Der Kalifornische Kondor
Gymnogyps californianus
Der Kalifornische Kondor ist heute einer der seltensten und am stärksten bedrohten Vögel der Welt, obwohl man in den Bergen Kaliforniens zwei große Schutzgebiete eingerichtet hat. Er wird 1-1,15 m lang und 9-13,5 kg schwer. Er ist ein Riesengeier, dessen pleistozäne Vorfahren sich wahrscheinlich von den Kadavern der Tiere ernährten, die in den Teergruben von La Brea umgekommen waren, also dort, wo heute Los Angeles liegt.
Die früher sehr häufigen Vögel sind seit mehr als einem Jahrhundert, seit der Besiedlung Kaliforniens durch die Weißen, im Rückgang begriffen. Zur Zeit des Goldrausches und in den nachfolgenden Jahren wurden sie aus purem Vergnügen einfach abgeknallt oder deshalb, weil man in ihnen eine Gefahr für das Vieh sah, obgleich sie ja reine Aasfresser sind. In neuerer Zeit sind viele Kondore den vergifteten Ködern zum Opfer gefallen, die eigentlich für Kojoten und anderes Raubzeug bestimmt waren. Doch die größte Gefahr liegt im Brutverhalten der Vögel. Während der Brutzeit sind die scheuen Kondore, die ihren Horst in den Felsbändern oder Felsspalten einrichten, außerordentlich empfindlich, und sie lassen ihr einziges Ei oder Jungtier schon bei der geringsten Störung im Stich. Allerdings erreichen Kondore ein Alter von fast 50 Jahren, doch sie brüten erstmals mit sechs Jahren und auch dann nur alle zwei Jahre. Heutzutage ist der Kalifornische Kondor auf ein sehr kleines Gebiet nördlich von Los Angeles beschränkt. Die erste Hälfte unseres Jahrhunderts hindurch hielt sich die Population bei etwa 60 Tieren, trotz der Bemühungen der Forscher und Naturschützer ist sie jedoch heute auf weniger als 40 Tiere gesunken. Durch die Zucht in Gefangenschaft ist die Zahl der bekannten Kalifornischen Kondore von 27 im Jahr 1987 auf 120 im Jahr 1996 angewachsen. Nachdem im Dezember196 sechs Kondore freigelassen wurden, waren in diesem Monat 26 in Freiheit lebende Kalifornische Kondore bekannt. |