Felsengebirgsschrecke

felsengebirgsschrecke Melanoplus spretus
Illustration aus dem Jahre 1902. Felsengebirgsschrecken gehören zu den Kurzfühlerschrecken (Caelifera). (© Julius Bien)
Felsengebirgsschrecke – Steckbrief
alternative Bezeichnung Rocky-Mountain-Heuschrecke
lateinische Namen Melanoplus spretus, Calopentus spretus, Acridium spretis, Pezotettix spretus
englischer Name Rocky Mountain Locust
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Nordamerika
Zeitpunkt des Aussterbens 1902

Rekord: Ein Schwarm von 12.500.000.000.000 Tieren

Bei der Felsengebirgsschrecke oder der Rocky-Mountain-Heuschrecke handelte es sich um die größte Heuschreckenart, die noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lebte. Sie erreichte eine Körperlänge von rund drei Zentimetern.

Doch es war nicht nur das größte Tier seiner Art, sondern die Felsengebirgsschrecken sind auch für die größte dokumentierte Tieransammlung weltweit bekannt. Im Jahr 1875 soll nämlich ein aus etwa 12,5 Billionen Heuschrecken dieser Art bestehender Schwarm Nebraska in den USA heimgesucht haben.

Dieser Felsengebirgsschrecken-Schwarm zog zehn Tage lang über den Bundesstaat hinweg und verdunkelte den Himmel. Dass solch ein Schwarm Konsequenzen hat, kann man sich leicht vorstellen. Nicht umsonst spricht schon die Bibel von Heuschrecken als eine der zehn Plagen. Wanderheuschrecken zählten früher sogar zu den Naturkatastrophen, die ganze Landstriche kahl fraßen.

Gründe für das Aussterben der Felsengebirgsschrecke bis heute nicht geklärt

rocky mountain heuschrecke Minnesota locust
Ein Foto der Rocky-Mountain-Heuschrecke aus den 1870er-Jahren. (© Jacoby’s Art Gallery)

Die Rocky-Mountain-Heuschrecke gehörte noch zu den häufigsten Heuschrecken im 19. Jahrhundert in Nordamerika, so die IUCN. Plötzlich aber verschwanden die Tiere Ende des Jahrhunderts und die letzte Felsengebirgsschrecke wurde 1902 gesichtet.

Das Schicksal der Heuschrecken erinnert an jenes der Wandertaube (Ectopistes migratorius). Die ebenfalls in Nordamerika heimische Taubenart galt einst als häufigste Vogelart der Welt und starb auch Anfang des 20. Jahrhunderts aus.

Bis heute konnte nicht eindeutig geklärt werden, worin die Ursache für das Aussterben der Rocky-Mountain-Heuschrecke gelegen hat. Die IUCN zum Beispiel sieht als Hauptursache die Zerstörung des Lebensraums der Felsengebirgsschrecke an.

Zudem haben Pflügen und Bewässern von Ackerland – vor allem am Ufer des Mississippis – vermutlich den natürlichen Lebenszyklus der Heuschrecke gestört, sodass sie sich nicht mehr ausreichend fortpflanzen konnte. Wahrscheinlich hat das Pflügen die Gelege zerstört, denn die Weibchen nutzten die Felder für ihre Eiablage.

Kann die Felsengebirgsschrecke überlebt haben?

Der Insektenkundler Jeffrey Lockwood machte sich mit seinen Studenten auf, in einer groß angelegten Suche überlebende Felsengebirgsschrecken zu finden – leider ohne Erfolg. Seine Erkenntnisse hat er 2003 in einem Artikel für die High Country News zusammengefasst.

In Gletschern des Rocky-Mountain-Gebirges hat Lockwood allerdings zahlreiche konservierte Überreste der Heuschrecke gefunden, die mittels Radiokarbonmethode auf Anfang des 17. Jahrhundert datiert werden konnten.

Wanderheuschrecken existieren in zwei Formen: Als einzeln an einem Ort lebende Tiere (solitäre Phase) und als umherziehende Schwarmtiere (gregäre Phase). Das Hormon Serotonin löst den Übergang von einer Phase in die nächste aus. Heuschrecken derselben Art können je nach Phase eine andere Färbung und ein anderes Verhalten zeigen, sodass sie früher fälschlicherweise unterschiedlichen Arten zugeordnet wurden.

Da sich Schwärme von Wanderheuschrecken nur ausbilden, wenn viele Tiere aufeinandertreffen, die sich berühren, gab es die Theorie, dass man die Rocky-Mountain-Heuschrecke aus der solitären Phase verwandter Kurzfühlerschrecken züchten könne.

William Chapco und Greg Litzenberger haben daraufhin 2003 DNA-Analysen an Rocky-Mountain-Heuschrecken aus Museen und aus 400 Jahre alten Gletschern aus Wyoming durchgeführt. Das Ergebnis: Die Rocky-Mountain-Heuschrecke unterscheidet sich deutlich von anderen Kurzfühlerschrecken, weshalb sie definitiv ausgestorben ist. Vermutlich besteht aber eine nahe Verwandtschaft zu Melanoplus bruneri, einer mexikanischen Heuschreckenart.