Schweinsfuß-Nasenbeutler

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Schweinsfuß-Nasenbeutlers im Muséum national d’histoire naturelle in Paris. Er erreichte eine Körperlänge von rund 25 Zentimetern und eine Schwanzlänge von bis zu 15 Zentimetern. (© Vassil)
Schweinsfuß-nasenbeutler – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Schweinsfußnasenbeutler, (Östlicher Schweinsfuß-Nasenbeutler), (Westlicher Schweinsfuß-Nasenbeutler)
lateinische Namen Chaeropus ecaudatus, (Chaeropus ecaudatus ecaudatus), (Chaeropus ecaudatus occidentalis)
englische Namen Pig-footed Bandicoot, (Eastern Pig-footed Bandicoot), (Western Pig-footed Bandicoot)
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Australien
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1907

Schweinsfuß-Nasenbeutler: Vorderfüße erinnerten an Paarhufer

Es waren vor allem die Füße, die die Schweinsfuß-Nasenbeutler aus der Ordnung der Nasenbeutler oder Beuteldachse (Peramelemorphia) von anderen Nasenbeutler-Arten unterschieden.

Seinen zwei Zehen mit hufartigen Klauen an den Vorderfüßen, die an Paarhufer wie Schweine erinnern, verdankte der Schweinsfuß-Nasenbeutler seinen Namen. Die hinteren Füße bestanden aus vier Zehen, wobei er nur eine Zehe zur Fortbewegung nutzte.

Die Beutelsäuger-Art lebte einst – wie auch der bereits ausgestorbene, mit ihm verwandte Kleine Kaninchennasenbeutler – in Australien. Die Art kam im mittleren und südlichen Teil des Landes vor und bevorzugte sowohl Wüsten als auch Gebiete mit Gras und Büschen.

Nur wenige Wissenschaftler hatten die Möglichkeit, lebende Schweinsfuß-Nasenbeutler zu studieren, sodass man wenig über deren Verhalten weiß und nicht selten auf mündliche Überlieferungen der australischen Ureinwohner zurückgreifen muss.

Für die zwischen 1856 und 1857 stattgefundene Blandowski-Expedition zur Erforschung der Naturgeschichte Australiens sammelte der australische Zoologe Johann Ludwig Gerard Krefft „etwa acht“ Schweinsfuß-Nasenbeutler. Krefft schrieb seine Beobachtungen 1962 in On the vertebrated Animals of the lower Murray and Darling nieder. Darin gab Krefft auch zu, die Tiere „mehr als einmal“ verspeist zu haben.

Schweinsfuß-Nasenbeutler von jeher selten

schweinsfuß-nasenbeutler Chaeropus ecaudatus
Eine Zeichnung des Schweinsfuß-Nasenbeutlers aus The Mammals of Australia von John Gould (1804-1881).
Trotzdem der einzelgängerisch lebende Schweinsfuß-Nasenbeutler innerhalb Australiens ein großes Verbreitungsgebiet hatte, kam die Art nur selten vor, so Tim Flannery und Peter Schouten in ihrem Buch A Gap in Nature (2001).

Der amerikanische Naturforscher Francis Harper merkt in Extinct and Vanishing Mammals of the Old World (1945) an, der Nasenbeutler war sogar schon vor Ankunft der Europäer auf dem Kontinent etwa im 17. Jahrhundert selten. Dies gehe aus mündlichen Überlieferungen der Aborigines hervor.

Als der irische Naturforscher William Ogilby den Schweinsfuß-Nasenbeutler 1838 als erster wissenschaftlich beschrieb, galt die Tierart als extrem selten. Und während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde nur eine Handvoll an Exemplaren gesammelt, sodass man im Allgemeinen davon ausgeht, dass der Schweinsfuß-Nasenbeutler Anfang des 20. Jahrhunderts ausgestorben ist.

Die letzte gesicherte Sichtung eines Tieres dieser Art stammt laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN aus dem Jahr 1901. In An unpublished Drawing of the Pig-footed Bandicoot by John Gould and H. C. Richter (1988) heißt es, ein Exemplar eines Schweinsfuß-Nasenbeutlers wurde 1907 am Westufer des Lake Eyre gesichtet. Zudem sollen ein Tier 1920 zwischen Miller’s Creek und Coward Springs getötet und Überreste eines anderen Tieres 1927 gefunden worden sein.

Die Pintupi, ein Stamm der Aborigines, behaupteten, die Tiere hätten bis in die 1950er-Jahre hinein in der Gibsonwüste und der Großen Sandwüste Australiens überlebt.

Zerstörung des Lebensraums führte zum Aussterben

Im 19. Jahrhundert kam es zu einem Rückgang der australischen Aborigines-Population um rund 90 Prozent aufgrund der Einschleppung exotischer, europäischer Krankheiten. Die restlichen Aborigines durften ihren traditionellen Landbewirtschaftungsmethoden und Jagdpraktiken nicht mehr nachgehen. So nahmen auch die kleinflächigen, seit Jahrtausenden stattfindenden Brandrodungen der Aborigines ein Ende. Doch gerade dieser Flickenteppich aus gerade abgebranntem und frisch begrüntem Land diente den Beutelsäugern als Lebensraum.

Die eigentliche Ursache für das Aussterben des Schweinsfuß-Nasenbeutlers dürfte also die grundlegende Veränderung seines Lebensraums gewesen sein, denn große Teile des Landes wurden in Weideland für Nutztiere wie Schafe und Rinder umgewandelt.

Die IUCN weist zudem auf die Nachstellung durch eingeführte Tierarten wie verwilderte Katzen und Füchse hin, die ebenfalls zum Verschwinden der Art beigetragen haben sollen.

Östlicher und Westlicher Schweinsfuß-Nasenbeutler?

Der weiter oben erwähnte Francis Harper unterscheidet in seinem 1945 veröffentlichten Buch über ausgestorbene Säugetiere zwei Unterarten: den Östlichen Schweinsfuß-Nasenbeutler (Chaeropus ecaudatus ecaudatus) und den Westlichen Schweinsfuß-Nasenbeutler (Chaeropus ecaudatus occidentalis).

Harper zufolge besitzt die westliche Subspezies eine orange-braune Fellfärbung, während die Unterart aus dem Osten eher grau gewesen sein soll.

In neueren Quellen finden die Unterarten keine Erwähnung. Die IUCN schreibt zum Schweinsfuß-Nasenbeutler: „Es gibt keine anerkannten Unterarten.“