Réunion-Riesenschildkröte

reunion-riesenschildkroete / Cylindraspis indica
Zeichnung der Réunion-Riesenschildkröte aus Historia Testudinum: Iconibus Illustrata von Johann David Schoepf aus dem Jahre 1792.
Réunion-Riesenschildkröte – Steckbrief
lateinische Namen Cylindraspis indica, Cylindraspis borbonica, Chersina grayi, Testudo graii, Testudo indica u.a.
englischer Name Réunion Giant Tortoise
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Réunion (Indischer Ozean)
Zeitpunkt des Aussterbens 1840er-Jahre

Reunion-Riesenschildkröte: Ihr Fleisch galt als Delikatesse

Die Reunion-Riesenschildkröte war im 17. und frühen 18. Jahrhundert noch sehr häufig, doch mit der Ankunft europäischer Seefahrer auf der Insel Réunion wurden unzählige dieser Tiere getötet.

Die Riesenschildkröten stellten eine einfache Beute für die Siedler dar. Sie waren sehr langsam, neugierig und kannten keine Angst vor Menschen. Diese Eigenschaften der Schildkröte verleiteten die Siedler dazu, sie massenweise töten.

David Quammen schreibt in seinem Buch Der Gesang des Dodo dazu: „(Es) herrschte auf Réunion und Rodrigues ebenso wie auf Mauritius eine (…) Abschlachterei vor.“ Und weiter berichtete ein Reisender von Réunion über die Riesenschildkröten: „Es gibt ungeheure Mengen von ihnen: Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft; das Fett besser als Butter oder das beste Öl, für alle Arten von Saucen.“

Das Schildkrötenfleisch diente also als Nahrung für die Menschen, wurde aber auch an deren Schweine verfüttert. Nicht wenig Fleisch stapelte man zudem in Laderäumen von Schiffen als Proviant für Seefahrten.

Schon um das Jahr 1780 herum waren bereits die meisten Riesenschildkröten der Inseln Mauritius, Rodrigues und Réunion getötet. Experten schätzen, dass um 1800 die meisten Tiere auf Réunion verschwunden waren, lediglich bis in die 1840er-Jahre hinein konnten ein paar Tiere in den Hochländern überleben.

Wahrscheinlich sorgten neben der Bejagung durch den Menschen auch eingeschleppte Tiere wie Schweine und Ratten für das Verschwinden der Reunion-Schildkröte. Schweine und Ratten können den Gelegen und Jungtieren der Schildkröten geschadet haben.

Die größte Schildkröte von den Maskarenen

Die Reunion-Riesenschildkröte konnte eine Länge von 50 bis 110 Zentimetern erreichen und galt damit als größte Riesenschildkröte der Gattung Cylindraspis.

Alle fünf Riesenschildkröten der Gattung Cylindraspis waren auf den Maskarenen (Mauritius, Rodrigues und Réunion) beheimatet und sind heute ausgestorben. Dazu gehörten neben der Reunion-Riesenschildkröte die Mauritius-Sattelrücken- und Mauritius-Riesenschildkröte sowie die Rodrigues-Sattelrücken- und Rodrigues-Riesenschildkröte.

Die Riesenschildkröten von Réunion hatten lange Beine und einen langen Hals mit einem großen Kopf. Es herrschte ein ausgeprägter Sexualdimorphismus vor. Das heißt hier, dass die Männchen sehr viel größer als die Weibchen waren. Das erklärt auch die große Spanne, was die Abmessungen der Tiere betrifft.

Die Identifizierung dieser Art stellte sich als relativ schwierig heraus, da ihre Panzer sowohl sattel- als auch kuppelförmig sein können. Auf den Inseln Mauritius und Rodrigues werden die Schildkröten nach Sattel- oder Kuppelform differenziert.