Spiegel Online widmet sich dem Thema Elefanten in Kenia. Sie galten schon fast als gerettet. Doch jetzt wird wieder Jagd auf Kenias Elefanten gemacht. Tierschützer sind verzweifelt. Allein in diesem Jahr wurden 14 Tiere im berühmten Amboseli-Nationalpark mitSpeeren angegriffen. Vier starben bereits. […] Der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung und das plötzlich durch ausbleibende Touristen fehlende Geld im Tierschutz hatten Kenia wieder zurückgeworfen in die finstersten Zeiten der Wilderei.
[…] Die Probleme, mit denen die Elefanten konfrontiert werden, sind vielfältig. Während der schlimmsten Jahre der Wilderei zogen sich viele Elefanten in unzugängliche Gebiet zurück, wo sie den Gemetzeln ausweichen konnten. In den ehemaligen Lebensräumen der Elefanten siedelten nun Menschen und bauten Mais oder Getreide an. Seit die kenianische Regierung mit Hilfe des damaligen KWS-Direktors Richard Leakey aber zu Beginn der neunziger Jahre das Morden halbwegs stoppen konnte, kehren immer mehr Elefanten aus ihren Verstecken zurück und treffen nun in zunehmendem Maße auf Bauern, die auf den alten Elefantenrouten nun Felder angelegt haben.
Auch die Umgebung des Amboseli-Nationalparks wird immer dichter bebaut. So berichtet die Tierschutzorganisation “Wildlife Direct”, die einst von Richard Leakey ins Leben gerufen wurde: “Das Ökosystem gerät unter heftigen Druck durch Aufteilung des Lands, das den Park umgibt – dieses wird in steigendem Maß von privaten Geschäftsleuten aufgekauft, die dort Landwirtschaft betreiben oder edle Lodges für Touristen errichten. Einheimische Politiker und Massai-Krieger, die Jobs benötigen, unterstützen diese Tendenz.”
Man kann es verstehen: Eine Bevölkerung, die immer mehr verelendet und von den Tourismus-Einnahmen, die überwiegend in die Taschen korrupter Politiker fließen, so gut wie nicht profitiert, schaut sehnsüchtig hinüber auf das fruchtbare Land, in welchem Kenias Wildtiere grasen. Immer stärker drängen deshalb Massai mit ihren Herden in die Nationalparks, wo das Gras hoch steht und die Wasserlöcher teilweise sogar künstlich angelegt sind. Sie sehen die wohlhabenden Reisenden mit ihren Louis-Vuitton-Täschchen und den teuren Fotoapparaten. Sie sehen, wie sie selber darben, wie die Preise für Lebensmittel in immer absurdere Höhen steigen, und sie sollen tatenlos zusehen, wie ihnen die Löwen die Rinder reißen und die Elefanten den Mais zertrampeln.
Der Tierschutz in Kenia könnte hervorragend funktionieren, wenn die betroffene Bevölkerung an den vielen Safari-Touristen mitverdienen würde. Doch oft werden selbst Kenianer, die ganz konkret unter den Wildtieren leiden, nicht entschädigt. So soll im vergangenen Jahr eine Frau in der Nähe des Amboseli-Parks von einem Elefanten getötet worden sein, ihre Angehörigen bekamen keinen einzigen Kenia-Schilling vom KWS zu sehen.
Möglicherweise sind es enttäuschte Massai, die derzeit Jagd auf Amboselis Elefanten machen. “Die Community will mehr Aufmerksamkeit vom Kenya Wildlife Service”, sagt Soila Sayialel. Doch Kenias Elefanten haben derzeit viele Feinde. “Die Gründe für die Speerangriffe auf Elefanten sind vielfältig”, schreiben die Aktivisten von “Wildlife Direct”, “sie reichen von Rache, politischem Protest, dem eigenen Schutz oder dem Schutz der Ernte, Kriminalität bis zur Elfenbeinwilderei.”