Chatham-Glockenhonigfresser

chatham-glockenhonigfresser / Anthornis melanocephalus
Zeichnung des Chatham-Glockenhonigfressers aus dem Buch The Zoology of the Voyage of H.M.S. Erebus & Terror (1844). Der Vogel erreichte eine Länge von rund 25 Zentimetern.
Chatham-Glockenhonigfresser – Steckbrief
lateinischer Name Anthornis melanocephala
englische Namen Chatham Bellbird, Chatham Island Bellbird
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Chatham-Inseln (Südpazifik)
Zeitpunkt des Aussterbens frühestens 1906

Chatham-Glockenhonigfresser: Gründe für das Aussterben unklar

Ohne ersichtlichen Grund verschwand der Chatham-Glockenhonigfresser von den zu den Chatham-Inseln gehörenden Inseln Mangere Island, Little Mangere Island und Chatham Island. Die Inseln befinden sich östlich der Südinsel Neuseelands.

Da keine Vogelart einfach so ausstirbt, erwägt die Weltnaturschutzorganisation IUCN als Gründe für das Verschwinden des Chatham-Glockenhonigfressers Lebensraumverlust durch Einführung neuer Landwirtschaftsmethoden in Kombination mit der Verfolgung durch eingeschleppte Ratten und Katzen. Außerdem soll die Erbeutung der Vögel für Museumssammlungen gegen Geld eine Rolle gespielt haben.

Auch der britische Ornithologe Julian Pender Hume nimmt sich in seinem Buch Extinct Birds der Frage nach der Ursache für den Niedergang der Vogelart an. So schreibt er, um 1900 sei noch viel Wald vorhanden gewesen. Lebensraumverlust und eingeschleppte Tiere hätten noch nicht lange eine Rolle gespielt haben können, als die Vögel verschwanden.

Hume erwägt eine eingeführte Krankheit, die zum schnellen Aussterben des Vogels geführt hat. Zudem habe es einen deutlichen Rückgang der Vogelpopulation bereits vor Beginn der Sammlung von Museumsexemplaren und der Einfuhr von Katzen und Ratten gegeben.

Bei den Kleidervögeln von Hawaii, so Hume, verlief der Prozess des Aussterbens ähnlich. Von 34 Arten sind heute 13 ausgestorben; der Rest ist gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Beispiele für ausgestorbene Arten sind Palmers Papageischnäbler (Rhodacanthis palmeri), der Hawaii-Akiaoloa (Hemignathus obscurus) oder der Annakleidervogel (Ciriops anna).

Warum ist der verwandte Maori-Glockenhonigfresser nicht ausgestorben?

Vom sehr ähnlich aussehenden, etwas kleineren, in Neuseeland heimischen Maori-Glockenhonigfresser (Anthornis melanura), dem einzigen der Gattung Anthornis bzw. der Familie Honigfresser, der heute noch existiert, ist bekannt, dass dessen Bestand durch eingeschleppte Tiere und Lebensraumverlust zunächst zurückging. Allerdings erholte sich der Bestand dieser Vogelart so gut, dass sie heute häufig anzutreffen ist und von der IUCN sogar als „ungefährdet“ eingestuft wurde.

Warum dem Maori-Glockenhonigfresser nicht das gleiche Schicksal wie dem Chatham-Glockenhonigfresser ereilte, konnte bislang nicht geklärt werden. Der Maori-Glockenhonigfresser bewohnt heute nicht nur seinen ursprünglichen Lebensraum Wald, sondern auch Parks und Gärten. Insofern Lebensraumverlust beim Aussterben des Chatham-Glockenhonigfressers eine Rolle spielt, könnten mangelnde Anpassungsfähigkeit oder ein kleineres Verbreitungsgebiet für das Verschwinden der Art gesorgt haben.

Chatham-Inseln: Einzigartige Flora und Fauna

nest vom chatham-glockenhonigfresser
Foto eines Nestes vom Chatham-Glockenhonigfresser von 1909.
Der letzte sichere Nachweis des Chatham-Glockenhonigfressers wurde für 1906 von der Insel Little Mangere geliefert, wo einige Paare gesichtet wurden, so Dieter Luther in Die ausgestorbenen Vögel der Welt. Eine Suchexpedition 1938 führte zu keinem Erfolg.

Sichtungen des Chatam-Glockenhonigfressers und des ebenfalls ausgestorbenen Chatham-Grassängers (Megalurus rufescens) aus den 1950er-Jahren blieben unbestätigt. Aufgrund dieser angeblichen Sichtungen besuchte der Vogelkundler Logan Bell 1961 die Chatham-Inseln, konnte aber keinen der genannten Vögel ausfindig machen.

Über die Lebensweise des Chatham-Glockenhonigfressers ist wenig bekannt, aber Experten gehen davon aus, dass sie ähnlich der des Maori-Glockenhonigfressers ist.

Es handelte sich beim Chatham-Glockenhonigfresser um einen recht farbenfrohen Vogel. Sein Gefieder war olivgrün, am Bauch hell, Stirn, Scheitel und Kopfseiten waren blau und die Schwanzfedern schwarzbraun mit olivgrüner Umrandung. Die Iris der Vögel war gelb, der Schnabel schwarz und die Beine braun.

Die Chatham-Inseln sind bekannt für ihre einzigartige Flora und Fauna. Dort gibt es rund 29 endemische Pflanzenarten. Das sind Pflanzen, die nur auf diesen Inseln existieren. Einst hatten die Chatham-Inseln auch mit 18 endemischen Vogelarten eine besonders reiche Vogelwelt, doch sind von diesen bereits 13 ausgestorben. Dazu gehören beispielsweise neben dem Chatham-Glockenhonigfresser und dem Chatham-Grassänger die Dieffenbach-Ralle (Gallirallus dieffenbachii), die Chatham-Schnepfe (Coenocorypha chathamica) oder die Hawkins-Ralle (Diaphorapteryx hawkinsi).