Gravenche

gravenche Coregonus hiemalis
Eine Zeichnung der Gravenche aus dem Buch The Fresh-Water Fishes of Europe von Harry Govier Seeley (1886). Die Art konnte eine Körperlänge von 25 bis 32 Zentimetern erreichen.
Gravenche – Steckbrief
alternative Bezeichnungen Kleine Fera, Kilch
lateinischer Name Coregonus hiemalis
englische Namen Gravenche, Lake Genevva Whitefish, Little Fera
ursprüngliches Verbreitungsgebiet Genfersee (Frankreich, Schweiz)
Zeitpunkt des Aussterbens etwa 1950

Die Gravenche war nur im Genfersee heimisch

Bei der Gravenche oder der Kleinen Fera handelte es sich um einen Süßwasserfisch, der im Genfersee heimisch war. Leider gibt es von dieser Fischart keinerlei konservierte Museumsexemplare, sodass unklar ist, welcher Spezies sie genau angehört.

Der Schweizer Fischkundler Emile Dottrens nahm 1959 an, die Gravenche sei eine Unterart des Lavarets (Coregonus lavaretus), eine noch heute existierende Fischart, die einst auch im Genfersee zu finden war.

Die Fischkundler Maurice Kottelat und Jörg Arthur Freyhof jedoch betrachten die Kleine Fera als eine eigene Art, die ausschließlich im Genfersee endemisch war. Heute sind sich Wissenschaftler darüber einig, dass sich die Kleine Fera lediglich in Bodennähe und großen Tiefen des Genfersees aufhielt.

Ältere Quellen, die die Fischart auch in Ammersee, Bodensee und Chiemsee gesehen haben wollen, gelten als fehlerhaft. Diese beziehen sich vermutlich auf andere Fischarten wie den seltenen Ammersee-Kilch (Coregonus bavaricus), den ebenfalls ausgestorbenen Bodensee-Kilch (Coregonus gutturosus) und den Chiemsee-Kilch (Coregonus sp.).

Aussterben durch Eutrophierung und Überfischung

eutrophierung kaspisches meer
Bild des Kaspischen Meeres, das Eutrophierung zeigt: Algenblüte durch hohe Zufuhr von Dünger.
Gründe für das Aussterben dieser Art waren in erster Linie Eutrophierung und Überfischung. Mit Eutrophierung ist die Nährstoffzunahme in einem Gewässer gemeint, woraus ein schädliches Pflanzen- bzw. Algenwachstum ensteht.

Es kommt zur Eutrophierung, wenn Abwasser oder Dünger von landwirtschaftlichen Flächen in den See geleitet wird.

Neben der ebenfalls bereits ausgestorbenen Féra gehörte die Kleine Fera zu den am stärksten gefangenen Speisefischen im Genfersee. Denn um 1890 betrug der Anteil gefangener Fische beider Arten fast 70 Prozent aller im Genfersee lebenden Fische.

Durch die Überfischung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert konnte die Gravenche um 1920 herum kaum noch nachgewiesen werden, so die IUCN. Viele Suchen nach dem Fisch blieben erfolglos. Experten gehen davon aus, dass die Fischart etwa ab 1950 ausgestorben war.