Riesen-Heidelibelle

heidelibelle / verwandt mit der riesen-heidelibelle
Weibliche Vertreterin der Gattung der Heidelibellen, fotografiert in Norddeutschland. Von der ausgestorbenen Riesen-Heidelibelle existieren leider kaum Abbildungen. (© Lung)
Riesen-Heidelibelle – Steckbrief
alternative Bezeichnung St.-Helena-Heidelibelle
lateinische Namen Sympetrum dilatatum, (Diplax dilatata)
englische Namen Saint Helena Darter, Saint Helena Dragonfly, St. Helena Darter, St. Helena Dragonfly
ursprüngliches Verbreitungsgebiet St. Helena (Südatlantik)
Zeitpunkt des Aussterbens 1963

Riesen-Heidelibelle: Großer Vertreter der Gattung der Heidelibellen

Die Riesen-Heidelibelle oder St.-Helena-Heidelibelle war vermutlich die einzige Libellenart, die jemals auf der knapp 123 Quadratkilometer großen Insel Sankt Helena – einstiger Verbannungsort Napoleons – endemisch war. Das braun-gelbe Insekt gehörte mit einer Länge von 3 bis 3,6 Zentimetern zu einem der größten Vertreter der Gattung der Heidelibellen (Sympetrum).

Über die Heidelibelle von Sankt Helena ist kaum etwas bekannt, denn es existieren nur wenige dokumentierte Sichtungen. Entdeckt wurde sie zwischen 1889 und 1890 vom Insektenforscher Philip Powell Calvert, der die Riesen-Heidelibelle als Diplax dilatata 1892 dann als erster wissenschaftlich beschrieb.

Calvert entdeckte während einer Expedition auf der Insel Sankt Helena vier männliche und ein weibliches Exemplar dieser Insektenart. Er hielt seine Beschreibung der neu entdeckten Art in den Preliminary Notes on some African Odonta, veröffentlicht im Journal Transactions of the American Entomological Society, fest.

Zuletzt gesichtet wurde die Riesen-Heidelibelle im Oktober 1963 am Green Hill auf Sankt Helena. Da es seither kein Lebenszeichen dieser Libellenart gab, gilt sie heute als ausgestorben.

In der Roten Liste der IUCN wird die St.-Helena-Heidelibelle allerdings unter dem Status ‚Unzureichende Datenlage‘ gelistet. Der Grund dafür ist, dass es bislang keine systematische Suche nach dem Insekt gegeben hat – weder vor der letzten Sichtung 1963 noch danach.

Grund für das Aussterben der Riesen-Heidelibelle kann nur vermutet werden

Über die Gründe für das Verschwinden der Riesen-Heidelibelle ist bislang nichts bekannt, doch hält es die IUCN für wahrscheinlich, dass die Zerstörung des Lebensraums zum Verschwinden der Libelle geführt hat.

Die Insel Sankt Helena hat sich als Lebensraum stark verändert, denn die natürliche Vegetation wurde seit der Kolonisation ab dem 16. Jahrhundert in mehreren Etappen zerstört.

Mit dem beginnenden 16. Jahrhundert zerstörten vor allem auf die Insel gebrachte Ziegen die Vegetation in den tieferen Insellagen. Und weil die ersten Siedler Bau- und Feuerholz benötigten, vernichteten sie ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Commidendrum-Wälder, die nur auf Sankt Helena vorkamen.

Schließlich kam es zwischen 1860 und 1930 auch zur Rodung der Baumfarm- und Melanodendron-Bestände in Höhenlagen über 600 Meter, um dort Plantagen für Neuseelandflachs einzurichten.

Bis heute werden einheimische Pflanzenarten von der Insel Sankt Helena verdrängt, meistens durch eingeschleppte Arten wie zum Beispiel der bereits erwähnte Neuseelandflachs (Phormium tenax), Sommerflieder (Buddleja madagascariensis) oder Fuchsien (Fuchsia coccinea). Sicher ist, mit der Zerstörung der endemischen Vegetation verlieren auch viele heimische Tierarten ihre Lebensgrundlage.

Neben der Riesen-Heidelibelle sind auch der St.-Helena-Riesenohrwurm, der St.-Helena-Kuckuck und der St.-Helena-Wiedehopf ausgestorben. Beim im 18. Jahrhundert ausgestorbenen St-.Helena-Kuckuck und beim 1967 ausgestorbenen Riesenohrwurm vermuten Experten ebenfalls als Ursache für das Verschwinden die Lebensraumzerstörung.