Wolterstorff-Molch

wolterstorff-molch / Cynops wolterstorffi
Diese Illustration von George Albert Boulenger aus dem Jahr 1905 zeigt einen weiblichen (unten) und einen männlichen (oben) Wolterstorff-Molch.
Wolterstorff-Molch – Steckbrief
lateinische Namen Cynops wolterstorffi, Hypselotriton wolterstorffi
englische Namen Yunnan Lake Newt, Wolterstorff’s Newt, Kunming Lake Newt
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Yunnan (China)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1979

Industrialisierung verdrängte Wolterstorff-Molch

Der Wolterstorff-Molch lebte einst in Gewässern nahe der südchinesischen Großstadt Kunming. Doch als die Volksrepublik China 1949 ausgerufen wurde und die systematische Industrialisierung der Region begann, wurde Kunming zur Industriestadt.

Die Umwandlung Kunmings in einen Industriestandort hatte negative Auswirkungen vor allem auf den Lebensraum des Wolterstorff-Molches, denn dieser kam einzig im Dian-See (auch Kunming-See) und dessen unmittelbarer Umgebung in der Yunnan-Provinz vor.

Beim Dian-See handelt es sich um einen Gebirgssee in 1.800 Metern Höhe, an welchem die Stadt Kunming grenzt. Der Molch lebte dort stark wassergebunden in flachen Bereichen des Sees sowie in Teichen oder Bewässerungsgräben in der Nähe.

Neben der Zerstörung und Verschmutzung des Lebensraumes nennt die IUCN noch andere Gründe für das Aussterben des Wolterstorff-Molches, und zwar die Entenzucht und die Einfuhr exotischer Frosch- und Fischarten wie zum Beispiel des Graskarpfens (Ctenopharyngodon idella).

In den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts, mit Beginn der Industrialisierung wurde der Molch noch häufig gesichtet, aber bereits 1979 konnte bei einer Exkursion kein Tier mehr nachgewiesen werden. Allerdings will ein Fischer 1984 einen Wolterstorff-Molches gesehen haben.

Molch mit fischartigem Aussehen

Der nach dem deutschen Herpetologen Willy Georg Wolterstorff benannte Molch war eine vergleichsweise große und kräftig gebaute Amphibie. Denn die Männchen erreichten eine Körperlänge von bis zu 12 Zentimetern und die Weibchen sogar von bis zu 16 Zentimetern. Der Schwanz maß übrigens noch einmal die Kopf-Rumpf-Länge.

Der Wolterstorff-Molch war an der Oberseite und den Seiten schwarzbraun gefärbt und besaß orange-rote Flecken an den Flanken. Die Unterseite der Tiere war hingegen orange-rot mit dunklen Flecken und ein orange-roter Strich überzog den Rücken und zwei Drittel des Schwanzes.

Willy Wolterstorff selbst merkt in seinem Artikel Über die Gattung Hypselotriton, der im Zoologischen Anzeiger 1934 erschien, an, dass der Molch äußerlich stark einem Fisch ähnele, was sich vermutlich auf seine stark wassergebundene Lebensweise zurückführen lässt.

Auswahl an Literatur über den Wolterstorff-Molch:
B. Beolens, M. Watkins & M. Grayson (2013): The Eponym Dictionary of Amphibians, Exeter. S. 234. E.-M. Zhao (1998): China Red Data Book of Endangered Animals – Amphibia, Beijing.