Die Süddeutsche Online schreibt heute, dass bereits in den nächsten 20 Jahren mehr als 50 Prozent des Amazonaswaldes verschwunden sein könnten: durch Abholzung, Niederbrennen oder Vertrocknen.
Schon die Dürre von 2005 führte zu verheerenden Auswirkungen. Millionen von Fische verendeten und der Amazonas fiel auf den niedrigsten Stand seit Menschengedenken. Das wiederum führte zu mehreren Bränden, weil der Regenwald immer trockener wurde. “Über mehrere Monate brannten tausende Quadratkilometer”, sagt José Marengo vom brasilianischen Klimaforschungszentrum CPTEC.
Wie die Süddeutsche schreibt, handelt es sich womöglich um einen Teufelskreis, in den der Amazonas geraten ist. Klimawandel, wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen, Holz und Fleisch tragen zu den Schäden bei.
Brasilien ist in den vergangenen Jahren zum Agrargiganten geworden. “Präsident Lula da Silva möchte mit Exporten den Staatshaushalt sanieren und subventioniert in großem Stil die industrielle Landwirtschaft”, sagt Martin Kaiser von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace.
Billiges Neuland lässt am besten im Regenwald Amazoniens erschließen. So wurden in den letzten Monaten etwa 75000 km² zugunsten von Viehweiden und Sojafeldern vernichtet.
Holz- und Landwirtschaft durchlöchern und zerstören die geschlossen Wildnis. “Sonne und Wind trocknen den Wald durch diese Lücken aus. Feuer greifen dann leichter über”, erklärt der Ökologe Carlo Peres von der Universität von East Anglia.
Es ist zu befürchten, dass am Ende das gesamte Ökosystem kippt und der Regenwald zur offenen Savanne wird. Wann die kritische Schwelle überschritten sein wird, weiß niemand. Einige Ökologen vermuten, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn die Waldfläche zu 50 Prozent zerstört ist, andere setzen die Grenze bereits bei 30 bis 40 Prozent Verlust an.
Allerdings gibt es auch Forscher wie Francis Mayle und Mitchell Power von der Universität Edinburgh, die dem amazonischen Regenwald mehr Widerstandskraft zutrauen: “In der Vergangenheit überstand Amazonien deutlich trockenere Phasen”, schreiben sie und erinnern an eine regenarme Periode vor 8000 bis 4000 Jahren.
Auch im Jahre 2005 bildeten die Bäume trotz Trockenheit viele neue Blätter und betrieben sogar mehr Photosynthese als in normalen Jahren. Das nötige Wasser holten die Pflanzen sich durch längere Wurzeln. Wo keine Brände auftraten, kam die Natur gut mit der Dürre zurecht. Für Mayle und Power ist deshalb klar: “Abholzung und Feuer gefährden Amazonien stärker als der Klimawandel.”