Mauritiusboa

mauritiusboa Bolyeria multocarinata
Eine Zeichnung der Mauritiusboa; entstanden zwischen 1700 und 1880. Die Schlange war im Durchschnitt etwa ein Meter lang.
Mauritiusboa – Steckbrief
lateinische Namen Bolyeria multocarinata, Eryx multocarinata
englischer Name Round Island Burrowing Boa
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Round Island, früher auch Mauritius (Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1975

Mauritiusboa: Extrem kleines Verbreitungsgebiet

Rund 22,5 Kilometer östlich von Mauritius befindet sich die unbewohnte, nur knapp 1,7 Quadratkilometer kleine Insel Round Island. Dort lebte die Mauritiusboa, die zur Familie der Bolyerschlangen (Bolyeriidae) gehört.

Einst bestand die gesamte Insel, die vulkanischen Ursprungs ist, aus Palmsavannen und Hartholzwäldern, doch heute sind davon nur noch etwa zehn Prozent geblieben. Der Rest fiel Rodungen oder Kaninchen und Ziegen im 19. und 20. Jahrhundert zum Opfer.

Erst in den 1980er-Jahren wurden die eingeschleppten Tiere wieder von Round Island entfernt und die Insel zum Naturschutzgebiet erklärt – leider zu spät für die Mauritiusboa.

Zuletzt gesichtet wurde die Mauritiusboa 1975 auf Round Island, doch bereits 1949 soll sie selten gewesen sein. Trotz intensiver Suchen zwischen 1976 und 2001 konnte die Schlange nicht mehr nachgewiesen werden; nachzulesen in On a newly identified Specimen of the extinct Bolyeriid Snake Bolyeria multocarinata (2004).

Auch die Weltnaturschutzorganisation IUCN geht davon aus, dass die Hauptursachen für das Aussterben der Schlangenart invasive Kaninchen und Ziegen ab 1840 waren, die die Vegetation schädigten und zur Bodenerosion führten. Die Erosion des Bodens hatte wiederum zur Folge, dass keine Palmen mehr wuchsen.

Auf Round Island leben heute noch seltene Tier- und Pflanzenarten wie etwa die Round-Island-Boa (Casarea dussumieri), Guenthers Taggecko (Phelsuma guentheri), der Telfair-Skink (Leiolopisma telfairi) oder die Flaschenpalme (Hyophorbe amauricalis). In der Wildnis existieren von der Flaschenpalme nur noch zehn Exemplare; sie zählt damit zu den seltensten Bäumen der Welt.

Die Mauritiusboa lebte früher auch auf der nahe gelegenen Insel Mauritius, doch haben Schweine da zum Aussterben der Schlange geführt. Nachweise der Schlangenart fand man dort beispielsweise in der berühmten Fossillagerstätte Mare aux Songes, in der auch die ersten Überreste des wohl bekanntesten ausgestorbenen Vogels, dem Dodo, zu Tage gefördert wurden.

Über Lebensweise und Ernährung nur wenig bekannt

Viel weiß man über die Mauritiusboa heute nicht. Sicher ist aber, dass sie sich durch eine durchschnittliche Länge von rund 100 Zentimetern auszeichnete. Die konservierten Exemplare messen übrigens zwischen 54 und 140 Zentimetern.

Die Mauritiusboa besaß eine spitze Schnauze, Kopf und Körper waren zylinderförmig. Die Farbe der Schlange war hellbraun mit schwarzen Flecken am Rücken und rötlich-schwarzen Flecken im Bauchbereich. Die heute noch existierende Round-Island-Boa ist die nächste Verwandte der Mauritiusboa.

Über die Ernährungsweise der Schlange ist kaum etwas bekannt, aber Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Geckos und Skinke fraß.

Auswahl an Literatur über die Mauritiusboa:
D. Day (1981): The Doomsday Book of Animals. A Natural History of vanished Species, London. G.A. Boulenger (1893): Catalogue of the Snakes in the British Museum (Natural History), London.