Laysan-Eule

laysan-eule Agrotis-laysanensis
Eine Zeichnung der ausgestorbenen Laysan-Eule aus dem Jahr 1895. Die weiblichen Tiere hatten eine dunklere Färbung als die männlichen.
Laysan-Eule – Steckbrief
lateinische Namen Agrotis laysanensis, Prodenia laysanensis
englische Namen Miller, Miller Moth, Laysan Noctuid Moth
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Laysan (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1911

Mit der Laysan-Eule starb auch der Laysan-Rohrsänger aus

Die Laysan-Eule, ein im Englischen als Miller oder Miller Moth bezeichneter Nachtfalter, war die Hauptnahrungsquelle des Laysan-Rohrsängers oder Laysan Millerbird. Mit dem Aussterben des Falters verschwand auch der Laysan-Rohrsänger.

Die Laysan-Eule kam ausschließlich auf Laysan vor, eine subtropische Hawaii-Insel. Auf der nur etwa vier Quadratkilometer großen Insel wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Guano abgebaut. Dabei handelt es sich um Vogel- und Fledermausexkremente, die in Verbindung mit Kalk, unter anderem als Düngemittel dienten.

Doch der Guano-Abbau an sich sorgte nicht für das Aussterben des Nachtfalters. Vielmehr zerstörten Kaninchen innerhalb kürzester Zeit die gesamte Vegetation der kleinen Insel und somit auch die Wirts- und Nahrungspflanzen der Laysan-Eule.

Es gibt zwei unterschiedliche Theorien, wie die Kaninchen auf die Insel kamen. Eine besagt, dass Guanosammler sie 1903 auf der Insel ausgesetzt haben. Und eine andere Möglichkeit ist, dass ein Deutscher namens Max Schlemmer, der zwischen 1894 und 1915 auf Laysan lebte, Kaninchen auf die Insel gebracht hat, um sich Vorräte für eine Fleischkonserven-Produktion zu schaffen.

Ganz gleich, wie die Kaninchen auf die Insel kamen, die Laysan-Eule – und wahrscheinlich auch der Nachtfalter Hypena laysanensis – verloren mit fehlender Vegetation ihre Nahrung und die Möglichkeit, sich fortzupflanzen. Denn Raupen, aus denen später Schmetterlinge werden, ernähren sich völlig anders als Falter und sind in der Regel auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, ohne diese sie sich nicht entwickeln können. Ähnlich erging es einem in den 1940er-Jahren ausgestorbenen Schmetterling, dem Xerces-Bläuling, sowie Sloans Uraniafalter zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Laysan-Eule seit 1911 verschwunden

Der letzte Nachweis der Laysan-Eule stammt laut dem NatureServe Explorer aus dem Jahr 1911. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN aber nahm die Schmetterlingsart 1986 erst in die Rote Liste auf und der United States Fish and Wildlife Service fügte sie 1989 in die Liste ausgestorbener Insekten ein.

Heute gehen Experten davon aus, dass die Schmetterlingsart ausgestorben ist, auch weil solche Arten empfindlich gegenüber biologische Schädlingsbekämpfungsmittel sind. Zudem handelt es sich um relativ große und auffällige Motten: Die Weibchen erreichten eine Flügelspannweite von 4,2 und die Männchen von 3,6 Zentimetern, die schwer zu übersehen wären. Auch besitzt die heute unbewohnte Insel eine überschaubare Größe.

Der britische Zoologe Walter Rothschild beschrieb die Laysan-Eule als Prodenia laysanensis 1894 in Novitates Zoologicae: Some new Species of Lepidoptera.

Auswahl an Literatur über die Laysan-Eule
W. Rothschild (1894): Some new Species of Lepidoptera. In: Novitates Zoologicae 1. S. 535-540.