Südliches Wüstenwarzenschwein

Phacochoerus aethiopicus (wüstenwarzenschwein), unterart südliches wüstenwarzenschwein
Die Zeichnung zeigt ein Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus) und stammt von Frank E. Beddard (1902). Von der ausgestorbenen Unterart, dem Südlichen Wüstenwarzenschwein, gibt es kaum Bilder.
Südliches Wüstenwarzenschwein – Steckbrief
lateinischer Name Phacochoerus aethiopicus aethiopicus
englischer Name Cape Warthog
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Südafrika
Zeitpunkt des Aussterbens 1870er-Jahre

Das Wüstenwarzenschwein – eine wenig bekannte Tierart

Das Eigentliche Warzenschwein (Phacochoerus africanus) aus Afrika kennt fast jeder, doch weniger bekannt dürfte das Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus) sein. Und noch weniger bekannt ist, dass es ein Nördliches und ein Südliches Wüstenwarzenschwein gibt bzw. gab.

Während die ausgestorbene südliche Unterart nur in der Kapprovinz und in der Provinz Freistaat in Südafrika vorkam, existiert die nördliche Unterart noch heute in Teilen Äthiopiens, Kenias und Somalias.

Über Wüstenwarzenschweine im Speziellen ist wenig bekannt, aber Experten gehen davon aus, dass sie in Lebensweise und Verhalten den (Eigentlichen) Warzenschweinen ähnlich sind.

Ein Warzenschwein ist ein Warzenschwein?

Lange hat die Wissenschaft das Wüstenwarzenschwein vernachlässigt, trotzdem schon rein optisch die Unterschiede zwischen (Eigentlichem) Warzenschwein und Wüstenwarzenschwein groß sind: So haben Wüstenwarzenschweine etwa einen kleineren und breiteren Schädel und auch die Zähne unterscheiden sich von anderen Warzenschweinen.

Zunächst gingen Wissenschaftler davon aus, dass alle Wüstenwarzenschweine einer Art angehören und die Population in Südafrika wurde zuerst als Phacochoerus aethiopicus beschrieben.

Als die südliche Unterart Ende des 19. Jahrhunderts ausstarb, geriet das Wüstenwarzenschwein in Vergessenheit und man nahm an, sämtliche noch lebende Warzenschweine sind Warzenschweine.

Der schwedische Zoologe Einar Lönnberg bemerkte 1909 schließlich, dass sich zwei, in Somalia gefundene Schädel männlicher Warzenschweine sehr von denen üblicher Warzenschweine unterschieden. Der Hauptunterschied: Sie hatten keine Schneidezähne.

Daraufhin beschrieb Lönnberg eine neue Art, Phacochoerus delamerei, und er bemerkte Ähnlichkeiten mit der ausgestorbenen Art Phacochoerus aethiopicus. Dass es vom Wüstenwarzenschwein zwei Unterarten gibt, wurde also erst spät klar: Das Südliche Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus aethiopicus) und das Nördliche Wüstenwarzenschwein (Phacochoerus aethiopicus delamerei).

Südliches Wüstenwarzenschwein: Ausgestorben durch Überjagung oder Rinderpest?

Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN können die 1870er-Jahre als Zeitpunkt für das Verschwinden des Südlichen Wüstenwarzenschweins angesehen werden. Manchmal wird auch das Jahr 1871 oder 1896 als Aussterbejahr genannt.

Weshalb die südliche Unterart ausgestorben ist, ist weitgehend unklar. Es liegt nahe, dass die Warzenschwein-Art im 18. und 19. Jahrhundert intensiv bejagt wurde und sich die Bestände daher stark dezimiert haben.

Andere Quellen besagen, die letzten Südlichen Wüstenwarzenschweine seien durch die von der italienischen Armee 1887 nach Äthiopien gebrachten Rinderpest gestorben. Die Seuche breitete sich in ganz Afrika aus und führte zum Tod von 80 bis 90 Prozent aller Rinder, aber auch Giraffen, Büffel oder Antilopen starben daran.

So schlimm die Rinderpest gewesen sein mag, fraglich ist, ob das Südliche Wüstenwarzenschwein zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch existierte. Zumal beispielsweise Peter J. H. Reijnders 1993 in Seals, Fur Seals, Sea Lions, and Walrus sogar davon ausgeht, das Südliche Wüstenwarzenschwein sei „seit mindestens 1860“ ausgestorben.

Auch Veränderungen des Lebensraums aufgrund des Klimawandels werden hin und wieder für das Verschwinden der Art in Betracht gezogen.

Noch heute gelten Warzenschweine manchmal als Schädlinge, die gejagt werden, da sie Plantagen mit ihrer Grabetätigkeit verwüsten. Andernorts werden sie auch wegen ihres Fleisches gejagt. Nichtsdestotrotz sind heute noch existierende Eigentliche Warzenschweine und Wüstenwarzenschweine relativ weit verbreitet und bis auf das Eritrea-Warzenschwein (Phacochoerus africanus aeliani) nicht gefährdet.

Auswahl an Literatur über das Südliche Wüstenwarzenschwein:
D.E. Wilson & D.M. Reeder: (2005) Mammal Species of the World, Baltimore. R.M. Nowak (1999): Walker’s Mammals of the World, Baltimore.