde sie in die Kategorie Data Deficient (DD) überführt. Das bedeutet nicht, dass der Burulori ungefährdet ist; es zeigt vielmehr, dass zu wenig über seine Verbreitung, Bestandsgröße und Habitatnutzung bekannt ist, um sein Aussterberisiko sicher zu bewerten.

Entscheidend ist die Frage, welchen Lebensraum die Lori-Art tatsächlich bevorzugt. Sollte sie in den bereits relativ gut untersuchten mittleren Höhenlagen leben, wäre ihre Seltenheit ein ernstes Alarmsignal. Falls sie jedoch in erster Linie die bisher kaum erforschten oberen Bergwälder nutzt, könnte dort eine größere und möglicherweise stabile Population überlebt haben.

Die neue Expedition stützt diese zweite Möglichkeit. Die Wiederentdeckung zeigt, dass der Burulori zumindest heute in hoch gelegenen, schwer zugänglichen Bergwäldern vorkommt. Offen bleibt, ob diese Hochlagen schon immer sein bevorzugter Lebensraum waren oder ob er früher auch niedrigere Wälder nutzte und dort durch Lebensraumverlust oder andere Störungen zurückgedrängt wurde. Ebenso unklar ist, ob der Mount Kapalatmada ein Hauptlebensraum der Art oder nur ein letzter Rückzugsraum ist.

Gefährdet, aber kaum erforscht: Welche Risiken drohen

Burulori / Blue-fronted Lorikeet (Charmosynopsis toxopei) by John C. Mittermeier/American Bird Conservancy
Der Burulori gehört zu den kleineren Lori-Arten und wird nur etwa 16 cm groß.
Bild: John C. Mittermeier/American Bird Conservancy

Trotz der Wiederentdeckung bleibt die Lage des Buruloris unsicher. Über die Größe der Population ist kaum etwas bekannt; wahrscheinlich ist sie klein und auf bestimmte Lebensräume beschränkt. Zugleich stehen die Wälder Burus durch Holzeinschlag, Bergbau und die Jagd auf Vögel unter Druck.

Konservasi Kakatua Indonesia dokumentierte zwischen 2023 und 2025 umfangreiche Lebensraumzerstörung durch Holzunternehmen in Höhenlagen von etwa 500 bis 1.200 Metern. Diese Bereiche sind für den Burulori relevant, weil frühere Nachweise aus ähnlichen Höhenlagen stammen. Hinzu kommt, dass in den Bergen Burus weiterhin Vögel für den Verzehr und den Handel gejagt werden. Unter den betroffenen Arten befinden sich auch mehrere Papageien.

Noch ist unklar, wie stark diese Gefahren den Burulori direkt betreffen. Falls er vorrangig in höheren, schwer zugänglichen Bergwäldern lebt, könnten diese Gebiete bisher als natürlicher Rückzugsraum gewirkt haben. Mit neuen Routen ins Hochland werden zuvor kaum erreichbare Lebensräume allerdings leichter zugänglich.

Weitere Entdeckungen im Hochland

Die Expedition auf das Plateau des Mount Kapalatmada brachte nicht nur neue Nachweise des verschollenen Loris, sie zeigte auch, wie wenig die Bergwälder bisher ornithologisch erforscht sind.

Zu den Funden gehörte der Burupieper (Anthus ruficollis), auch Madanga genannt. Der ungewöhnliche Singvogel galt lange als Brillenvogel, wurde durch genetische Untersuchungen jedoch als baumbewohnender Pieper erkannt. Das macht ihn zu einer taxonomischen Besonderheit: Während die meisten Pieper offene Landschaften am Boden nutzen, lebt der Burupieper in den Baumkronen der Bergwälder. Die Art wird von der IUCN als stark gefährdet eingestuft und war nach ihrer wissenschaftlichen Beschreibung 1923 lange nur von vier Exemplaren bekannt, bevor sie in den 1990er-Jahren wiederentdeckt wurde. Neue Tonaufnahmen und Beobachtungen könnten nun helfen, ihre Lebensweise besser zu verstehen.

Außerdem dokumentierte das Team eine bislang unbeschriebene Form einer Inseldrossel. Diese Vogelgruppe war auf Buru bisher nicht sicher nachgewiesen. Auf den veröffentlichten Fotos ist ein Vogel zu sehen, der sich deutlich von verwandten Inseldrosseln anderer Inseln wie Seram oder Taliabu unterscheidet: Er ist glänzend schwarz und besitzt einen auffälligen orangefarbenen Augenring sowie einen orangefarbenen Schnabel. Damit könnte es sich um ein neues, wissenschaftlich noch nicht beschriebenes Taxon handeln. Auch der Papuahabicht (Astur meyerianus) wurde erstmals auf Buru nachgewiesen. Diese Beobachtung erweitert die bekannte Verbreitung dieser Greifvogelart.

Die Funde zeigen, dass das Hochland des Mount Kapalatmada nicht nur für den Burulori wichtig ist. In nur zwei Wochen dokumentierte das Expeditionsteam mehrere seltene oder bislang unbekannte Vogelvorkommen. Die Wälder Burus könnten damit ein bedeutender Rückzugsraum für endemische, wenig erforschte und bislang unbekannte Arten sein.

Warum die Wiederentdeckung erst der Anfang ist

(Vini diadema) Diamdemlori
Der Diademlori ist nur von wenigen, teils unsicheren Nachweisen aus Neukaledonien bekannt; von den zwei 1859 gesammelten Typusexemplaren ist nur eines erhalten.
Bild: John Gerard Keulemans, Public domain, via Wikimedia Commons

Die Wiederentdeckung des Buruloris ist eine gute Nachricht. Sie zeigt, dass selbst Vogelarten, die über Jahrzehnte kaum oder gar nicht nachgewiesen wurden, in abgelegenen Refugien überlebt haben können. Für andere verschollene Insel-Loris gibt dieser Fund zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer – etwa für den Diademlori (Vini diadema) aus Neukaledonien, der zuletzt 1859 sicher dokumentiert wurde, oder für den Rotschenkellori (V. amabilis) von den Fidschi-Inseln, dessen letzter sicherer Nachweis fast 50 Jahre zurückliegt.

Doch der Fund ist nur der Anfang. Jetzt müssen Forschende klären, wie groß die Population ist, wie weit der Burulori verbreitet ist, welche Lebensräume er tatsächlich nutzt und welchen Gefahren er ausgesetzt ist. Besonders wichtig wird der Schutz der verbliebenen Bergwälder Burus sein – gemeinsam mit den Menschen vor Ort, die den Mount Kapalatmada und seine Umgebung am besten kennen.

Bisher war die Unzugänglichkeit des Hochlands vermutlich ihr größter Schutz. Nun, da neue Routen in diese Wälder führen, braucht es frühzeitig Schutzmaßnahmen. Der Burulori lebt. Ob er auch langfristig überlebt, hängt davon ab, ob seine Rückzugsräume rechtzeitig erforscht und geschützt werden.

Die Wiederentdeckung reiht sich in weitere bemerkenswerte Nachweise verschollener Vogelarten ein. Im Rahmen der Initiative Search for Lost Birds wurden in den vergangenen Jahren mehrere Arten wiedergefunden, die lange nicht mehr dokumentiert worden waren. So gelang im November 2025 der erneute Nachweis des Sulu-Raupenfängers in den abgelegenen Wäldern des Tawi-Tawi-Archipels – nach fast 20 Jahren ohne bestätigte Sichtung. Im Februar 2026 wurde zudem die Rostlerche aus der Sahelzone Afrikas erstmals seit 94 Jahren wieder sicher dokumentiert. Solche Funde zeigen: Verschollene Arten sind nicht zwangsläufig ausgestorben, und sie machen aber auch deutlich, wie dringend ihre letzten Lebensräume geschützt werden müssen.


Quellen

Über die Autorin: Doreen Fräßdorf

Doreen Fräßdorf ist Autorin und Betreiberin von artensterben.de. Sie recherchiert und schreibt über ausgestorbene und vom Aussterben bedrohte Arten in der Neuzeit – mit Schwerpunkt auf Roten Listen, wissenschaftlichen Studien, historischen Quellen und aktuellen Schutzbemühungen. Ziel ist eine verständliche, faktenbasierte Einordnung komplexer Entwicklungen rund um Biodiversitätsverlust und Artenschutz.
Sie ist außerdem Autorin eines Sachbuchs über ausgestorbene Säugetiere der Neuzeit.

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