Blauer Glasaugenbarsch

Stizostedion vitreum glaucum / blauer glasaugenbarsch
Der Blaue Glasaugenbarsch war am Rücken blau gefärbt, die Seiten waren silber-blau und die Unterseite silber-weiß. Seine Flossen waren blau-weiß. (© NOAA/GLERL)
Blauer Glasaugenbarsch – Steckbrief
lateinische Namen Sander vitreus glaucus, Sander vitreum glaucus, Stizostedion vitreum glaucum
englische Namen Blue Walleye, Blue Pike
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Erie- und Ontariosee (Nordamerika)
Zeitpunkt des Aussterbens 1965 oder später

Blauer Glasaugenbarsch: Überfischung und Eutrophierung führten zum Aussterben

Die Fischart Blauer Glasaugenbarsch war im 19. Jahrhundert im Bereich der Großen Seen in Nordamerika noch sehr häufig, doch mit dem kommerziellen Fischfang begannen die Bestände stark zu sinken.

Die zahlenmäßigen Aufzeichnungen dokumentieren den Fischfang von 1885 bis 1962. In dieser Zeit wurden rund eine halbe Million Tonnen Blaue Glasaugenbarsche gefangen. Zwischen 1915 und 1959 hatte der Blaue Glasaugenbarsch einen Anteil von 27 Prozent in der Gesamtfangquote des Eriesees. Es gab Jahre in denen der Anteil dieser Fischart sogar mehr als 50 Prozent betrug.

Der Blaue Glasaugenbarsch kam nur im Onatario- und Eriesee und dem die Seen verbindenden Niagara River vor, sodass bei derartigen Fangquoten eine Überfischung nicht verwunderlich ist.

Ein weiterer Grund, der zum Aussterben dieser Fischart beigetragen hat, war die Phosphatüberdüngung der Gewässer. So wurden in den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts mehr als 225 Tonnen Phosphate (etwa in Form von Düngemitteln) jährlich allein in den Eriesee eingeleitet.

Dies führte zur Anreicherung von Nährstoffen (Eutrophierung), was wiederum ein erhöhtes schädliches Pflanzenwachstum zur Folge hatte. Damit sank vor allem die Sauerstoffkonzentration in tieferen Bereichen des Gewässers. Auch der Blaue Glasaugenbarsch bewohnte tiefe und kühle Bereiche des Wassers, sodass er von der Sauerstoffzehrung betroffen war.

Es gab noch einen anderen Faktor, der das Verschwinden des Blauen Glasaugenbarsches vorantrieb – der Arktische Stint (Osmerus mordax). Sportangler führten diese Fischart im Eriesee ein, die vermutlich die Jungfische des Blauen Glasaugenbarsches jagte.

Leider bemerkte man erst 1959, dass die Bestände des Blauen Glasaugenbarsches derart gesunken waren, dass sich nicht einmal mehr die Fischerei lohnt. Einen letzten Nachweis über die Fischart gab es 1965, zwei Jahre später stellte man die Art daraufhin unter Naturschutz und erklärte sie schließlich 1983 offiziell für ausgestorben.

Blauer Glasaugenbarsch: Viel kleiner als die Nominalform

Beim Blauen Glasaugenbarsch handelt es sich wahrscheinlich um eine der beiden Unterarten des Glasaugenbarsches bzw. des Amerikanischen Zanders (Sander vitreus). Dieser ist in weiten Teilen Nordamerikas verbreitet und normalerweise gelblich-oliv gefärbt.

Während die Nominalform eine Länge von 75 bis 107 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu elf Kilogramm erreichen kann, war der Blaue Glasaugenbarsch deutlich kleiner. Er war gerade einmal 21 bis 47 Zentimeter lang und wog zwischen 225 und 680 Gramm. Die Augen des Blauen Glasaugenbarsches waren größer als die des Amerikanischen Zanders.

Existiert(e) der Blaue Glasaugenbarsch überhaupt?

Hin und wieder gibt es Berichte, dass man den Blauen Glasaugenbarsch in den Gewässern der Großen Seen gefangen hat. Allerdings gibt es in vielen Glasaugenbarsch-Populationen auch Tiere mit einer blauen Farbvariante.

Daher schließen einige Wissenschaftler nicht aus, dass es sich beim Blauen Glasaugenbarsch und Glasaugenbarsch trotz unterschiedlicher Abmessungen und Merkmale um ein und dieselbe Fischart handelt. So könnten sie einfach verschiedene Entwicklungsstufen des Glasaugenbarsches sein. In einer Studie (2007) beschäftigen sich unter anderem Chi-Li Yu und Daniel Ferraro genauer mit der Blaufärbung des Glasaugenbarsches.

Bis heute konnten keine gesicherten Beweise dafür erbracht werden, dass der Blaue Glasaugenbarsch noch existiert. Im Jahre 1975 fingen Angler neun angeblich Blaue Glasaugenbarsche, unter ihnen auch trächtige Weibchen, doch konnte auch hier nicht geklärt werden, ob es sich wirklich um die Unterart handelt und die gefangenen Fische konnten keine lebensfähigen Nachkommen hervorbringen. Weitere Suchen nach dem Blauen Glasaugenbarsch in den Großen Seen waren ohne Erfolg.