Bestandssituation 2025 Vögel in Deutschland: Bienenfresser (Merops apiaster)
Farbenprächtig und wärmeliebend: Der Bienenfresser (Merops apiaster) ist einer der deutlichsten Profiteure der Klimaerwärmung. Seit 2016 haben sich seine Bestände auf 4.700 bis 6.000 Paare mehr als verdoppelt – ein Hinweis darauf, wie schnell sich Brutareale nach Norden verschieben. Sven Damerow, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

Deutschlands Vogelwelt im Wandel: Die Bestandssituation 2025

Die Vogelwelt Deutschlands ist in Bewegung. Während wärmeliebende Arten wie Bienenfresser, Wiedehopf oder Purpurreiher dank milderer Winter nach Norden vordringen, verschwinden typische Arten der Agrarlandschaft in rasantem Tempo – allen voran Kiebitz, Rebhuhn, Braunkehlchen und Uferschnepfe. Gleichzeitig gelten inzwischen 20 Brutvogelarten als hierzulande ausgestorben.

Der neue Bericht Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025 zeigt, wie stark Klimawandel, Landnutzungsintensivierung und Lebensraumverlust die Vogelgemeinschaft verändern. Die Analyse wurde vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) erstellt – auf Basis von über 10 Millionen Meldungen und dem Einsatz von 7.000 ehrenamtlichen Kartiererinnen und Kartierern.

Die Zahlen im Überblick

Die neue Auswertung zeigt, wie vielfältig – und zugleich verletzlich – die Vogelwelt Deutschlands geworden ist. Insgesamt brüten hier 304 Brutvogelarten, doch ihre Situation ist sehr unterschiedlich.

 Rotkopfwürger (Lanius senator) - seit 2019 in Deutschland ausgestorben
Der Rotkopfwürger (Lanius senator) gehört zu den sechs Arten, die zwischen 2017 und 2025 als Brutvogel in Deutschland ausgestorben sind. Sein historischer Rückgang setzte schon im frühen 20. Jahrhundert ein: Von ehemals hunderten Brutpaaren schrumpfte der Bestand bis Mitte der 1990er-Jahre auf nur noch 15 Paare.
Juan Emilio from Las Palmas de Gran Canaria, España, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons)

244 Arten gelten als etablierte einheimische Brutvögel, hinzu kommen 25 Arten, die nur unregelmäßig brüten. Gleichzeitig verzeichnet der Bericht 18 ausgestorbene Brutvogelarten im offiziellen Bewertungszeitraum 2017 bis 2022 – vier mehr als im letzten Bericht von 2019: Rotkopfwürger, Ohrentaucher, Goldregenpfeifer und Raubseeschwalbe.

Nach 2022 sind zwei weitere Arten verschwunden: der Seggenrohrsänger (2023) und die Zwergmöwe (2025). Damit umfasst die Liste der ausgestorbenen Brutvögel in Deutschland inzwischen 20 Arten – ein Hinweis auf den anhaltenden Verlust wertvoller Lebensräume.

Zugleich verändert sich das Artenspektrum: 17 Neozoen, darunter Nilgans, Halsbandsittich und Mandarinente, haben sich fest etabliert. Auch neue Brutvogelarten kommen hinzu: Zwischen 2017 und 2025 konnten sich Zwergohreule, Seidensänger und Mariskenrohrsänger dauerhaft ansiedeln. Zudem brüteten im gleichen Zeitraum acht Arten erstmals in Deutschland – darunter die Brillengrasmücke und die Zwergscharbe, die vermutlich von Klimaveränderungen und Arealverschiebungen profitieren.

Diese Zahlen machen deutlich: Die Vogelwelt wird dynamischer. Neue Arten wandern ein, andere verschwinden – ein Zeichen dafür, wie schnell sich die ökologischen Rahmenbedingungen verändern.

Entwicklung der Bestände: Dynamik statt Stabilität

Die neuen Daten zeigen, dass sich die Vogelwelt Deutschlands schneller verändert als je zuvor. Zwischen 2010 und 2022 nahmen die Bestände von rund 40 % der Brutvogelarten zu, während 30 % Abnahmen verzeichneten. Was auf den ersten Blick ausgewogen wirken könnte, entpuppt sich Trend: Der Anteil der Arten mit stabilen Beständen schrumpft kontinuierlich.

Das bedeutet, dass immer weniger Vogelarten in einem langfristig gleichbleibenden Bestand verharren. Stattdessen entwickeln sich mehr Arten entweder stark nach oben oder deutlich nach unten. Dies ist laut Bericht nicht als natürliche Schwankung zu werten, sondern als ökologisches Warnsignal.

Der Grund: Stabile Populationen sind ein Kennzeichen intakter Ökosysteme. Wenn Bestände stark schwanken, deutet das auf tiefgreifende Veränderungen in Lebensräumen, Nahrungsnetzen und klimatischen Bedingungen hin. Arten reagieren sensibler auf Störungen, und ganze Gemeinschaften werden instabiler.

Der Trend zeigt also weniger ein Gleichgewicht aus Gewinnern und Verlierern, sondern vielmehr eine beschleunigte Veränderung der Umweltbedingungen. Diese Dynamik ist Ausdruck der Prozesse, die sich durch den gesamten 2025er-Bericht ziehen: Klimawandel, Lebensraumverlust, Intensivierung der Landwirtschaft und strukturelle Veränderungen in Wäldern und Küstenregionen.

Gewinner-Arten profitieren vom Klimawandel oder Schutzmaßnahmen

Die hierzulande häufigsten Brutvogelarten bleiben Amsel, Buchfink, Kohlmeise und Haussperling. Das Wintergoldhähnchen hingegen ist aufgrund eines Brutbestandrückgangs von 56 % nicht mehr unter den häufigsten Arten. Auch der Feldsperling ist aus der Top 20-Liste gefallen.

Folgende Arten haben im Brutbestand seit 1998 stark zugenommen: Bienenfresser, Zaunammer, Wiedehopf, Purpurreiher, Zwergdommel und Mittelmeermöwe. Sie profitieren von wärmeren Wintern, erhöhten Temperaturen und der Ausbreitung klimatisch geeigneter Lebensräume nach Norden.

Arten wie Weißwangengans, Singschwan und Graugans zeigen starke Zunahmen sowohl in der Brutzeit als auch im Winter. Milderes Klima verändert Zugrouten und Überwinterungsgebiete – oft zugunsten dieser Arten.

Die Erholung einiger Großvögel zählt zu den Erfolgsgeschichten im deutschen Naturschutz: See- und Fischadler, Uhu, Kranich und Großtrappe. Sie profitieren von Artenhilfsprogrammen, strengem Schutz, weniger Verfolgung und dem Verbot schädlicher Umweltgifte.

Seeadler (Haliaeetus albicilla) profitiert von Schutzmaßnahmen in Deutschland
Lange stand der Seeadler (Haliaeetus albicilla) in Deutschland kurz vor dem Verschwinden – heute kehrt er zurück. Artenhilfsprogramme, strenge Schutzmaßnahmen, das Verbot giftiger Pestizide sowie das weitgehende Ende der früheren Verfolgung durch Jagd und Vergiftung haben seine Bestände wieder anwachsen lassen.
Bohuš Číčel (https://www.flickr.com/photos/bcicel/), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Vögel in Deutschland: Das sind die Verlierer

Die Verluste konzentrieren sich auf bestimmte Artengruppen. Drei Lebensraumtypen – Agrarlandschaften, Küsten und Wälder – sind besonders stark vom ökologischen Wandel betroffen. Jede dieser Regionen steht unter anderem Druck, und die Vögel reagieren entsprechend empfindlich.

Agrarlandschaft – das Epizentrum des Vogelrückgangs

Alpenstrandläufer (Calidris alpina)
Mit einem Bestandsrückgang von etwa 84 % seit 1998 zählt der Alpenstrandläufer (Calidris alpina) zu den am stärksten bedrohten Wiesenvogelarten Deutschlands. Entwässerte Feuchtwiesen, schwindende Insekten und intensive Grünlandnutzung setzen dieser Art besonders zu.
lwolfartist, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Kaum ein Lebensraum ist so stark von menschlicher Nutzung geprägt wie das Agrarland, und kaum einer hat in den vergangenen Jahrzehnten so viel biologische Vielfalt verloren. Arten des Feuchtgrünlands und der offenen Landschaft verzeichnen seit 1998 die stärksten Einbrüche:

  • Alpenstrandläufer (–84 %)
  • Rebhuhn (–66 %)
  • Bekassine (–66 %)
  • Kiebitz (–65 %)
  • Wachtelkönig (–61 %)
  • Braunkehlchen (–59 %)
  • Uferschnepfe (–59 %)

Viele dieser Vogelarten sind Bodenbrüter und auf nasse Wiesen, Brachen und insektenreiche Habitate angewiesen. Diese Strukturen sind jedoch in den letzten Jahrzehnten verschwunden – durch Entwässerung, Pestizideinsatz, häufigere Mahd und die Intensivierung der Landwirtschaft. Die Agrarvogelkrise ist seit Jahren wissenschaftlich dokumentiert, entschärft wurde sie bislang aber kaum.

Küsten- und Seevögel: Klimakrise, Nahrungsknappheit und Vogelgrippe

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis)
Mit einem Rückgang um 67 % seit 2000 gehört der Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) zu den am stärksten bedrohten Wasservögeln Deutschlands. Die Art ist auf flache Stillgewässer angewiesen und brütet oft in Kolonien der Lachmöwe – Lebensräume, die zunehmend unter Druck stehen.
Alan D. Wilson, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Auch an den Küsten brechen die Bestände ein. Besonders betroffen sind Arten, die auf stabile Fischbestände, ungestörte Brutplätze und intakte Meeresökosysteme angewiesen sind:

  • Schwarzhalstaucher (–67 %)
  • Dreizehenmöwe (–66 %)
  • Eissturmvogel (–80 %)

Die Ursachen reichen von der Erwärmung der Meere über Überfischung und veränderte Beuteverfügbarkeit bis hin zu den massiven Verlusten durch die Vogelgrippewelle seit 2022. Hinzu kommen Sturmfluten und Meeresspiegelanstieg, die Brutplätze zerstören, sowie Störungen durch Tourismus und Extremwetter.

Wie verletzlich Küstenvögel geworden sind, zeigt die stark zurückgehende Küstenseeschwalbe. Aber auch Watvögel wie Austernfischer oder Säbelschnäbler sind betroffen.

Waldvögel: Gewinner im Totholz, Verlierer im Klimastress

In den Wäldern entsteht ein gemischtes Bild. Viele Nadelwälder sind in den letzten Jahren durch Dürre, Borkenkäfer und Stürme kollabiert – mit unterschiedlichen Folgen für die Vogelwelt.

  • Gewinner: Bunt-, Schwarz- und Mittelspecht – Sie profitieren vom Anstieg an Totholz und neuen Brutmöglichkeiten.
  • Verlierer: Tannenhäher, Tannenmeise und Wintergoldhähnchen. Sie verlieren großflächig ihre traditionellen Nadelwaldlebensräume. Hinzu kommen Langstreckenzieher wie Waldlaubsänger, Trauerschnäpper und Fitis, deren Rückgänge teils auf Probleme in den Überwinterungsgebieten und entlang der Zugrouten zurückzuführen sind.

Warum so viele Arten verlieren – die wichtigsten Treiber

Der Bericht zur Bestandssituation der Vögel in Deutschland 2025 macht deutlich, dass die negativen Bestandstrends kein Zufall sind, sondern auf eindeutig benennbare Faktoren zurückgehen. Fünf Hauptursachen, die oft zusammenwirken und sich gegenseitig verstärken, prägen die Vogelwelt Deutschlands.

1. Intensivierung der Landwirtschaft – der stärkste Treiber

Kiebitz (Vanellus vanellus) - hat in Deutschland seit 1998 65 % seiner Bestände verloren
Der Kiebitz (Vanellus vanellus) gehört zu den größten Verlierern der Agrarlandschaft. Sein Brutbestand ist seit 1998 um rund 65 % eingebrochen – vor allem durch den Verlust nasser Wiesen und intensivere Bewirtschaftung. Jüngere Trends deuten zwar auf eine leichte Verlangsamung des Rückgangs hin, doch die Art bleibt gefährdet.
Stephan Sprinz, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons)

Kein anderer Faktor beeinflusst die Vogelbestände so stark wie die moderne, industrialisierte Landwirtschaft. In vielen Regionen sind Feuchtwiesen trockengelegt worden, Blühstreifen verschwunden und traditionelle Wiesen in intensiv genutzte Grünlandflächen verwandelt worden. Der Einsatz von Pestiziden führt zu einem massiven Rückgang der Insekten – eine Entwicklung, die für Jungvögel gefährlich ist, die auf eiweißreiche Beute angewiesen sind.

Viele Arten des Offenlands werden heute „ausgemäht“: Durch frühe und häufige Mahd haben Bodenbrüter wie Kiebitz oder Braunkehlchen kaum eine Chance, erfolgreich zu brüten. Der Verlust von Hecken, Feldrainen, Brachen und Kleingewässern nimmt den Arten zusätzlich Deckung und Nahrung.

Ergebnis: Arten, die früher in fast jeder Kulturlandschaft vorkamen, sind heute vielerorts verschwunden. Die Agrarlandschaft ist zum Zentrum der Biodiversitätskrise geworden.

2. Klimawandel – Die Welt verschiebt sich

Der Klimawandel verändert die Vogelwelt grundlegend. Milder werdende Winter und steigende Temperaturen ermöglichen wärmeliebenden Arten wie Bienenfresser, Wiedehopf oder Purpurreiher die Ausbreitung nach Norden. Gleichzeitig geraten andere Arten in Schwierigkeiten: Hitze, Trockenheit und Extremwetterereignisse reduzieren den Bruterfolg, führen zu Nahrungsengpässen oder zerstören Lebensräume.

Die Meere erwärmen sich, Fischbestände wandern ab – für Arten wie die Dreizehenmöwe oder der Eissturmvogel ein gewaltiges Problem. Entlang der Küsten gehen Brutplätze verloren, weil Sturmfluten häufiger werden und der Meeresspiegel steigt.

Auch Wälder leiden unter dem Klimawandel: In vielen Regionen brechen Fichtenbestände ein. Arten wie Tannenmeise, Tannenhäher oder Wintergoldhähnchen verlieren ihre Kernlebensräume. Gewinner und Verlierer liegen eng beieinander, doch insgesamt erhöht der Klimawandel die Instabilität der Vogelgemeinschaften.

3. Lebensraumverlust und Flächenversiegelung – weniger Platz für Natur

Jeden Tag verschwinden in Deutschland über 50 Hektar Natur- und Landwirtschaftsfläche unter neuen Straßen, Gewerbegebieten, Siedlungen oder Energieinfrastruktur. Dieser Flächenverbrauch zählt zu den langfristig gefährlichsten Entwicklungen für die heimische Vogelwelt.

Neue Bauprojekte zerschneiden Lebensräume, verschieben Vogelgemeinschaften und verdrängen störungssensitive Arten. Besonders betroffen sind Feuchtgebiete, Moore, Brachflächen und extensiv bewirtschaftete Wiesen – Lebensräume, die für viele gefährdete Arten zentral sind. Wo solche Flächen verschwinden, verlieren Vögel nicht nur Brutplätze, sondern oft auch ihre Nahrungsgrundlage: Wiesenbrüter, Offenlandarten, Moor- und Röhrichtarten sowie insektenfressende Singvögel sind auf strukturreiche, unzerschnittene Habitate angewiesen und reagieren sehr empfindlich auf Versiegelung und Landschaftsverlust.

4. Strukturelle Veränderungen in Wäldern

Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) - Verlierer laut des Berichts "Bestandssituation 2025" zu Vögeln in Deutschland
Der Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) gehört zu den Verlierern des Waldwandels: Durch den Rückgang der Nadelwälder – ausgelöst durch Dürre, Borkenkäfer und Klimastress – sind seine Bestände im Zeitraum 2010 bis 2022 deutlich zurückgegangen.
Original author and uploader was MurrayBHenson at en.wikipedia, Public domain, via Wikimedia Commons)

Auch die Wälder befinden sich im Wandel. Dürre, Borkenkäfer und Stürme haben große Teile der Nadelwälder geschädigt – mit Folgen für Vogelarten, die auf intakte, strukturreiche Nadelbestände angewiesen sind. Tannenmeise, Wintergoldhähnchen und Tannenhäher gehören zu den Verlierern dieser Entwicklung.

Gleichzeitig entsteht durch abgestorbene Bestände mehr Totholz – ein Vorteil für Arten wie Buntspecht, Schwarzspecht oder Mittelspecht. Die Vogelwelt in den Wäldern wird dadurch nicht zwangsläufig artenärmer, aber sie verändert sich. Viele Waldarten stehen zudem unter doppeltem Druck: Sie verlieren Lebensräume, und gleichzeitig geraten die Zug- und Überwinterungsgebiete durch den Klimawandel unter Stress.

5. Direkte Risiken: Glas, Windkraft, Verkehr & Jagd

Viele Vögel sterben nicht durch schleichende Veränderungen, sondern durch unmittelbare Gefahren, die Jahr für Jahr Millionen Tiere töten. Dazu gehören:

  • Glasscheiben, an denen schätzungsweise 100 bis 115 Millionen Vögel pro Jahr in Deutschland verunglücken
  • Windenergieanlagen, die vor allem Greifvögel und ziehende Großvögel betreffen
  • Straßen- und Bahnverkehr, dem Millionen Vögel zum Opfer fallen
  • Jagd in anderen Ländern, unter anderem an den Zugrouten der Turteltaube
  • die Vogelgrippe, die seit 2022 besonders Seevögel dezimiert

Diese direkten Risiken treffen Arten zusätzlich zu den großen strukturellen Ursachen – und verstärken den Druck auf geschwächte Populationen.

Naturschutz wirkt – wenn er konsequent umgesetzt wird

Der Bericht Bestandssituation 2025 zeigt deutlich: Dort, wo konsequent gehandelt wird, erholen sich Vogelbestände. Schutzgebiete und gezielte Artenhilfsprogramme gehören zu den wirksamsten Instrumenten im Naturschutz.

Kranich (Grus grus) - Gewinner laut Bericht "Bestandssituation 2025", aber auch Opfer der Vogelgrippe
Der Kranich (Grus grus) zeigt, dass Naturschutz wirken kann – sein Brutbestand ist auf rund 12.000 Paare angewachsen. Doch die aktuelle H5N1-Welle macht deutlich, wie verletzlich auch erfolgreiche Arten bleiben: Tausende Kraniche sterben an der Vogelgrippe, die durch industrielle Geflügelhaltung global verbreitet wird.
Zeynel Cebeci, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons)

In gut gemanagten Vogelschutzgebieten entwickeln sich viele Arten positiv. Rund 40 % der sogenannten Triggerarten – also jene Arten, die ausschlaggebend für die Ausweisung eines Schutzgebiets waren – zeigen im Zeitraum der letzten zwölf Jahre zunehmende Bestände. Das bedeutet: Wenn Lebensräume wiederhergestellt, Störungen reduziert und gezielte Maßnahmen umgesetzt werden, reagieren die Vogelarten darauf.

Besonders deutlich wird das bei den Großvögeln, die früher vielerorts bedroht oder verschwunden waren. Seeadler, Uhu, Kranich oder Großtrappe zeigen nun stabile oder wachsende Populationen. Sie profitieren von Artenhilfsprogrammen, dem Verbot besonders gefährlicher Pestizide, geringerer Verfolgung und dem gezielten Management ihrer Lebensräume. Diese Beispiele beweisen, dass Naturschutz greift, wenn er entschlossen betrieben wird.

Doch der Bericht zeigt auch eine andere Seite: Schutzgebiete allein reichen nicht aus, wenn sie lediglich auf dem Papier existieren. Nur etwa die Hälfte aller deutschen Vogelschutzgebiete verfügt bisher über vollständige Managementpläne. Ohne klare Ziele, personelle Ausstattung und regelmäßige Kontrolle bleiben viele Gebiete unter ihrem Potenzial, sodass gefährdete Arten wenig profitieren.

Es fehlt also nicht an Kenntnis, sondern an der konsequenten Umsetzung. Dort, wo Maßnahmen gut geplant und finanziert werden, steigen die Bestände. Wo sie fehlen, bleiben selbst ausgewiesene Schutzgebiete wirkungslos.

Vogelwelt im Umbruch

Die Bestandssituation 2025 zeigt eine Vogelwelt im Umbruch. Manche Arten nutzen die neuen klimatischen Bedingungen oder profitieren von Schutzbemühungen, andere verschwinden aus unserer Landschaft. Dieser Mix aus Erfolgen und Verlusten macht deutlich, wie verletzlich die Ökosysteme geworden sind und wie stark menschliche Entscheidungen darüber bestimmen, welche Arten bei uns eine Zukunft haben.

Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass Veränderung möglich ist. Dort, wo Lebensräume geschützt, Feuchtwiesen wiedervernässt, Pestizide reduziert und Schutzprogramme konsequent umgesetzt werden, erholen sich Bestände. Seeadler, Uhu, Kranich oder Bienenfresser zeigen: Naturschutz wirkt, wenn wir ihn ernst nehmen.

Quelle

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