Bodensee-Kilch

Bodensee-Kilch Coregonus gutturosus
Abbildung des Bodensee-Kilches aus dem Jahr 1858. Das Bild entstammt dem Buch Die Suesswasserfische der Oestreichischen Monarchie mit ruecksicht auf die angraenzenden Laender von Rudolf Kner und Johann Jakob Heckel.
Bodensee-Kilch – Steckbrief
alternative Bezeichnung Kilch
lateinische Namen Coregonus gutturosus, Coregonus acronius, (Salmo maraena gutturosa)
englischer Name Lake Constance Whitefish
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Bodensee (Deutschland, Österreich und Schweiz)
Zeitpunkt des Aussterbens 1970er-Jahre

Bodensee-Kilch bewohnte tiefe Zonen des Sees

Der Süßwasserfisch Bodensee-Kilch war einst in den tiefen Bereichen des Bodensees heimisch. Der olivgrüne oder braune Fisch konnte eine Länge von rund 29 Zentimetern erreichen und wog etwa 125 Gramm.

Zunächst hat der Mediziner und Naturwissenschaftler Johann Friedrich Gmelin den Bodensee-Kilch 1818 als Unterart der Großen Maräne (Salmo maraena) beschrieben. Noch im selben Jahr hat man den Kilch vom Bodensee zur eigenen Art erklärt: Coregonus gutturosus.

Im Jahr 1854 gab der Mediziner Wilhelm Ludwig von Rapp dem Bodensee-Kilch eine neue lateinische Bezeichnung: Coregonus acronius. Der Grund: Rapp betrachtete die unterschiedlichen Kilch-Populationen in Ammersee, Genfersee und Attersee als eine Art.

Schließlich verwendete der Schweizer Fischkundler Maurice Kottelat dann wieder die von Gmelin eingeführte wissenschaftliche Bezeichnung, da er den Artbegriff nur auf die Kilche im tiefen Bereich des Bodensees beschränkte.

Eutrophierung des Bodensees schadete dem Kilch

eutrophisierung bodensee / bodensee-kilch
Die Grafik zeigt die Phosphorkonzentration im Bodensee von 1951 bis 2005.
Heutzutage gilt die Wasserqualität des Bodensees als sehr gut, doch nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Verschmutzung des Sees stetig zu. Durch einen hohen Phosphateintrag aufgrund von Düngemitteln und Abwässer kam es in den 1950er-Jahren zur Eutrophierung des Bodensees. Eutrophierung führt dazu, dass Algen und andere Pflanzen im See ungehemmt wachsen und anderen Lebewesen die Lebensgrundlage entziehen.

Trotz diverser Maßnahmen war die Phosphorkonzentration um 1980 immer noch zehnmal so hoch wie der Normwert. Zu Beginn der 1980er-Jahre hat man in Grundnähe des Sees teils sogar gefährlich niedrige Konzentrationen an Sauerstoff gemessen – der Bodensee-Kilch lebte am Grund des Sees. Der Sauerstoffmangel hatte zudem zur Folge, dass sich die Eier vieler Fische nicht entwickeln konnten.

Vermutlich starb der Bodensee-Kilch aufgrund der Eutrophierung schon in den 1970er-Jahren aus. Auch die IUCN stuft die Fischart als ausgestorben ein. Ein ähnliches Schicksal ereilte die Gravenche (Coregonus hiemalis), ein ausgestorbener Kilch, der einst im Genfersee lebte.

Kilch vom kommerziellen Fischfang betroffen?

Die IUCN weist darauf hin, dass es sich beim Kilch vom Bodensee um eine Fischart handelt, die in den 1960er-Jahren auch kommerziell gefangen wurde. Ob dies tatsächlich Mitursache für das Aussterben der Art ist, ist fragwürdig, denn das Angeln der Tiere gestaltete sich kompliziert. So waren gefangene Kilche häufig verunstaltet, da der Bauch durch das Heraufziehen des Tieres aus der Tiefe und den fallenden Wasserdruck stark auftrieb und sogar platzen konnte.

Vielleicht gibt es aber ein wenig Hoffnung: Den ebenfalls ausgestorben geglaubten Bodensee-Tiefwassersaibling (Salvelinus profundus) haben Forscher nach gezielten Suchen 2016 im Bodensee wiederentdeckt, so ein Artikel des Südkuriers. Da erscheint es nicht ganz unmöglich, dass auch der Bodensee-Kilch überlebt haben könnte.