Weißbrust-Brillenvogel

weißbrust-brillenvogel / Zosterops albogularis
Zeichnung des Weißbrust-Brillenvogels von John Gould (zwischen 1840 und 1848). Gould beschrieb den Singvogel wissenschaftlich als erster im Jahre 1937.
Weißbrust-Brillenvogel – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Norfolk-Brillenvogel, Weißkehl-Brillenvogel, Weißbrustbrillenvogel, Norfolkbrillenvogel, Weißkehlbrillenvogel
lateinischer Name Zosterops albogularis
englische Namen White-chested White-Eye, White-breasted Silvereye, Norfolk White-Eye
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Norfolkinsel (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 2006

Weißbrust-Brillenvogel: In jüngster Zeit ausgestorben

Der Weißbrust-Brillenvogel war lediglich in einem fünf Quadratkilometer großen Waldgebiet am Mount Pitt auf der Norfolkinsel heimisch. Die Norfolkinsel liegt östlich von Australien und nördlich von Neuseeland.

Experten gehen davon aus, dass die Vogelart in jüngster Zeit ausgestorben ist. Die letzte gesicherte Sichtung eines Weißbrust-Brillenvogels gelang Ende 2005 und eine dreiwöchige Suche im Jahre 2009 blieb erfolglos, so der Ornithologe und Leiter der Suchaktion Guy Dutson 2010 in einem Artikel des Australian Geographic. Dutson geht zu 90 Prozent davon aus, dass die Art ausgestorben ist.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN listet den Vogel bisher noch als „vom Aussterben bedroht“, schreibt aber, dass – sofern der Weißbrust-Brillenvogel doch noch existiere – eine Population vermutlich aus weniger als 50 Tieren bestünde. Das Department of the Environment und Energy der australischen Regierung listet den Weißbrust-Brillenvogel indes bereits als „ausgestorben“.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts sinkende Bestandszahlen

Ursächlich für das Aussterben des Weißbrust- oder Norfolk-Brillenvogels waren zum einen die Zerstörung seines Lebensraums und zum anderen auf der Insel eingeführte Tierarten.

Die Geschichte des Niedergangs dieser Vogelart begann 1904, als sich der Graumantel-Brillenvogel (Zosterops lateralis) auf der Norfolkinsel ansiedelte. Dieser Vogel gilt als selbst in Neuseeland eingewanderte Art. Wissenschaftler nehmen an, dass Mitte des 19. Jahrhunderts ein Schwarm aufgrund eines Sturms über die Tasmansee in Richtung Neuseeland abgetrieben wurde.

Zwar handelt es sich bei Weißbrust- und Graumantel-Brillenvögeln um verwandte Vertreter der Singvogel-Familie der Brillenvögel (Zosteropidae), doch das Zusammenleben gestaltete sich schwierig. Denn die neu zugewanderte Art vertrieb die endemische Art, den Weißbrust-Brillenvogel, aus ihren Brutgebieten und konkurrierte mit ihm um Nahrung.

Aber nicht nur der Graumantel-Brillenvogel machte als neue Art dem Weißbrust-Brillenvogel das Leben schwer, sondern auch die ab Mitte der 1940er-Jahre eingeführten Hausratten (Rattus rattus), welche bevorzugt an den Hängen des Mount Pitt vorkamen und die Nester der Weißbrust-Brillenvögel plünderten.

Neben der Nachstellung durch andere Tierarten spielte die Lebensraumzerstörung eine große Rolle. So wurde ein Großteil des auf der Norfolkinsel vorhandenen Urwalds abgeholzt und es siedelte sich eine Vielzahl exotischer Pflanzen an. Laut IUCN schrumpfte der bevorzugte Lebensraum des Weißbrust-Brillenvogels auf diese Weise auf nur ein Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebietes.

Weiterhin nennt die Weltnaturschutzorganisation noch die Ansiedlung verwilderter Hauskatzen sowie Dürreperioden. Experten schätzen, dass der Weißbrust-Brillenvogel empfindlich gegenüber Klimaveränderungen war.

Im Jahre 1962 konnten im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie nur noch 50 Weißbrust-Brillenvögel nachgewiesen werden, 1978 vier Exemplare und im Jahr 2000 ein Exemplar.

Weißbrust-Brillenvogel: Unter den Kleinvögeln einer der größten

Zosterops albogularis / Norfolk Brillenvogel
Erhaltenes Exemplar des Weißbrust-Brillenvogels im Naturalis Biodervisity Center in Leiden, Niederlande. Von anderen Brillenvögeln unterschied sich die Art durch ihre Größe und den hellen Federn im Brust- und Kehlbereich.
Mit einer Körperlänge von rund 14 Zentimetern und einem Gewicht von 30 Gramm war der Weißbrust-Brillenvogel ein besonders großer Kleinvogel.

Eine Besonderheit dieser Vogelart war, dass sie eine der kürzesten Brutphasen des Vogelreichs aufwies, so der Zoologe Markus Kappeler in einem Artikel über den Norfolk-Brillenvogel. Es dauerte lediglich elf Tage bis zum Schlüpfen der Vogeljungen, weitere elf Tage danach sind sie schon flügge und konnten das Nest verlassen.

Im Unterschied zu anderen Brillenvögeln war der Norfolk-Brillenvogel außerhalb der Brutzeit nicht gesellig, sondern lebte einzelgängerisch.

Seinen Trivialnamen erhielt der Weißbrust-Brillenvogel aufgrund seines weißen Bauch- und Kehlbereichs. Auch um die Augen herum besaß er einen gut sichtbaren weißen Ring. Sein Kopf war hellgrün gefärbt und der Nacken olivgrün.

Auswahl an Literatur über den Weißbrust-Brillenvogel:
E. Hirschfeld (2007): Rare Birds Yearbook 2008, Shrewsbury. A.F.B. Hull (1909): The Birds of Lord Howe and Norfolk Islands. In: Proceedings of the Linnean Society of New South Wales 34, Cambridge.