Berberlöwe

berberlöwe panthera leo leo
Ein Berberlöwe in Algerien, fotografiert von Sir Alfred Edward Pease im Jahr 1893. Auffällig war die besonders dichte, dunkle Mähne, die aber wenig Rückschlüsse auf die Art zulässt, sondern eine Anpassung an klimatische Gegebenheiten darstellen kann.
Berberlöwe – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Atlaslöwe, Nubischer Löwe
lateinischer Name Panthera leo leo
englischer Name Barbary Lion
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Algerien, Marokko, zuvor ganz Nordafrika
Zeitpunkt des Aussterbens 1942 oder später

Berberlöwe: Einstiger Kämpfer in römischen Arenen

In römischen Arenen gehörten neben den Gladiatorenkämpfen Kämpfe zwischen exotischen und fremden Tieren zu den großen Attraktionen der Unterhaltungskultur. Der Berberlöwe und der ebenfalls ausgestorbene Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) traten beispielsweise bei Kämpfen gegeneinander an.

Derartige Kämpfe, bei denen massenweise Tiere ums Leben kamen und die nachweislich auch zum Aussterben einiger Arten beigetragen haben, fanden bis ins 6. Jahrhundert hinein statt.

Doch waren Kämpfe in römischen Arenen nicht die alleinige Ursache für das Verschwinden des Berberlöwen. Viele Quellen, wie auch im Buch Vom Aussterben bedroht? von Igor Akimuschkin, besagen, der letzte Berberlöwe wurde 1893 in Algerien erlegt oder 1920 (oder 1922) im marokkanischen Teil des Atlasgebirges von einem Wilderer erschossen.

Eine Untersuchung der University of Kent in England von 2013 zeigt allerdings, dass der Löwe noch 1942 im marokkanischen Teil des Atlasgebirges anzutreffen war. Zudem habe es Sichtungen in den 1950er-Jahren in Marokko und Algerien gegeben. Die Wissenschaftler der Studie vermuten, in kleinen Populationen und abgelegenen Regionen könne der Löwe bis in die 1960er-Jahre hinein überlebt haben.

In historischen Zeiten war der Berberlöwe einst in ganz Nordafrika anzutreffen, doch bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts war er im Nordosten des Kontinents verschwunden und kam nur noch im Nordwesten vor. Durch die zunehmende Verbreitung von Feuerwaffen sowie Lebensraumverlust wurden auch die Bestände im Westen Nordafrikas immer geringer.

Andere in Nordafrika heimische, große Tiere, wie der ausgestorbene Atlasbär und der heute nahezu ausgerottete Afrikanische Leopard (Panthera pardus pardus), erlitten ein ähnliches Schicksal.

Heutige Löwen in Zoos können von Berberlöwen abstammen

berberlöwe im zoo
Fotografie eines Berberlöwen im Zoo von Nelson Robinson (1897).
In freier Wildbahn ist der Berberlöwe definitiv ausgestorben, aber heutige, in Gefangenschaft lebende Löwen könnten vom Berberlöwen abstammen. Die Chance ist jedoch gering, dass es sich dabei um reinrassige Tiere handelt.

Als der Berberlöwe in der Wildnis immer seltener wurde, erhielten marokkanische Fürsten Löwen vom nordafrikanischen Volk der Berber als Treuegabe. Der 1970 regierende, marokkanische König Hassan II. brachte die Löwen in den Zoo von Rabat, Marokkos Hauptstadt.

Heutige Löwen des Zoos gehen möglicherweise auf die Berberlöwen von König Hassan II. zurück und sind direkte Nachkommen. Ihr Aussehen entspricht zumindest alten Beschreibungen des Berberlöwen. Im Zoo in Rabat und anderen Orten Europas lebten 1998 wohl noch 52 Löwen, die auf die Tiere Hassans II. zurückgehen. Allerdings wurden diese teils mit anderen Unterarten gekreuzt.

Auch der äthiopische Kaiser Haile Selassie gab dem Zoo in Addis Abeba elf Tiere, die Berberlöwen oder auch Kaplöwen (Panthera leo melanochaita) gewesen sein könnten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekam der Zoo von London einen reinblütigen Berberlöwen.

In einigen Zoos, etwa im Erlebnis-Zoo Hannover oder im Zoo Pilsen in Tschechien, gibt es heute (Rück-)Zuchtprogramme für Berberlöwen und die Zoos werben damit, reinrassige Tiere zu haben. Das folgende Video zeigt Berberlöwen im Zoo in Hannover:

Berberlöwe: Beliebte Trophäe bei Großwildjägern

Neben dem ausgestorbenen Kaplöwen gehörte der Berberlöwe zu den größten in neuerer Zeit existierenden Unterarten des Löwen (Panthera leo). Männliche Tiere konnten ein Gewicht von 180 bis 295 Kilogramm erreichen und Weibchen von 120 bis 180 Kilogramm. Die Schulterhöhe der Tiere betrug bis zu 120 Zentimetern und die Länge bis zu 280 Zentimetern.

Berberlöwen-Männchen zeichneten sich durch eine besonders dicke und teils dunkle Mähne aus, die über die Schultern ging und auch vom Bauch herabhing. Deshalb und aufgrund ihrer imposanten Größe war der Berberlöwe eine beliebte Trophäe bei Jägern.