Laysan-Rohrsänger

laysan-rohrsänger Acrocepahlus familiaris familiaris
Zeichnung des Laysan-Rohrsängers von John Gerrard Keulemans aus Lionel Walter Rothschilds Buch The Avifauna of Laysan and the neighbouring Islands (1893-1900).
Laysan-Rohrsänger – Steckbrief
alternative Bezeichnung Laysanrohrsänger
lateinischer Name Acrocephalus familiaris familiaris
englischer Name Laysan Millerbird
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Laysan (Pazifischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens zwischen 1915 und 1923

„König von Laysan“ leitete Zeit des Aussterbens ein

Noch Ende des 19. Jahrhunderts handelte es sich beim Laysan-Rohrsänger um einen sehr häufigen Vogel, doch dann starb die Vogelart plötzlich aus. Der Grund: Kaninchen.

Auf der heute unbewohnten, knapp vier Quadratkilometer großen Insel Laysan wurde zwischen 1892 und 1904 intensiv Guano abgebaut. Damals siedelten auch Menschen auf der Insel.

Guano entsteht aus Exkrementen von Seevögeln oder Fledermäusen in Verbindung mit Kalkstein. Er wird gesammelt und seit dem 19. Jahrhundert vor allem als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet.

Der bekannteste Bewohner der Insel war ein Deutscher namens Max Schlemmer, welcher auch als „König von Laysan“ bezeichnet wurde. Er lebte mit seiner Familie von 1894 bis 1915 dort. Er war es, der den Japanern erlaubte, nicht nur Guano, sondern auch Vogelfedern zu exportieren.

Außerdem brachte Schlemmer verschiedene Kaninchen und Meerschweinchen auf die Insel, in der Hoffnung, dass sich diese vermehren. Dies sollte Vorräte für eine zukünftige Fleischkonserven-Produktion liefern. Die Kaninchen vermehrten sich aber so schnell, dass die Vegetation der kleinen Insel in kürzester Zeit kahlgefressen war.

Mit dem Verschwinden der Vegetation auf Laysan sanken auch die Bestandszahlen diverser Vogelarten. Der Laysan-Rohrsänger war nun Nestplünderungen durch andere Vögel ausgesetzt. Zudem fraßen die eingeschleppten Nagetiere die Eier der Vögel und töteten die Küken.

Dem Rohrsänger und anderen bedrohten Vogelarten blieb zuletzt nur noch ein kleines Gebiet mit Sträuchern des Blaugrünen Tabaks (Nicotiana glauca) zum Nisten.

Hinzu kommt, dass die Hauptnahrungsquelle des Laysan-Rohrsängers im Jahre 1911 ausgestorben ist, der Nachtfalter Agrotis laysanensis (auch Laysan-Eule). Die Schmetterlingsart starb aus, weil die Kaninchen ihre Wirtspflanzen fraßen. Wahrscheinlich waren auch Kaninchen der Grund, dass die ebenfalls auf Laysan heimische Mottenart Hypena laysanensis 1911 ausstarb.

Als Nahrungsquelle blieb dem Laysan-Rohrsänger schlussendlich die Salzwasserfliege Neoscatella sexnotata, doch stand er hier im Konkurrenzkampf mit der Laysanente (Anas laysanensis), deren Hauptnahrung diese Fliegenart war. Der Rohrsänger verlor den Kampf.

Laysan-Rohrsänger: Ausgestorben zwischen 1915 und 1923

In den Jahren 1911 und 1916 konnten Wissenschaftler der Iowa State University nur wenige Laysan-Rohrsänger auf der Insel ausmachen. Eine Zählung der USCGC-Thetis-Expedition im Jahr 1915 ermittelte im Gegensatz dazu allerdings 1.500 Individuen. Aufgrund von starken Schwankungen der Vogelpopulationen – etwa durch Wilderei für den japanischen Hutmacherhandel ab 1910 – auf Laysan kann diese Zahl nicht außer Acht gelassen werden, erscheint allerdings als unwahrscheinlich.

Während der im Mai 1923 stattgefundenen Tanager-Expedition, bei der die nordwestlichen Hawaiiinseln biologisch untersucht wurden, wollen Wissenschaftler einen Laysan-Rohrsänger gesichtet haben. Der amerikanische Vogelkundler Storrs Lovejoy Olson zweifelt dies aber an; nachzulesen in History and ornithological Journals of the Tanager Expedition of 1923 (1996).

Olson geht nämlich davon aus, dass die letzten Laysan-Rohrsänger bereits einen Monat vor Ankunft der Tanager auf der Insel zusammen mit den Laysan-Apapanen (Himatione sanguinea freethii) aufgrund eines Sandsturms am April 1923 endgültig ausgestorben sind.

Im Allgemeinen gehen Experten heute davon aus, dass der Laysan-Rohrsänger bereits in den späten 1910er-Jahren oder 1923 ausgestorben ist.

Neben dem Laysan-Rohrsänger starben noch zwei weitere auf Laysan endemische Landvögel aus: die Laysan-Apapane (Himatione freethi) und die Laysanralle (Porzana palmeri).

Rohrsänger war auf Laysan endemisch

nest mit laysanrohrsänger foto
Ein im Jahr 1902 entstandenes Foto eines Laysan-Rohrsängers; es befindet sich heute im Denver Museum of Natural History. (© Walker K. Fisher)
In den Aufzeichnungen der Tanager-Expeditionen wird auch der Nihoa-Rohrsänger (Acrocephalus familiaris kingi) erwähnt, der dem Laysan-Rohrsänger sehr  ähnlich sieht, heute noch existiert, aber vom Aussterben bedroht ist.

Bei beiden handelt es sich um Unterarten des Hawaii- oder Südseerohrsängers (Acrocephalus familiaris). Der Laysan-Rohrsänger kam ausschließlich auf der Insel Laysan vor und der Nihoa-Rohrsänger existiert nur auf der Insel Nihoa.

Der am Rücken grau und am Bauch braun gefärbte Laysan-Rohrsänger erreichte eine Körperlänge von zehn bis dreizehn Zentimetern. Männchen und Weibchen unterschieden sich kaum, es gab nur geringe Farbabweichungen.

Sein englischer Name Millerbird leitet sich von der Hauptnahrungsquelle der Vögel ab, der ausgestorbenen Nachtfalterart Agrotis laysanensis, die umgangssprachlich als Miller Moth bezeichnet wurde.