Elefantenvogel

elefantenvogel rekonstruktion
Eine vor 1923 entstandene Rekonstruktion des Elefantenvogels Aepyornis maximus. Er konnte eine Körperhöhe von etwa drei Metern erreichen.
Elefantenvogel – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Madagaskar-Strauß, Madagaskarstrauß, Madagassischer Riesenstrauß, Vorompatra, Worompatra
lateinischer Name Aepyornis maximus
englischer Name Great Elephantbird
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Madagaskar (Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens um 1650

Der vielleicht schwerste Vogel der Welt

Aepyornis bedeutet allergrößter Vogel, doch war der Elefantenvogel nicht der größte Vogel, der in der Neuzeit gelebt hat, denn das war der weibliche Südinsel-Riesenmoa. Dennoch besaß der Elefantenvogel mit einer Körperhöhe von drei Metern eine stattliche Größe und mit einem Gewicht von 450 Kilogramm gilt er zumindest als schwerster Vogel.

Elefantenvögel sind von fossilen und subfossilen Überresten und Eifunden auf Madagaskar bekannt. Das erste Fossil entdeckte der Naturforscher Alfred Grandidier zwischen 1865 und 1870. Dieser durchreiste Madagaskar mehrere Male und entdeckte auch die ersten Überreste von Lemerles Flusspferd.

Eigentlich steht der Begriff Elefantenvogel nicht ausschließlich für die Art Aepyornis maximus, sondern für eine ganze Familie ausgestorbener Laufvögel (Aepyornithidiae). Diese Elefantenvogel-Familie besteht aus zwei Gattungen – Mullerornis und Aepyornis –, zu der mehrere Arten gehören. Wenn hier vom Elefantenvogel die Rede ist, ist Aepyornis maximus gemeint, der größte Vertreter der Elefantenvögel.

Doch schon vor Grandidiers Entdeckung hat man vom Elefantenvogel gehört. So entstammt die Bezeichnung Elefantenvogel einem Reisebericht des venezianischen Reisenden Marco Polo aus dem Jahr 1298, der von einem Vogel namens Rukh (auch Roc, Rock, Ruch oder Roch) schreibt. Polo berichtete darin von einem Adler-ähnlichen Vogel, der so stark war, dass er einen Elefanten mit seinen Krallen hätte greifen können.

Igor Akimuschkin sieht in Vom Aussterben bedroht? (1981) in Polos Ausführungen ebenfalls die Beschreibung eines Elefantenvogels – oder wie er ihn nennt: eines Madagassischen Riesenstraußes.

Auch der Naturforscher Étienne de Flacourt lieferte 1658 in seiner Geschichte der großen Insel Madagaskar Hinweise für einen Riesenvogel, der allerdings flugunfähig war. Der Aspekt Flugunfähigkeit trifft auf den Elefantenvogel zu; sein Flugapparat ist fast vollständig zurückgebildet, die Beine waren lang, die Zehen kurz.

Da Polo von einem riesigen, fliegenden Greifvogel erzählt, ist es wahrscheinlicher, dass es sich dabei um den ausgestorbenen, einst auf Madagaskar heimischen Kronenadler handelt.

Elefantenvogel – am nächsten mit dem Kiwi verwandt

elefantenvogel Aepyornis maximus
Skelett und Ei des Elefantenvogels Aepyornis maximus. Von dieser Elefantenvogel-Art weiß man heute das meiste.
Da der Elefantenvogel einem Strauß ähnlich sieht und dieser auch geografisch der nächste Laufvogel ist, glaubte man lange Zeit, die beiden Arten seien nah miteinander verwandt.

Anhand von DNA-Analysen haben Wissenschaftler für eine Studie (2014) aus dem Magazin Science Elefantenvögel mit anderen Laufvögeln wie Strauße, Kasuare, Emus, Moas, Kiwis und Nandus verglichen. Überraschenderweise kam dabei heraus, dass der Elefantenvogel mit dem kleinsten Laufvogel, dem auf Neuseeland heimischen Kiwi, am nächsten verwandt ist.

Wie bei vielen größeren Laufvögeln auch, war der Hals der Elefantenvögel lang und am Ende befand sich ein vergleichsweise kleiner Schädel. Die Eier des Elefantenvogels konnten einen Umfang von bis zu einem Meter haben. Laut Akimuschkin fasst ein Ei etwa neun Liter, was circa 184 Hühnereiern entspricht.

Der berühmte Science-Fiction-Autor H. G. Wells – bekannt durch Der Krieg der Welten – widmete sogar eine Kurzgeschichte dem Elefantenvogel. In Aepyornis Island sucht ein Mann nach Eiern des Elefantenvogels und lebt dann zwei Jahre lang auf einer kleinen Insel mit einem dieser Vögel. Die Geschichte wurde 1894 zum ersten Mal veröffentlicht.

Elefantenvögel: In der Neuzeit oder viel früher ausgestorben?

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts behaupteten einige Einwohner Madagaskars, dass es in entlegenen Gebieten auf der Insel noch Elefantenvögel gebe. Und 1860 wollen Missionare aus den bewaldeten Sumpfgebieten noch den trompetenartigen Schrei des Vogels gehört haben, so Akimuschkin.

Wann genau die Madagassischen Riesenstrauße ausgestorben sind, ist ungewiss. Anhand archäologischer Hinweise zeigt sich, dass die Vögel bis mindestens zum Jahr 1000 oder 1200 gelebt haben. Dennoch wird immer wieder spekuliert, dass sie bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts hinein überlebt haben.

Unter anderem deshalb, weil Étienne de Flacourt 1658 noch von einem riesigen Vogel, der große Eier legt, berichtete. Dieser soll unbewohnte Regionen der Insel bewohnt haben. Ob Flacourt den Vogel wirklich gesehen oder nur Volksmärchen wiedergegeben hat, ist nicht bekannt.

Elefantenvögel: Aussterbeursachen unklar

Im Buch The Natural History of Madagascar (2003) heißt es, dass die Elefantenvögel einst auf ganz Madagaskar verbreitet waren. Experten stimmen im Großen und Ganzen darin überein, dass das Aussterben der Elefantenvögel auf den Einfluss der Menschen zurückzuführen sei – aber nicht auf den Einfluss der Madagassen, sondern der Europäer, die als Eroberer auf die Insel kamen.

Möglicherweise dienten sowohl die Vögel selbst als auch ihre Eier als wichtige Nahrungsquellen. Der englische Naturforscher David Attenborough weist aber darauf hin, dass viel zu wenige Elefantenvogel-Knochen menschliche Bearbeitungsspuren aufzeigen würden, als dass man davon ausgehen könne, Jäger seien Schuld am Verschwinden der Art:

Wenn es nicht das Fleisch der Elefantenvögel war, müssen es seine Eier gewesen sein, die auf die Menschen besonders attraktiv wirkten. So gibt es Hinweise darauf, dass Reisende im 19. Jahrhundert Eierschalen sahen, die von Menschen als Schüsseln benutzt wurden. Außerdem fanden Archäologen Überreste von Eierschalen in der Asche von einst durch Menschenhand entfachten Feuern. Man kann also davon ausgehen, dass die Eier als Mahlzeiten für ganze Familien dienten.

Weitere Gründe für das Aussterben der großen Laufvögel waren womöglich die auf Madagaskar durchgeführten Brandrodungen, bei der der Lebensraum der Elefantenvögel zerstört wurde.

Der Biologe Steven M. Goodman und der Museumskurator für Zoologie Bruce D. Patterson gehen in Natural Change and Human Impact in Madagascar (1997) davon aus, dass auch Krankheiten, etwa durch Haus- und Perlhühner eingeführt, beim Verschwinden des Elefantenvogels eine Rolle gespielt haben könnten.

Auswahl an Literatur über den Elefantenvogel:
S.M. Goodman, J.P. Benstead & H. Schütz (2003): The Natural History of Madagascar, Chicago. E. Probst (2014): Aepyornis: Der Vogel, der die größten Eier legte, München.
S.M. Goodman & B.D. Patterson (1997): Natural Change and Human Impact in Madagascar, Washington D.C.