Haastadler

haastadler greift moas an
Haastadler greift ebenfalls bereits ausgestorbene Moas Neuseelands an. Die größten Moas waren die weiblichen Südinsel-Riesenmoas. Sie konnten eine Größe von 360 Zentimetern und ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm erreichen.
Haastadler – Steckbrief
lateinischer Name Harpagornis moorei
englischer Name Haast’s Eagle
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Neuseeland
Zeitpunkt des Aussterbens 14. oder 15. Jahrhundert

Der größte Greifvogel der Neuzeit

Der Haastadler gilt mit einer Flügelspannweite von rund drei Metern und einem Gewicht von bis zu 18 Kilogramm als der größte Greifvogel der Neuzeit.

Der Vogel lebte in Neuseeland. Er ernährte sich von flugunfähigen, heute ausgestorbenen Vögeln wie zum Beispiel die verschiedenen Moa-Arten oder die Südinsel-Riesengans (Cnemiornis calcitrans). Bis auf den Haastadler und den ausgestorbenen Kawekaweau-Gecko gab es im durch Vögel dominierten Neuseeland keine Bodenraubtiere.

Es erscheint zunächst sicherlich unglaubwürdig, dass ein 18 Kilogramm schwerer Adler einen Laufvogel mit einem Gewicht von über 200 Kilogramm töten kann. Doch dass dies durchaus möglich ist, zeigt etwa folgendes Video: Ein Steinadler (Aquila chrysaetos) attackiert und tötet einen Sikahirsch (Cervus nippon).

Aus einer in der wissenschaftlichen Zeitschrift PLOS Biology im Jahr 2005 veröffentlichten Studie von Michael Bunce geht hervor, dass der Haastadler eng mit dem heute noch existierenden Kaninchenadler (Hieraaetus morphnoides) und dem Zwergadler (Hieraaetus pennatus) verwandt ist.

Der Experte Alan Tennyson schreibt 2006 in seinem Buch Extinct Birds of New Zealand, dass der Haastadler zusammen mit den Moa-Arten im 14. oder 15. Jahrhundert ausgestorben ist. Zwar gab es noch im 19. Jahrhundert Berichte, nach denen der Adler angeblich gesichtet wurde, doch gelten diese als unglaubwürdig.

Vom Haastadler existieren heute viele fossile Funde und sogar drei vollständige Skelette. Einige Knochen des Vogels wurden auch von frühen Siedlern Neuseelands bearbeitet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde der Greifvogel vom deutschen Naturforscher Julius von Haast. Dieser fand 1874 Knochen des Adlers in einem Sumpf.

Haastadler: Menschenfressende Riesenvögel?

kralle haastadler im vergleich
Vergleich der Krallen eines Haastadlers (oben) mit denen eines Kaninchenadlers (unten).

Der Haastadler starb aus, als die Vorfahren der heutigen Maori im 13. Jahrhundert begannen, Neuseeland zu besiedeln. Während die Moas von den Polynesiern als Nahrung gejagt wurden, geht man heute davon aus, dass die Adler systematisch ausgerottet wurden, weil sie als Menschenfresser galten.

Alte Erzählungen der Maori über einen gefährlichen Riesenvogel namens Te Pouakai oder Te Hokioi erzählen, dass der Adler auf Menschen Jagd machte. Dies bestätigt auch eine Studie der University of New South Wales aus dem Fachblatt Journal of Vertebrate Paleontology von 2009.

Anhand von Knochenuntersuchungen des Adlers stellten die Wissenschaftler fest, dass sich der Vogel von einem erhöhten Platz aus auf seine Beute mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Kilometern pro Stunde herabstürzte. Dann durchbohrte der Haastadler seine Beute mit seinen tigerähnlichen Krallen, die sogar Knochen durchschlagen konnten. Experten gehen davon aus, dass der Haastadler auch durchaus in der Lage war, Kinder oder gar Frauen zu jagen.