Antigua-Glattkopfleguan

rollschwanzechse, lebende verwandte vom antigua-glattkopfleguan
Der ausgestorbene Antigua-Glattkopfleguan gehört wie auch der heute noch existierende Rollschwanz-Leguan Leiocephalus carinatus (Bild) zur Gattung der Glattkopfleguane. (© Ianaré Sévi)
Antigua-Glattkopfleguan – Steckbrief
alternative Bezeichnung Barbuda-Glattkopfleguan
lateinischer Name Leiocephalus cuneus
englischer Name Antiguan Curly-tailed Lizard
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Anguilla, Antigua und Barbuda, Guadeloupe (Kleine Antillen)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens im 15. Jahrhundert

Ein Reptil von ekelhaftem Aussehen

Eine Mrs. Lanaghan (auch Lanagan) lieferte 1844 in Antigua and the Antiguans eine Beschreibung eines Reptils, welches der Antigua-Glattkopfleguan sein könnte. Sie beschrieb eine auf dem Boden lebende Echse, die „wesentlich größer“ als jene auf Bäumen sei. An ihrem Körper verlaufen „in Längsrichtung blutrote Streifen und sie ist „von ekelhaftem Aussehen“ mit einem „Schwanz von extremer Länge“, sodass die Bewegungen des Tieres schlangenartig wirken würden.

Im Mund seien „eine unendliche Zahl scharfer Zähne, Bisse sind sehr giftig“. Das Tier halte seine Beute mit den Vorderfüßen fest, „reißt sie mit ihren Zähnen in Stücke und schluckt sie dann mit viel Gusto mit ihrer roten, langen, schlanken Zunge“.

Die Biologen Bruce Horwith und Kevel Lindsay vergleichen 1997 in Antigua – Barbuda – Redonda Biodiversity Profile die Beschreibung mit heute auf den Kleinen Antillen existierenden Echsen. Dabei kommen sie zu dem Schluss, auf keine trifft dies auch nur im Entferntesten zu. Die Echsen seien zwar ähnlich groß, aber keine besitzt einen roten Streifen und keine bewegt ihren Schwanz wie eine Schlange.

Lanaghans Beschreibung klingt laut Horwith und Lindsay nach einem Tier aus der Gattung der Glattkopfleguane (Leiocephalus). Diese sind auf den Antillen heimisch und können bis zu 35 Zentimeter lang werden; ihr Schwanz ist länger als ihre Kopf-Rumpf-Länge, was die Ähnlichkeit mit einer Schlange erklären würde.

Da die Schilderung keinem dort lebenden Reptil entspricht, handelt es sich wahrscheinlich um eine ausgestorbene Art wie dem Antigua-Glattkopfleguan. Wissenschaftler fanden auf den Inseln Antigua und Barbuda fossile Funde dieser Art und der Reptilienforscher Richard Etheridge beschrieb die Spezies 1964 als erster wissenschaftlich.

Ursache und Zeitpunkt des Aussterbens unbekannt

Wenn der Zeitzeugenbericht Lanaghans tatsächlich vom Antigua-Glattkopfleguan handelt, würde dies auch bedeuten, dass die Leguan-Art bis mindestens 1844 gelebt haben muss. Doch in diesem Punkt herrscht Uneinigkeit in der Forschung.

Im Allgemeinen wird angenommen, der Antigua-Glattkopfleguan ist frühestens im 15. Jahrhundert ausgestorben; wahrscheinlich mit der Besiedlung des Archipels durch die Europäer.

Einige Forscher vermuten, der Antigua-Glattkopfleguan könnte durch die Einfuhr von Ratten und Mungos ausgerottet worden sein. Dies trifft auch auf viele andere Reptilienarten der Karibischen Inseln zu, wie zum Beispiel die Guadeloupe-Ameive und möglicherweise auch die Martinique-Ameive. Mungos bzw. Mangusten, asiatische Raubtiere, wurden damals auf die Inseln gebracht, um die dort zuvor eingeschleppten Ratten wieder auszurotten.

Für diese These spräche auch, dass man Knochen von durch Europäer eingeschleppte Ratten bei den Überresten, die man vom Antigua-Glattkopfleguanen gefunden hatte, entdeckte. Dies schreibt Gregory K. Pregill in Systematics of the West Indian Lizard Genus Leiocephalus (1992).

Allerdings können Leiocephalus-Arten in der Karibik typischerweise gut in Gegenwart von exotischen, eingeschleppten Räubern überleben und die Arten sind auf mehreren großen Inseln vertreten. Das heißt, sie hätten möglicherweise bis lange nach dem 15. Jahrhundert überlebt haben können. So ein persönlicher Kommentar (2015) vom Herpetologen Robert Powell gegenüber der Weltnaturschutzorganisation IUCN.

Dass der Antigua-Glattkopfleguan ausgestorben ist, daran besteht kein Zweifel. Robert Powell und Robert W. Henderson weisen in ihrem Buch Natural History of West Indian Reptiles and Amphibians (2009) nämlich darauf hin, dass es sich um eine sehr auffällige Tierart handelte, die auf drei gut besiedelten Inseln der Kleinen Antillen lebte und daher aufgefallen wäre.

Es gibt neben dem Bericht von Mrs. Lanaghan noch einen des Botanikers Jean-Baptiste Du Tertre, der 1654 in Histoire Générale Des Isles de S. Christophe, de la Guadeloupe über das Verhalten des Antigua-Glattkopfleguans berichtete. Das bedeutet, die Reptilienart hat bis Mitte des 17. Jahrhunderts gelebt.

Antigua-Glattkopfleguan: Einer der größten seiner Gattung

Aus der Literatur geht hervor, dass es sich beim Antigua-Glattkopfleguan um eines der größten Tiere innerhalb der Gattung Leiocephalus gehandelt haben soll. Auch Lanaghan erwähnte, die Echse sei sehr viel größer als etwa Baumechsen.

Michael Breuil geht in seiner Histoire naturelle des Amphibiens et Reptiles terrestres de l’archipel Guadeloupéen (2002) davon aus, dass die Art vorwiegend Küstenregionen bewohnte. Und Du Tertres Beschreibung lässt sich entnehmen, dass es sich um eine am Boden lebende Echse handelte, was auch mit Lanaghans Beschreibung übereinstimmt. Ernährt habe sich der Antigua-Glattkopfleguan laut Du Tertre von Eiern anderer Echsen und Schildkröten.

Der Antigua-Glattkopfleguan war auf den Antillen-Inseln Antigua, Anguilla und Guadeloupe heimisch. Für die Neuzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass der Antigua-Glattkopfleguan auch auf der unbewohnten Insel Barbuda gelebt hätte; fossile Überreste des Reptils hat man dort aber gefunden.