Der Schreiadler

Aquila pomarina
Lesser Spotted Eagle

aus: Naumann, Naturgeschichte
der Vögel Mitteleuropas

Der Schreiadler, auch als Pommernadler bekannt, gehört zur Gattung Echte Adler . Er hat eine Länge von 61 bis 66 cm und eine Flügelspannweite von bis zu 1,60 m. Der Schreiadler besitzt braunes Gefieder und lange, dicht befiederte Läufe. Er erreicht ein Gewicht zwischen 1,4 und 2,1 kg.
Seine Hauptnahrung besteht aus Insekten, Lurche, Kriechtiere, Mäuse und Feldhasen. Der Schreiadler greift die Beutetiere aus dem Sturzflug bis zu 150 m Höhe an. Jedoch beherrscht er auch die Jagd zu Fuß.
Während der Brut horstet er auf hohen Bäumen in dichten Waldungen. Brutbeginn ist Mitte Mai. Oftmals überlebt nur eines der zwei Jungtiere.
Im September ziehen die Schreiadler von Nordosteuropa bis ins südliche Afrika. April/Mail kehren sie wieder in ihre Heimat zurück.
Den Schreiadler trifft man in großen, störungsarmen Gebieten in feuchten Laub- und Mischwäldern an. Er ist auch auf offenem Grünland und auf Ackerflächen zu finden.
Zum Bestand und zur Gefährdung des Schreiadlers ist zu sagen, dass es mittlerweile nur noch 130 Paare im östlichen Norddeutschland gibt. Weitere Bestände existieren in Osteuropa und Asien. In Westeuropa ist er bereits ausgestorben. Seit Jahren nehmen die Bruterfolge dramatisch ab.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch rund 30 Schreiadler-Paare, weitere wenige noch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Noch vor rund 100 Jahren erstreckte sich sein Revier im Nordwesten bis nach Flensburg und im Süden bis nach Zürich. Die fortschreitende Zerstörung feuchter Laubwälder und die intensive Land- und Forstwirtschaft in Westeuropa führten dazu, dass der Schreiadlerbestand immer weiter abnahm.
Heute zählt der Schreiadler zu den gefährdesten und seltensten Greifvögeln in Deutschland. Eine Erholungstendenz ist bisher nicht erkennbar. Im Gegenteil, Schreiadler-Experten des NABU verzeichnen seit längerem geringere Bruterfolge. Ein Warnsignal dafür, dass es den Schreiadler schon bald nicht mehr geben könnte!
Der NABU ist Träger für ein weit angelegtes Forschungs- und Schutzprogramm für den Schreiadler. Naturschutz, Politik und Bevölkerung wollen dabei an einem Strang ziehen. Oberste Priorität hat der Schutz der Schreiadler-Brutplätze. In den Brutgebieten müssen ausreichend große Gebiete mit altem Baumbestand und dichtem Kronenschluss gesichert werden. Ruhezonen müssen ausgewiesen und eingehalten werden. Ebenso wichtig ist es die Nahrungsreviere des Schreiadlers langfristig zu sichern. Dazu muss die weitere Zerschneidung der Landschaft durch Straßen, Wege und Stromtrassen verhindert werden. Artenreiche feuchte Wiesen-, Feld- und Waldlandschaften müssen erhalten bzw. renaturiert werden, zum Beispiel durch die Wasserrückhaltung in Brutwäldern. In Zusammenarbeit mit Landwirten vor Ort will man die extensive Bewirtschaftung von Wald- und Ackerflächen fördern. Der NABU kümmert sich dabei um EU-Förderprogramme und Entschädigungen für eventuelle Ertragsausfälle. Der Schutz des Schreiadlers in Deutschland ist ein gesamteuropäisches Anliegen.

Quelle unbekannt

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