Vom Aussterben bedroht?

01.09.2008

Unbekannte Riesenmuschel im Roten Meer entdeckt

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Wie Spiegel Online berichtet, wurde eine neue Riesenmuschel im Roten Meer entdeckt. Die neu entdeckte Art ist schon vom Aussterben bedroht - nach Angaben der Forscher wegen der Überfischung in der Region.
Es war ein Zufallsfund: “Wir haben Riesenmuscheln für Kultivierungsexperimente gesammelt, als uns Besonderheiten an den Tieren auffielen”, berichtet Claudio Richter vom Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven. Im Rahmen eines deutsch-jordanischen Kooperationsprojektes habe sein Team nach Möglichkeiten gesucht, die Riesenmuschel Tridacna maxima zu züchten. Die Muschel ist bei Aquarianern sehr beliebt, eine erfolgreiche Zucht könnte nicht nur die steigende Nachfrage bedienen, sondern auch die dezimierten Bestände im Roten Meer schützen.
Beim Sammeln der Tiere fiel den Forschern eine Riesenmuschel auf, die zwar Eigenschaften von zwei im Roten Meer bekannten Arten, aber auch sehr eigene Merkmale aufweist. “Es hat uns schon gewundert, dass bisher niemand über diese deutlich sichtbaren Besonderheiten wie den stark gezackten Schalenrand gestolpert ist”, sagt Richter.
Eine genetische Stammbaumanalyse brachte die Gewissheit: Bei dem Fund handelte es sich um eine bislang nicht bekannte Art, sie bekam den Namen Tridacna costata. Es sei die erste Neubeschreibung einer Riesenmuschel seit mehr als 20 Jahren, berichten die Forscher im Fachblatt “Current Biology”. Weitere Untersuchungen hätten gezeigt, dass Tridacna costata im Gegensatz zu den beiden Schwesterarten Tridacna maxima und Tridacna squamosa nur auf dem Dach tropischer Riffe im Roten Meer vorkomme und sich anders fortpflanze.
Tridacna costata wird bis zu 40 Zentimeter lang. Sie kommt auch fossil vor und hatte nach Angaben der Forscher früher einen Anteil von 80 Prozent an den Riesenmuschelarten im untersuchten Gebiet. Heute gehören nur noch weniger als ein Prozent der gefundenen Muscheln dieser Art an.
“Die Riesenmuscheln sind wahrscheinlich durch eine umfangreiche Nutzung des frühen modernen Menschen stark dezimiert worden”, erklärt Richter. “Tridacna costata lebt festsitzend in flachem Wasser und war somit eine leichte Beute für unsere sich aus Afrika Richtung Mittelmeerraum ausbreitenden Vorfahren.” Riesenmuscheln würden auch heute noch entlang ihres gesamten Verbreitungsgebietes gegessen, aber auch wegen ihrer Schalen gesammelt.
Den Rückgang der Population vor etwa 125.000 Jahren betrachten die Forscher deshalb als ersten Nachweis von Überfischung in der Geschichte der Menschheit. Nach den Rote-Liste-Kriterien der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) ist die neue Art vom Aussterben bedroht.

Artenschutz: Hässliche Tiere sind arm dran

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In der Süddeutschen Zeitung Online fand sich ein interessanter Artikel von Robert Lücke darüber, wieso manche Tiere unbemerkt aussterben und andere wiederum mit allen Mitteln vor dem Aussterben bewahrt werden.

Die Meldungen der Naturschutz- und Umweltverbände stimmen froh. “Große Erfolge - Der Seeadler ist auch als Brutvogel in Österreich wieder auf Erfolgskurs!”, schreibt der österreichische WWF auf seiner Homepage. In Bayern jubelt der Landesbund für Vogelschutz: “Der König der Lüfte kehrt zurück.”
Egal ob Adler, Luchs, Wolf, Bär, Kranich oder Weißstorch - dank intensiver Schutzmaßnahmen wachsen die Bestände nicht nur bei vielen spektakulären heimischen Tierarten; auch über Pandas, Wale und Elefanten melden Artenschützer regelmäßig Positives. Das ist nicht zuletzt ihrer langen und oft mühseligen Arbeit zu verdanken.
Parallel dazu geschieht aber eine weitgehend unbemerkte Katastrophe. Die Bestände vieler unauffälliger Klein- und Singvogelarten brechen zusammen; auch viele wirbellose Tiere - wie Insekten und Quallen - werden immer seltener oder sterben aus. Doch bis auf ein paar Fachleute interessiert das kaum jemanden, denn mit diesen Lebewesen kann man nicht werben.
So bleibt unbekannt, wenn Milben, Motten oder Schnecken gefährdet sind, vermeintlich hässliche, lästige oder gar als schädlich empfundene Tiere. Sie locken keinen Spenden-Cent aus dem Portemonnaie. “Um die unscheinbaren Arten schert sich niemand”, beklagt Ragnar Kinzelbach vom Institut für Zoologie der Universität Rostock.
“Wirbeltierchauvinismus” nennen das kritische Experten. Dabei sind der Fortbestand und die ökologische Bedeutung der langweiligen, hässlichen oder glibberigen Tiere mitunter wichtiger als die Frage, ob in Bayern nun zwei oder drei Seeadlerpaare brüten. […]
Für Wale riskieren etwa die Aktivisten der weltweit wohl bekanntesten Umweltschutzorganisation Greenpeace im Kampf mit Fangflotten ihr Leben. Aber wer kettet sich für die Blindschleiche an eine Planierraupe?
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