Amsterdamente

aucklandente / ähnlich der ausgestorbenen amsterdamente
Laut den Vogelkundlern Olson und Jouventin ist die ausgestorbene Amsterdamente ähnlich der heute noch existierenden, ebenfalls flugunfähigen Aucklandente (Anas aucklandia; siehe Bild). Das Bild stammt von John Gerrard Keulemans und erschien im Buch Buller’s Birds of New Zealand (1988).
Amsterdamente – Steckbrief
lateinische Namen Mareca marecula, Anas marecula
englische Namen Amsterdam Wigeon, Amsterdam Island Duck, Amsterdam Duck
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Amsterdam-Insel, vermutlich auch Saint-Paul-Insel (Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens Ende des 18. Jahrhunderts

Amsterdamente war kaum größer als eine Drossel

Erst 1996 wurde die kleine, flugunfähige Amsterdamente anhand von Knochenfunden wissenschaftlich von Storrs Lovejoy Olson und Pierre Jouventin beschrieben.

Der britische Geschichtsschreiber John Barrow beschrieb 1793 bereits eine kleine, braune Ente, die kaum größer als eine Drossel gewesen sei auf der Insel Saint Paul. Zum Vergleich: Die auch in Europa heimische Singdrossel (Turdus philomelos) erreicht etwa eine Körperlänge von 20 bis 22 Zentimetern.

Es gibt noch einen weiteren, älteren Augenzeugenbericht aus dem Jahr 1696 von William de Vlaming, der auf den ersten Blick nicht wirklich an eine Enten-Sichtung erinnert; nachzulesen in einem Artikel (1983) von W.R.P. Bourne, A.C.F. David und C. Jouanin. De Vlaming erwähnte „zwei vierfüßige Tiere, die an einen Wiesel oder Fuchs erinnern„. Diese will er im Schilf auf der Amsterdam-Insel gesehen haben.

Experten gehen heute davon aus, dass es sich bei dieser Sichtung um die Amsterdamente gehandelt haben könnte, da auf der Amsterdam-Insel zu jener Zeit keine Säugetiere existierten. Mögliche durch Segler oder Walfänger eingeschleppte Tiere, wie etwa Ratten, kamen erst später auf die Insel.

Die ersten Knochen der Amsterdamente wurden schon 1955 bzw. 1956 gefunden, die die Wissenschaftler als ähnlich der Knochen der europäischen Knäkente (Anas querquedula) beschrieben. Im Jahre 1987 wurden dann weitere Knochen von mindestens 30 Individuuen gefunden. Diese wiesen auf eine kleine Ente mit kurzem Schnabel hin. Die kräftigen Beine, reduzierten Brustbeine und Flügel deuteten auf Flugunfähigkeit hin.

An den Knochen konnte weiterhin abgelesen werden, dass die Amsterdamente wenig Salzwasser trank, weshalb der Vogel vermutlich nicht an der Küste lebte. Die Knochen wurden 500 Meter über dem Meeresspiegel geborgen.

Amsterdamente: Heimatinsel bislang ungeklärt

Ungeklärt ist bisher, ob die ausgestorbene Amsterdamente nur auf der Amsterdam-Insel endemisch war oder auch auf der Saint-Paul-Insel vorkam.

Da sämtliche Knochen der Amsterdamente auf der Amsterdam-Insel im südlichen Indischen Ozean gefunden wurden, gehen Wissenschaftler heute davon aus, dass diese Entenart dort heimisch war.

Der Bericht von Barrow stammt allerdings von der Nachbarinsel Saint Paul Deshalb ist nicht sicher, ob es sich bei der von Barrow beschriebenen Ente um eine ähnliche Entenart handelt oder ob die Amsterdamente doch beide Inseln besiedelte.

Der Abstand zwischen beiden Inseln beträgt lediglich 80 Kilometer. Olson und Jouventin sind der Meinung, dass Vögel, die auf der einen Insel gelebt haben, auch durchaus auf der anderen gelebt haben könnten.

Knochen erst wenige hundert Jahre alt

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN datiert das Aussterben der Amsterdamente auf das Ende des 18. Jahrhunderts. Zudem sind die von Olson und Jouventin beschriebenen Knochen der Ente nicht älter als ein paar hundert Jahre.

Barrow gibt in seinem Bericht einen möglichen Hinweis für das Aussterben der Amsterdamente. Er schreibt, dass es sich bei der Ente um die „bevorzugte Nahrungsquelle der fünf Seehundjäger, die auf der Insel lebten„, handelte.

Da die Knochen darauf hinweisen, dass die Schwimmente nicht fliegen konnte, dürfte sie auch eine leichte Beute für Jäger gewesen sein. Auf Inseln, in Abwesenheit menschlicher Zivilisation lebende Tiere sind meistens wenig scheu.

Zwar sind die Amsterdam- und Saint-Paul-Insel heute wie damals weitestgehend unbewohnt, doch weisen Olson und Jouventin auf die strategisch günstige Position der Inseln zwischen Afrika und Australien hin. Daher dürften diese oft von Walfängern und Seglern besucht worden sein. Diese machten vermutlich nicht nur Jagd auf die Amsterdamente und eventuell andere dort endemische Vögel, sondern führten auch fremde Tierarten ein und Brandrodungen durch.