Vom Aussterben bedroht?

28.02.2005

Jane Goodall: Chimpanzees - Reason for hope

Filed under: — doreen @ 11:53 pm

4. März 2005, 20.00 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr)
Zoo Frankfurt, Zoo-Gesellschaftshaus, Großer Saal


www.nationalgeographic.com

Englischsprachiger Vortrag der weltberühmte Schimpansen-Forscherin Jane Goodall

Eintrittspreise: 12,- € für Erwachsene, 9,- € für Schüler und Studenten mit gültigem Ausweis (zzgl. Vorverkaufsgebühr)

Vorverkauf ab dem 11.2.2005 an der Zoo Kasse und bei best tickets gmbh

Nach zehn Jahren freut sich der Zoo Frankfurt ganz besonders, Dr. Jane Goodall wieder begrüßen zu dürfen. Durch Ihren Mut und Ihre unermüdliche Arbeit zum Schutz der Schimpansen ist Jane Goodall zu einer Symbolfigur geworden. Die unkonventionelle Wissenschaftlerin, die den Schimpansen Namen statt Nummern gab, ist nicht nur in Fachkreisen eine Kapazität. Durch Ihre zahlreichen Bücher wie „Ein Herz für Schimpansen“ und „Wilde Schimpansen“ ist sie auch in der breiten Öffentlichkeit bestens bekannt.

In ihrem aktuellen Vortrag „Reason for hope“ stellt sie drei Gründe zur Hoffnung vor. Hoffnung, dass unserer Welt noch zu helfen ist.

Quelle: Zoo-Frankfurt

26.02.2005

Insekt des Jahres 2005: Die Steinhummel

Filed under: — site admin @ 11:07 pm

Die Steinhummel (Bombus lapidarus) ist zu Insekt des Jahres 2005 ernannt worden. Sie repräsentiert damit rund 30 einheimische geschützte Hummelarten, die unschätzbar wertvolle Arbeit beim Bestäuben von Wild- und Nutzpflanzen leisten. Dies teilte das Kuratorium Insekt des Jahres mit. Die schwarze Steinhummel mit dem rötlichen Hinterleib gehört zur Insektenordnung der Hautflügler, die stets zwei paar Flügel besitzen. Die jungen Hummelköniginnen verlassen gegen Ende April ihr Winterquartier und bauen unterirdische Nester, um die bereist begatteten Eier abzulegen. Ein Hummelvolk kann aus bis zu 600 Bewohnern bestehen. Den vielen Vorurteilen zum Trotz ist die Steinhummel ein sehr friedliches Tier. Sollte sie doch einmal zustechen, weil sie sich bedroht fühlt, ist ihr Stich nicht gefährlicher als der einer Biene.

Quelle: herz-fuer-tiere.de, 26.02.2005

www.artdata.slu.se

25.02.2005

Mikro-Terroristen: Killeralgen töten Millionen Fische

Filed under: — site admin @ 11:11 pm

Die Killer sind mikroskopisch klein - doch ihre Wirkung ist verheerend. Rund 18 Millionen Fische hat die “Goldalge” in Texas in den vergangenen Jahren getötet. Inzwischen ist sogar die US-Armee im Einsatz um die Ausbreitung des bösartigen Organismus einzudämmen.

Vor Ort bieten sich deprimierende Bilder: zwei Millionen tote Fische in einem See namens Granbury, mehrere Zehntausend im Possum Kingdom Reservoir und an weiteren Stellen im Einzugsgebiet des Flusses Brazos. Zahlen allein aus den vergangenen Wochen. Leblos im Wasser treiben vor allem Alsen, enge Verwandte von Hering und Sardine. Es trifft aber auch andere, kommerziell gezüchtete oder von Anglern geschätzte Arten. Das Texas Parks and Wildlife Department (TPWD) meldet auch Verluste in Fischzucht-Betrieben.

Gelblich verfärbtes Wasser und ein Schaumfilm auf der Oberfläche verraten den Experten, wer hinter dem Massensterben steckt. Es ist eine winzige, mit bloßem Auge nicht zu erkennende Alge mit einer Vorliebe für brackiges Wasser, wie es im Mündungsgebiet von Flüssen vorkommt, der Übergangszone von Süß- und Salzwasser. Biologen kennen die Art unter ihrem lateinischen Namen Prymnesium parvum; die Leute in Texas sprechen schlicht von der “Gold-” oder “Killeralge”.

Das böse Etikett ist nicht übertrieben, denn die Alge besitzt hochpotente Chemiewaffen. “Die von Prymnesium ins Wasser abgegebenen Gifte greifen die Zellmembran anderer Einzeller an”, weiß der Biologe Urban Tillmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. “Es setzt ein Prozess ein, bei dem die Zelle zuerst ihre Beweglichkeit verliert, dann ihre Form, und letztlich vollständig zerfällt.” Aber auch höhere Organismen wie Fische und Muscheln fallen der Mikroalge zum Opfer, wenn sie die ausgestoßenen Zellgifte über die Kiemen aufnehmen.

Zahl der befallenen Gewässer wächst

Das erste solche Fischsterben gab es in Texas 1985. Seither sind laut TPWD fast 18 Millionen Fische durch Prymnesium-Massenblüten getötet worden. Und neuerdings zeigt der gemeingefährliche Giftzwerg stärkere Ausbreitungstendenzen: Die Zahl der betroffenen Gewässer nimmt laut TPWD seit 2001 zu. Inzwischen seien zwei Dutzend Flüsse und Seen betroffen, rund 120 Gewässer werden permanent überwacht.

Doch die Killeralge tötet auch anderswo, wenn auch nur gelegentlich und nicht so gehäuft wie derzeit in Texas. Wie der TPWD-Forscher Sean Watson herausfand, trat Prymnesium parvum schon 1938 und 1939 unangenehm in Erscheinung. Da brachte die Alge vor der dänischen und niederländischen Küste offenbar tausende Hechte, Barsche, Plötze, Brassen, Schleien und Aale um.

In Israel wütete sie in Karpfenteichen, in England zwischen 1969 und 1975 vor allem in der Thurne und ihren Nebenflüssen. 1989 traf es norwegische Aquakulturen, wo plötzlich Lachse und Regenbogenforellen zuhauf starben; der Spuk dauerte acht Jahre. Fischsterben durch Prymnesium-Toxine wurden schließlich auch aus Marokko, Australien und China gemeldet.

Chimäre, die Fressfeinde vergiftet

Auch in Deutschland hat die Giftalge schon zugeschlagen. 1975 trieben Karpfen leblos in einem Teich auf Fehmarn, 1978 kamen Aale in einem Rückhaltebecken bei Büsum um.

Warum der lautlose Killer von seinen Chemiewaffen gerade in Texas so regen Gebrauch macht, ist bisher ein Rätsel. Die Meeresökologin Edna Graneli von der Universität Kalmar in Schweden glaubt aber zu wissen, was die Alge dazu bringt, ihre Toxine einzusetzen - Nährstoffmangel: “Prymnesium produziert um so mehr Gift, je niedriger der Gehalt an Stickstoff und Phosphor im Wasser ist.”

Dann offenbart die Alge ihre chimärenhafte Natur: Halb ist sie Pflanze und gewinnt Energie aus der Photosynthese; halb ist sie Tier, das andere Plankton-Arten oder sogar Fressfeinde vergiftet und anschließend verschlingt. “Ganze Horden von Algen machen sich so über die dreimal größeren Leichen von Geißeltierchen her und verzehren sie Stück für Stück”, hat Urban Tillmann bei seinen Laborstudien beobachtet. Die Kadaver liefern im Wasser rar gewordene Nährstoffe.

Auch die Armee macht mit bei “Aktion Gold

In Texas läuft inzwischen eine Art konzertierte “Aktion Goldalge”, an der sich ein Dutzend staatliche Institutionen, Universitäten und sogar die US-Armee beteiligen. Man will mehr über die Biologie des Killers erfahren – und Wege finden, die Massenblüten einzudämmen. Zwar gibt es anorganische Bekämpfungsmittel wie Kupfer- und Ammoniumsulfat, die auch eine Zulassung der US-Umweltbehörde EPA besitzen. Chemikalien ins Wasser zu gießen, gilt jedoch nicht mehr als zeitgemäß. Das TPWD experimentiert jetzt mit Gerstenstroh, Forscher der Woods Hole Oceanographic Institution mit Tonmineralen. Die sollen die Killeralgen förmlich aufsaugen und mit ihnen auf den Gewässergrund sinken.

Doch das verlagert das Problem nur. “Die bisherigen Ergebnisse sind nicht gerade viel versprechend”, sagt Edna Graneli. Denn auch am Grund blieben die Algen-Toxine weiter wirksam. Dann schädigten sie vielleicht keine Fische mehr, dafür aber Bodenorganismen. In den bisherigen Versuchen, so Graneli, seien die abgesunkenen Giftstoffe erst nach mehr als 15 Tagen abgebaut worden.

Auch in Europa wollen sich Forscher jetzt stärker mit Prymnesium parvum und anderen Giftalgen befassen. In neuen EU-Projekten sollen unter anderem Biotest-Systeme entwickelt werden, um Massenvermehrungen gefährlicher Arten frühzeitig erkennen zu können. “In den letzten Jahren sind solche Ereignisse ein zunehmendes Problem geworden”, heißt es beim beteiligten Alfred-Wegener-Institut, “insbesondere entlang europäischer Küsten.”

Quelle: Spiegel-Online, 25. Februar 2005
von Volker Mrasek

Neue Verordnung: Mehr Schutz für kleine Wale in Schleswig-Holstein

Filed under: — doreen @ 10:41 pm

Eine neue Fassung der Küstenfischereiordnung (KüFO) ist in Schleswig-Holstein seit dem 18.02.2005 in Kraft. Damit gibt es endlich klare Bestimmungen für das zum Nationalpark Wattenmeer gehörende Walschutzgebiet bei Sylt.

In der gesamten Nordsee verenden jährlich tausende von Tieren unserer einzigen heimischen Walart als Beifang in Fischernetzen. Die Rede ist vom Schweinswal. Vor allem so genannte Stellnetze sind eine große Gefahr für diese bedrohten
Meeressäuger. Damit soll zumindest im Walschutzgebiet vor der Insel Sylt jetzt Schluss sein. Das Kieler Umweltministerium hat neue Regelungen für den Schweinswalschutz in die Küstenfischerei Ordnung (KüFO) eingearbeitet. Danach dürfen Stellnetze im Walschutzgebiet nur noch eine maximale Höhe von 1,30 m und eine maximale Maschenweite von 150 mm haben. Nach den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen sollen solche Netze für Schweinswale weitgehend ungefährlich sein. Um dieses zu überprüfen, müssen künftig jedoch alle Schweinswalbeifänge gemeldet werden.

Die Naturschutzverbände Schutzstation Wattenmeer und WWF begrüßen die erneuerte Verordnung als einen Schritt in die richtige Richtung: “Entscheidend für die Schweinswale ist jedoch, dass diese Regelung auch ins EU-Recht übertragen wird, erklärt Heike Weigt, Biologin bei der Schutzstation Wattenmeer, “damit die neuen Vorgaben nicht nur für deutsche Fischer gelten, sondern auch für deren Kollegen aus Dänemark, die ebenfalls im Walschutzgebiet fischen dürfen.” Es ist deshalb erfreulich, dass zeitgleich mit dem Inkrafttreten der neuen KüFO eine umfassende Begründung für die Übernahme ins EU-Recht über Berlin nach Brüssel geschickt wird. Um die Schweinswale der Nordsee zu retten ist darüber hinaus noch mehr erforderlich: “Auch die anderen Gebiete in denen Schweinswale besonders häufig sind müssen vor Stellnetzen geschützt werden³, so Dr. Hans-Ulrich Rösner vom WWF und fordert dringend auch mehr Forschung für ungefährliche Fischereitechniken.

Quelle/Text: Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V
aus dem Artenschutz.info-Newletter vom 25.02.2005

23.02.2005

Meeressäuger: Walgesang geht im Lärm unter

Filed under: — doreen @ 12:55 pm

Schiffsverkehr und Schallexperimente stören das empfindliche Gehör der Wale mehr als bisher angenommen. Der Gesang der Meeressäuger könnte verstummen, bevor man dessen Bedeutung richtig verstanden hat.

Die Gespräche der Wale spielen sich vor einer gewaltigen Geräuschkulisse ab. Ebbe und Flut, Stürme und unterirdische Seebeben sorgen für ein beeindruckendes natürliches Rauschen. Immer öfter ist es aber auch der Donner von Erkundungsexplosionen für die Ölförderung, der Schall militärischer Experimente und natürlich der Lärm der Schifffahrt, der sich in den Weiten der Meere ausbreitet. “Bei diesem Ozean-Smog passiert es immer häufiger, dass sich die Wale überhaupt nicht mehr verstehen können”, berichtet Christopher Clark nun auf der Jahrestagung der größten US-Wissenschaftsorganisation AAAS in Washington.

Seit rund neun Jahren untersucht der Meeresbiologe von der Cornell University mit seinem Team den Gesang der Wale. Mittels der Unterwassermikrofone des Sound Surveillance System (Sosus) - ein Abhörsystem vor den Küsten Amerikas, gebaut in Zeiten des Kalten Kriegs - sammelte er Klangproben von verschiedenen Arten, lokalisierte deren Position im Atlantik und erstellte daraus eine Art akustische Karte.

Clark konnte beobachten, dass die Routen, die Wale während ihrer Wanderungen durch die Meere nutzen, oft entlang flacher Küstenlinien verlaufen, wo auch viele bevorzugte Futterplätze liegen. “Das sind leider schon längst die lautesten Orte im Meer”, sagt Clark. Ausgerechnet von dort senden männliche Wale zumeist ihren Gesang an die Weibchen aus. Die Weibchen aber können den Gesang wegen der Lärmverschmutzung möglicherweise nicht mehr hören. Informationen über geeignete Brutplätze und Nahrungsvorkommen gehen verloren. “Der Bereich, in dem sich der Gesang der Wale ungestört ausbreiten kann, schrumpft immer weiter zusammen”, sagt Clark.

Bisher ist die Verständigung der Wale nur zum Teil erforscht. Das komplizierte Kommunikationssystem dient den Tieren, um sich auch über lange Distanzen zu verständigen. Der Laut eines Blauwals reicht im Wasser mehr als 500 Kilometer weit, auch die Lieder der Finnwale legen weite Strecken zurück. Buckelwale singen während ihrer Wanderung von den Futterplätzen in der Antarktis zu den Gebieten, in denen sie ihre Junge gebären.

Alle Tiere nutzen hierfür einen natürlichen Unterwasser-Verstärker. Die Schallwellen können am besten in einem Kilometer Tiefe übertragen werden, denn hier bilden sinkende Temperaturen und der hohe Druck einen Kanal. In einen solchen Tunnel eingebettet, können die Gesänge Hunderte von Kilometern zurücklegen.

Einwirkungen von außen, wie etwa der Lärm vorbeiziehender Schiffe, kann diese empfindlichen Wege entscheidend stören. Erst vor kurzem haben Wissenschaftler der Columbia University bewiesen, dass Schall, wie ihn die Industrie auf der Suche nach Erdöl einsetzt, den Gesang der Wale behindern kann. In den amerikanischen Gewässern wurden daraufhin die Richtlinien, die dort operierende Schiffe einhalten müssen, verschärft. Der Radius, in dem sich während Schall-Tests kein Wal aufhalten darf, wurde vergrößert.

Auch Clark fordert weitere Schutzmaßnahmen. Schiffe müssten noch viel leiser werden, die erlaubten Routen besser auf die Wege der Meerestiere abgestimmt werden.

Quelle: Spiegel Online, 23. Februar 2005
von Nicola Kuhrt, Washington

19.02.2005

Trotz Treibjagd-Verbot: Füchse in England leben gefährlich

Filed under: — site admin @ 3:33 am

London - In England und Wales ist die Treibjagd mit Hunden auf Füchse, Hasen und Rotwild seit dem 18. Februar offiziell verboten. Fuchsteufelswild haben die Jagdbefürworter auf das neue Gesetz reagiert. Ein wichtiges Erbe des Landes werde mutwillig zerstört, wetterte Historikerin Jane Ridley. Viele Jagdfans haben angekündigt, dass sie ihr liebstes Hobby weiterhin betreiben werden – wenn es sein muss, illegal. Die hohen Strafen – umgerechnet 7500 Euro oder bis zu zwei Jahre Gefängnis - scheinen die jagdlustigen „Rotfräcke“ nicht abzuschrecken, denn sie glauben nicht, dass es die Polizei mit der Verfolgung der Jagdsünder allzu genau nehmen wird. Schließlich habe die sich um weit wichtigere Verbrechen zu kümmern.
Bis zu 25 000 Füchse werden in Großbritannien jedes Jahr bei Hetzjagden getötet Daher haben Füchse kaum feste Reviere und keine festen Bindungen. Meistens paart sich ein Fuchs mit allen erreichbaren Füchsinnen, um für ausreichend Nachwuchs zu sorgen.

Quelle: herz-fuer-tiere.de, 19. Februar 2005

15.02.2005

Australische Forscher geben Klon-Versuch von Tasmanischem Tiger auf

Filed under: — site admin @ 7:49 pm

Sydney (AFP) - Australische Wissenschaftler haben den ehrgeizigen Versuch aufgegeben, den seit 1936 ausgestorbenen Tasmanischen Tiger zu klonen. Die aus einem konservierten Jungtier gewonnene DNA des Beuteltiers sei zu stark beschädigt, um sie zu analysieren, sagte der Chef des Australischen Museums, Frank Howarth, am Dienstag dem Fernsehsender ABC. Zudem fehle dem Museum das technische Know-how, um die Zellen des Tieres zu klonen.

Bei dem Tasmanischen Tiger (Thylacinus) handelte es sich um ein gestreiftes Hunde-ähnliches Beuteltier, das auf dem australischen Festland seit 2000 Jahren ausgestorben ist. Auf der südaustralischen Insel Tasmanien hielt sich das Tier aber noch bis ins 20. Jahrhundert hinein, das letzte Exemplar starb 1936 in Hobart in Gefangenschaft.

Quelle: yahoo-News, 15. Februar 2005

11.02.2005

Naturparadiese durch Schnellfähren gefährdet

Filed under: — site admin @ 4:29 pm

Walen und Delfinen droht weltweit eine neue, tödliche Gefahr. Schnellfähren, die mit enormen Geschwindigkeiten die Meere durchpflügen, verursachen in zunehmendem Maße Kollisionen mit den Meeressäugern. Jüngstes Beispiel: die Kanarischen Inseln. Die Fährverbindungen zwischen den Kanaren, einem der großen Urlaubsparadiese der Deutschen, werden mit sogenannten High-Speed-Fähren weiter ausgebaut. Erst kürzlich wurde die Insel La Palma an das Schnellfährennetz angeschlossen, nun sollen die Touristen auch über die Linie Teneriffa-El Hierro noch schneller an ihr Ziel gebracht werden. Zudem wird ab Mai diesen Jahres die Verbindung Teneriffa-Gomera erweitert: Bald soll ein neuer, über 100 Meter langer Trimaran zwischen La Palma, Teneriffa und La Gomera verkehren. Die Schnellfähren durchqueren mit Geschwindigkeiten von bis zu 75 km/h Gebiete, die für viele Populationen von Walen und Delfinen eine existentielle Bedeutung haben. Diese Gewässer sind von so hohem Wert, dass sie von der Europäischen Union als schützenswert eingestuft wurden. Vor Teneriffa ist gar eine bereits ausgewiesene Schutzzone direkt betroffen.

Die Gewässer der Kanarischen Inseln beherbergen eine außerordentliche Vielfalt an Walen und Delfinen. Die teilweise seltenen Arten sind durch den enorm ansteigenden Schnellfährverkehr in akuter Gefahr, weil die Routen durch ihre Lebensräume verlaufen und die Tiere den herannahenden Schiffen nicht rechtzeitig ausweichen können. “Es hat in der Vergangenheit auf den bestehenden Fährlinien immer wieder Kollisionen mit Walen gegeben, die in der Regel für die Tiere tödlich sind. Die Dunkelziffer ist hoch, Schätzungen gehen jedoch von mindestens 20 getöteten Walen pro Jahr allein im Gebiet der Kanaren aus”, so der Verhaltensbiologe Fabian Ritter vom Berliner M.E.E.R. e.V., der dort seit Jahren die Wale und Delfine erforscht. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf diesen Routen kann das Ökosystem nicht ohne weiteres verkraften und hat Folgen für die Tierwelt. Die Kollisionsgefahr, die von den Fähren ausgeht, gesellt sich dabei zu bereits vorhandenen Belastungen wie Meeresverschmutzung, Überfischung und Lärmbelästigung, unter denen die Tiere zu leiden haben” so Ritterweiter. Die Umweltbehörden sind indes machtlos, da der Schutz der Meereswelt vordergründig als dem Tourismus zuwiderlaufend wahrgenommen wird und diesem als wichtigsten Wirtschaftsfaktor Priorität eingeräumt wird.

Schnellfähren sind nicht nur auf den Kanaren ein wachsendes Problem. Weltweit werden immer schnellere Fähren gebaut und neue Fährverbindungen eingerichtet. Es gibt Pläne für neue Schnellfähren, die Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h erreichen können - mit noch größerem Fassungsvermögen für Autos und Passagiere. Die Natur bleibt im wahrsten Sinne auf der Strecke. “Da können ernsthafte Auswirkungen nicht ausbleiben”, so Ritter. In der Wissenschaft wird das Thema bereits diskutiert. Touristen wissen aber in den seltensten Fällen von der Gefahr, die von den Fähren ausgeht. “Und es geht nicht nur um die Wale und Delfine. Alle Lebewesen nahe der Meeresoberfläche, sind in Gefahr: Haie, Meeresschildkröten, sogar Meeresvögel. Deshalb tut Aufklärung dringend Not, damit gut informierte und verantwortungsvolle Touristen Ihre Entscheidung bewusst für langsamere Schiffe treffen können”, sagt Jörg-Dürr Pucher von der Deutschen Umwelthilfe. Er fordert, innerhalb von Schutzgebieten keine Schnellfähren zuzulassen. Eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h kann das Risiko von Kollisionen deutlich reduzieren, da wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, dass ab einer höheren Geschwindigkeit die Zahl der Zusammenstöße deutlich ansteigt.

Quelle: Artenschutz.info-Newsletter, 11. Februar 2005

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