Antioquia-Brustband-Ameisenpitta

Antioquia brustband-ameisenpitta
Der höchstwahrscheinlich ausgestorbene Antioquia-Brustband-Ameisenpitta unterschied sich vom heute noch existierenden Brustband-Ameisenpitta (Bild) etwa durch kürzere Beine und längere Flügel. (© Francesco Veronesi from Italy)
Antioquia-Brustband-Ameisenpitta – Steckbrief
lateinischer Name Grallaria milleri gilesi
englischer Name Antioquia Brown-banded Antpitta
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kolumbien
Zeitpunkt des Aussterbens nach 1878

Antioquia-Brustband-Ameisenpitta: Seit 120 Jahren unbeachtet im Museum

Als Norman Arlott den Auftrag erhielt, für das Handbook of the Birds of the World unterschiedliche Ameisenpitta-Arten zu illustrieren, besuchte er 2001 das National History Museum in London. In der eine Million Vogelarten umfassenden Sammlung des Museums entdeckte Arlott eine bis dato unbekannte Vogelart. Er machte die Leiter der Vogelgruppe des Museums, Robert Phrys-Jones und Paul Salaman, auf seinen Fund aufmerksam, die schnell feststellten, dass es sich tatsächlich um eine neue Art handelte. Sie erhielt den Namen Antioquia-Brustband-Ameisenpitta.

Im Jahr 2009 veröffentlichten Phrys-Jones, Salaman und Thomas M. Donegan schließlich die wissenschaftliche Erstbeschreibung des Antioquia-Brustband-Ameisenpittas in der März-Ausgabe des Bulletin of the British Ornithologist’s Club.

Die neue Art konnte nur anhand eines Museumsexemplars beschrieben werden, welches der britische Vogelkundler Thomas Knight Salmon im September 1878 in Santa Elena gesammelt hat. Salmon schickte den Vogel nach Großbritannien, damit Wissenschaftler die Art identifizieren konnten.

Salmon sammelte insgesamt 1.263 Vogelarten für das British Museum, die später im Natural History Museum in London gelandet sind. Ende des 19. Jahrhunderts gab es viele andere, vielleicht aufregendere Neuentdeckungen in der Tierwelt, sodass die neue Ameisenpitta-Art vermutlich einfach übersehen wurde.

Höchstwahrscheinlich bereits ausgestorben

Der Antioquia-Brustband-Ameisenpitta war in den Anden in der Nähe von Santa Elena, einer acht Kilometer entfernten Nachbarstadt von Medellin, der drittgrößten Stadt in Kolumbien, heimisch. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Art heute ausgestorben ist. Und wenn sie doch überlebt haben sollte, müsste sie extrem selten sein.

Das Gebiet, indem der Antioquia-Brustband-Ameisenpitta einst lebte, war früher bewaldet und zeichnete sich durch ein kühles Klima und reiche Böden aus – ideal geeignet für Kaffeeanbau, Landwirtschaft und Viehweiden. Heute ist vom ursprünglichen Wald fast nichts mehr übrig und es gibt nur wenige Schutzgebiete. Die Natur um Medellin wurde vollständig zerstört und durch nicht-heimische Kiefern und exotische Eukalyptus-Bäume ersetzt.

Die meisten Experten gehen daher davon aus, dass der Antioquia-Brustband-Ameisenpitta bereits ausgestorben ist. Suchexpeditionen nach dem Vogel zeigten zudem keinen Erfolg.

Eine andere Ameisenpitta-Art, der Táchira-Ameisenpitta (Grallaria chthonia), galt ebenfalls lange Zeit als ausgestorben, da er nach seiner Entdeckung im Jahr 1955 nur noch einmal im darauffolgenden Jahr gesichtet wurde. Ornithologen gelang es erst 2016, die Art erneut aufzuspüren, so ein Artikel des American Bird Conservancy.

Der Antioquia-Brustband-Ameisenpitta war flugunfähig

Bei Ameisenpittas im Allgemeinen handelt es sich um Sperlingsvögel (Passeriformes), die im Unterholz von Regenwäldern, Buschland und alpinen Gebieten in Südamerika heimisch sind. Die bodenbewohnenden, flugunfähigen Vögel besitzen einen runden Körper, einen kurzen Schwanz und kurze Flügel und sehr lange Beine.

Der Antioquia-Brustband-Ameisenpitta unterscheidet sich etwa vom Brustband-Ameisenpitta Grallaria milleri milleri durch deutlich kürzere Beine, längere Flügel und einen längeren Schwanz. Ansonsten sieht er dem Brustband-Ameisenpitta sehr ähnlich. Über sein Verhalten weiß man fast nichts; sicher ist, dass er Insekten als Nahrung bevorzugte.