Östliches Hasenkänguru

östliches hasenkänguru lagorchestes leporides
Dieses Bild aus dem Jahr 1853 stammt von John Gould, der das Östliche Hasenkänguru 1841 erstmals wissenschaftlich beschrieb.
ÖStliches Hasenkänguru – Steckbrief
lateinischer Name Lagorchestes leporides
englische Namen Eastern Hare-Wallaby, Common Hare-Wallaby, Brown Hare-Wallaby
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Australien
Zeitpunkt des Aussterbens 1890

Östliches Hasenkänguru: Nur so groß wie ein Hase

Mit einer Körperlänge von 50 Zentimetern konnte ein Östliches Hasenkänguru gerade einmal so groß wie ein Hase werden. Allerdings besaß das kleine Beuteltier aus der Familie der Kängurus (Macropodidae) zusätzlich einen etwa 33 Zentimeter langen, muskulösen Schwanz.

Einst bewohnte diese Beuteltierart offene Grasländer im Südosten Australiens. Ihr Verbreitungsgebiet umfasste dabei Teile der Bundesstaaten New South Wales, Victoria und South Australia.

Über die Spezies ist sehr wenig bekannt. Der englische Naturforscher Richard Lydekker schrieb aber 1894 in A Hand-Book to the Marsupiala und Monotremata, dass es sich um ein ausschließlich nachtaktives und einzelgängerisch lebendes Tier handele. Und den Tag habe das Östliche Hasenkänguru in einer Art „Nest“ im Schutze von Büschen verbracht, so John Gould 1863 in The Mammals of Australia.

Tim Flannery und Peter Schouten geben 2011 außerdem in ihrem Buch A Gap in Nature einen Bericht John Goulds wieder. Demzufolge soll ein Östliches Hasenkänguru einen halben Kilometer lang von Hunden gejagt worden sein und plötzlich die Laufrichtung gewechselt haben. Es kam dann auf sechs Meter an Gould heran und sprang etwa 180 Zentimeter hoch über seinen Kopf hinweg.

Mitte des 19. Jahrhunderts noch weit verbreitet

östliches hasenkänguru lagorchestes leporides
Östliches Hasenkänguru im Zoologischen Museum Sankt Petersburg. Dieser kleine Vertreter der Kängurus besaß grau-braunes Fell an der Oberseite, rote Flanken und eine weiße Unterseite. (© Andrew Butko)
Bis in die 1850er-Jahre hinein waren Östliche Hasenkängurus noch weit verbreitet, doch kam es dann zum plötzlichen Populationsrückgang. Die Gründe für das Verschwinden der Art sind bislang ungeklärt, denn das Östliche Hasenkänguru starb aus, bevor eine intensive Landwirtschaft entstand und der Rotfuchs (Vulpes vulpes) in seinen Lebensraum eingeführt wurde.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN nennt als eine der Hauptursachen die Veränderung des Lebensraumes aufgrund der Beweidung dessen durch Schafe und Rinder und der damit einhergehenden Zerstörung des Graslandes.

Ein weiterer Grund könnte die Verdrängung australischer Ureinwohner durch europäische Siedler aus vielen Gebieten gewesen sein, sodass dort keine traditionellen Winter-Brandrodungen der Aborigines mehr stattfanden konnten.

Dies hatte einerseits zur Folge, dass es keine kleinflächigen Gebiete mit jungem und altem Pflanzenbewuchs mehr gab, die Östlichen Hasenkängurus als Nahrung dienten. Und andererseits kam es so vermehrt zu verheerenden Bränden in den Sommermonaten. Auch dem Schweinsfuß-Nasenbeutler wurde dies zum Verhängnis und er starb Anfang des 20. Jahrhunderts aus.

Das letzte Exemplar, ein weibliches Östliches Hasenkängurus, wurde laut Flannery und Schouten 1889 in New South Wales gesammelt. Andere Quellen besagen, es habe eine letzte Sichtung 1890 gegeben.

Auswahl an Literatur über das Östliche Hasenkänguru:
T. Flannery & P. Schouten (2001): A Gap in Nature: Discovering the World’s extinct Animals, New York. R. Lydekker (1894): A Hand-book to the Marsupialia and Monotremata. F. Harper (1945): Extinct and Vanishing Mammals of the Old World, New York.