Kiritimati-Südseeläufer

Kiritimati-Südseeläufer prosobonia cancellatus
Die Zeichnung des Kiritimati-Südseeläufers, die William Ellis 1778 auf James Cooks letzter Reise angefertigt hat.
Kiritimati-Südseeläufer – Steckbrief
alternative Bezeichnung Südseeläufer
lateinische Namen Prosobonia cancellata, Prosobonia cancellata cancellata, Prosobonia cancellatus, Tringa cancellata, Aechmorhynchus cancellatus
englische Namen Kiritimati Sandpiper, Christmas Island Sandpiper, Christmas Sandpiper
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Kiritimati (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1850er-Jahre

Kiritimati-Südseeläufer: Auf James Cooks letzter Reise entdeckt

Auf der dritten Südseereise (1776 bis 1780) des englischen Seefahrers James Cook entdeckten Seefahrer einst den Kiritimati-Südseeläufer. Eine auf dieser Reise vom Assistenzarzt William Ellis 1778 angefertigte Zeichnung des Vogels bildet heute quasi die Grundlage für die Existenz dieser Vogelart. Das einzige auf Kiritimati gesammelte Exemplar ist leider verschollen.

Der Ornithologe Julian Pender Hume fasst in Extinct Birds (2012) die Entdeckungsgeschichte des Kritimati-Südseeläufers zusammen. So erreichten die Reisenden im Januar 1778 Kiritimati (früher: Christmas Island oder Weihnachtsinsel) – ein Atoll im Tuamotu-Archipel, welches die weltweit größte Landfläche von Koralleninseln besitzt.

Es heißt, der schottische Naturforscher William Anderson sammelte ein Exemplar der neu entdeckten Vogelart auf dem Atoll. Hume räumt übrigens ein, dass der Kiritimati-Südseeläufer möglicherweise auch auf anderen Inseln zu finden war, die ebenfalls zur sogenannten Kiribati-Gruppe gehören.

Die Schiffe kehrten 1780 schließlich in die Heimat zurück und das Exemplar des Vogels soll in die berühmte Banksian Collection des Natural History Museum in London übergegangen sein. Dort sah nämlich der englische Vogelkundler John Latham den Vogel und beschrieb ihn:

„18 Zentimeter. Schnabel 2,5 Zentimeter, schwarz: Federn an der Oberseite des Vogels braun, an den Rändern weiß; an der Unterseite weiß, dunkles Quermuster; dunkle Federn, an den Enden braun, Ränder und Spitzen sehr blass: am Schwanz dasselbe […]; dunkle Beine. Bewohnt Weihnachtsinsel. In der Sammlung von Sir Joseph Banks.“

Das Museumsexemplar des Kiritimati-Südseeläufers ist heute verschwunden und es können bezüglich seines Aussehens und seiner Abstammung keine weiteren Untersuchungen angestellt werden, was vor allem schade im Hinblick auf die folgende Diskussion ist.

Auch das ebenfalls auf Cooks dritter Südseereise erworbene Exemplar der ausgestorbenen Tongatapu-Ralle ging in Banks Sammlung über und ist heute verschollen. John Latham beschrieb die Ralle ebenfalls.

Kiritimati-Südseeläufer – keine eigenständige Art?

kiritimati-südseeläufer
Illustration des Kiritimati-Südseeläufers von George Edward Lodge, veröffentlicht in Lionel Walter Rothschilds Buch Extinct Birds (1907).

Einige, wie etwa der Amateur-Vogelkundler Henry Seebohm in The Geographical Distribution of the Family Charadriidae (1888), zweifeln den Artstatus des Kiritimati-Südseeläufers an. Sie gehen nämlich davon aus, dass es sich beim noch existierenden Kleinschnäbeligen Südseeläufer (Prosobonia parvirostris) und dem Kiritimati-Südseeläufer um ein und dieselbe Art handelt.

Charles Haskins Townsend und Alexander Wetmore widerlegen diese These aber in ihrer Schrift Reports on the scientific Results of the Expedition to the tropical Pacific (1919). Sie haben Lathams Angaben mit vier Museumsexemplaren des Kleinschnäbeligen Südseeläufers verglichen und kamen zu dem Schluss, dass deren Schnäbel nicht länger als 1,8 Zentimeter waren und dass Kehle und Bauch dieser keine Musterung aufwiesen.

Jedoch geben Richard L. Zusi und Joseph R. Jehl in ihrer Studie The systematic Relationships of Aechmorhynchus, Prosobonia and Phegornis (1970) zu bedenken, dass Lathams Längenangaben nur Schätzungen sind. So stellte er beispielsweise für den verwandten Gesellschaftsläufer eine Schnabellänge von 2,5 Zentimetern fest; Zusi maß hingegen gerade einmal 1,9 Zentimeter. Die Musterung an der Unterseite des Kiritimati-Südseeläufers akzeptieren Zusi und Jehl dagegen als distinktives Merkmal zum Kleinschnäbeligen Südseeläufer.

Eine Untersuchung von R. J. Pierce und C. Blanvillain aus dem Jahr 2004 widerlegt die Annahme, es handle sich um keine eigene Art, zusätzlich. Dies ergibt laut Hume auch Sinn im Hinblick darauf, dass Kiritimati 3.200 Kilometer vom östlichen Tuamotu-Archipel entfernt liegt.

Vermutlich ist es die Uneinigkeit unter Experten, die dazu geführt hat, dass bis heute manchmal auch dem im Tuamotu-Archipel lebenden Kleinschnäbeligen Südseeläufer manchmal der Name Prosobonia cancellata zugeordnet wird. Zudem trägt die Vogelart Südseeläufer, die mehrere Unterarten umfasst, ebenfalls die wissenschaftliche Bezeichnung Prosobonia cancellata.

Katzen und Ratten führten zum Verschwinden der Art

Was die Gründe für das Verschwinden des Kiritimati-Südseeläufers betrifft, so sind sich Wissenschaftler einig. Und zwar sollen invasive Säugetierarten, insbesondere Ratten und Katzen, zum Aussterben des kleinen Küstenvogels geführt haben.

Ein Blick auf den vom Aussterben bedrohten Kleinschnäbeligen Südseeläufer verrät, dass diese Theorie stimmig ist, da die durch Europäer eingeschleppten Ratten die Population der Art auf schätzungsweise 250 bis 1.000 Tiere haben schrumpfen lassen. Außerdem wirkt sich die Lebensraumzerstörung aufgrund von Besiedlung negativ auf den Bestand aus.

Für den Zeitpunkt des Aussterbens geben die Weltnaturschutzorganisation IUCN und Julian Hume den Zeitpunkt um 1850 an. Pierce und Blanvillain vermuten dagegen, dass der Vogel sogar schon im 18. Jahrhundert ausgestorben sein könnte.

Zur Gattung Prosobonia gehören gemeinhin vier Arten, von denen drei bereits ausgestorben sind: der Gesellschaftsläufer (Prosobonia leucoptera), der Moorea-Südseeläufer (Prosobonia ellisi) und der Kiritimati-Südseeläufer. Die vierte Art, der Kleinschnäbelige Südseeläufer, ist vom Aussterben bedroht.

Auswahl an Literatur über den Kiritimati-Südseeläufer:
L.W. Rothschild (1907): Extinct Birds. J.P. Hume & M. Walters (2012): Extinct Birds. S. 151-152.