Tobias-Köcherfliege

Hydropsychepellucidula /verwandte der tobias-köcherfliege
Von der Tobias-Köcherfliege existieren kaum Abbildungen. Das Bild zeigt Hydropsyche pellucidula, eine verwandte Art. (© James K. Lindsey)
Tobias-Köcherfliege – Steckbrief
lateinischer Name Hydropsyche tobiasi
englischer Name Tobias‘ Caddisfly
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Deutschland
Zeitpunkt des Aussterbens 1938

Köcherfliegen: Unauffällige, hochspezialisierte Insekten

„Köcherfliegen sind der Allgemeinheit wenig bekannt, weil sie unauffällig sind und weder Schaden noch Nutzen bringen, sie existieren einfach“, so der österreichische Insektenkundler Hans Malicky in einem Artikel des Greenpeace Magazins von Wolfgang Hassenstein. So wundert es auch nicht, dass die Tobias-Köcherfliege ziemlich unbekannt ist.

Der deutsche Insektenforscher Wolfgang Tobias untersuchte die Tobias-Köcherfliege als erstes 1972; nach ihm ist das Insekt auch benannt. Wissenschaftlich beschrieben wurde sie dann 1977 von Malicky.

Malicky beschrieb die Art anhand von Museumsexemplaren, die in den 1920er-Jahren am Rhein gesammelt worden sind, so Vincent H. Resh in Encyclopedia of Insects (2003). Danach seien laut Resh keine Tiere dieser Art mehr gesichtet worden.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN akzeptiert einen letzten Nachweis der Tobias-Köcherfliege vom Jahr 1938, wo ein Männchen in Klingenberg gefangen werden konnte. Sämtliche Sichtungen dieser Köcherfliegen-Art stammen vom Mittelrhein zwischen Mainz und Köln sowie vom Main bei Klingenberg. Trotz intensiver Suchen, etwa von Malicky am Rheinufer 1980, konnte die Tobias-Köcherfliege nach 1938 nicht mehr nachgewiesen werden.

Abwasserbelastung an Rhein und Main sorgten für das Verschwinden der  Köcherfliegen-Art

In der Untersuchung Die Bestimmung der in Deutschland vorkommenden Hydropsychidae (2004) gehen Wolfgang Tobias und Peter J. Neu davon aus, dass die Tobias-Köcherfliege aufgrund der nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere Jahrzehnte andauernden Abwasserbelastung des Rheins und Mains ausgestorben ist. Vor dem Zweiten Weltkrieg, circa zwischen 1906 und 1920, hat man die Köcherfliege noch oft gesichtet.

Laut Tobias und Neu handelt es sich bei der Tobias-Köcherfliege um eine potamobionte Art bzw. Potamal-Art. Potamal-Arten leben am Unterlauf eines Flusses. Typische Tierarten des Potamons sind beispielsweise Biber (Castoridae), Fischotter (Lutra lutra) und Uferschwalben (Riparia riparia).

Im Potamal lebende Arten sind häufig hochspezialisiert und halten Umweltveränderungen kaum Stand. Sie kommen ausschließlich an größeren Flüssen vor, weshalb viele dieser Arten auch durch die Verschmutzung der meisten Flüsse vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben sind.

Es gelten noch drei weitere Arten der Köcherfliege (Trichoptera) neben der Tobias-Köcherfliege als ausgestorben: Rhyacophila amabilis, Triaenodes phalacris und Triaenodes tridonata.

Nur wenig über Tobias-Köcherfliege bekannt

Die vorhandenen Museumsexemplare der Tobias-Köcherflige sind bis heute die einzigen Belege für die Existenz derselben. Man hat auch nie Larven dieser Art sammeln können, weshalb kaum etwas über sie bekannt ist.

Aus Beschreibungen der Art von Tobias und Neu geht hervor, dass die Tiere dunkelbraun waren, ihre Beine und Hinterflügel waren etwas heller als der Rest. Die vorderen Flügel konnten eine Länge von bis zu 13 Millimeter erreichen.

Köcherfliegen heißen übrigens so, weil man die Wohnröhren ihrer Larven als Köcher bezeichnet. Wie beim Kokon des Schmetterlings etwa bauen die Larven mit einem Sekret, welches sie aus Drüsen am Kopf abgeben, eine Art Röhre. In dieser Röhre bzw. im Köcher wachsen die Larven auf.