Was bedeutet Aussterben?
Aussterben ist das Verschwinden von Arten, Gattungen, Stämmen von Lebewesen, die sich biotischen (lebend, Gesamtheit aller lebenden Umweltfaktoren) oder abiotischen (nicht lebend, Gesamtheit aller chem. und physik. Eigenschaften der Umwelt) Umweltänderungen nicht anpassen konnten (alternde Stammesreihen). Oft gehen aber auch Stammesreihen ohne erkennbare morphologische (durch äußere Einflüsse bedingte Gestaltungsvorgänge) oder pathologische (krankheitserregend) Degenerationserscheinungen (Degeneration = Rückbildung, Entartung), zugrunde.
Mögliche Ursachen des Aussterbens:
1) Verdrängung durch konkurrenzüberlegene Formen. Die Konkurrenz anderer Tiere oder das "Nachziehen" von Parasiten und Fressfeinden mag die Überlebensfähigkeit einer Art beeinträchtigt haben, erstens weil eine zunächst allein ausgebeutete Nahrungsquelle mit anderen zu teilen nicht möglich ist und zweitens, weil so weniger Unterschlupf- und Nistmöglichkeiten vorhanden sind.
2) Zu einseitige Spezialisierung (= Überspezialisierung; Riesenformen). Zum Beispiel die Anpassung eines Insekts an eine bestimmte Nährpflanze, die zunächst vorteilhaft ist, weil es daran wenige Konkurrenten gibt, führt oft dazu, dass nach einiger Zeit nur noch sie allein akzeptiert wird. Verschwindet die Pflanze, muss der vorübergehende Vorteil mit dem Artentod bezahlt werden.
3) Stark spezialisierte Arten haben oft schon bei geringen Umweltveränderungen (Beispiele dazu sind: Meeresspiegelveränderungen, Klimaschwankungen) nicht mehr die Möglichkeit sich anzupassen und sterben deshalb aus; zum Beispiel gewisse Fische der antarktischen Gewässer sterben bereits bei 6°C den Wärmetod.
4) Weiterentwicklung in der eigenen Gruppe: intraspezifische (arteigene) Konkurrenz als normaler Ablauf der Stammesentwicklung. Die Datierung von Fossilien ergab, dass das Ausmaß des Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zeitlichen Schwankungen unterworfen war.
So sind neben mehreren kleinen fünf große Ereignisse von Massensterben (= Extinktion) bekannt. Sie zeigen in ihrem Auftreten eine gewisse Periodizität, die die Einwirkung äußerer physikalischer Einflüsse vermuten lässt, entweder als einmaliges Ereignis und dessen Folgen (Katastrophentheorie) oder als eine allmähliche Änderung der Lebensbedingungen. Für das Aussterben vieler Großtiere in der Eis- und Nacheiszeit ist zum Teil der Mensch verantwortlich.
Ausgerottet wurden zum Beispiel Auerochse (Ur), Quagga, Dodo, Moa, Riesenalk, Stellersche Seekuh, die Amerikanische Wandertaube, der Tasmanische Beutelwolf und vor allem durch Jagd, Urbarmachung und Bebauung.
Ursachen für das verstärkte Aussterben von Arten in neuerer Zeit sind zum Beispiel die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes und der Nahrungsgrundlagen (u.a. durch steigende Umweltverschmutzung; Giftige Chemikalien haben sich in den Nahrungsnetzen angereichert und schädigen vor allem diejenigen Arten, die am Ende der Nahrungsketten stehen. Beispielsweise wird der Calciumstoffwechsel der Vögel beeinträchtigt, so dass die Eier weiche Schalen haben und die Jungen missgebildet sind. Auch bei manchen fleischfressenden Tieren wird die Fortpflanzung gestört. Wasserverschmutzung und steigende Wassertemperaturen - verursachen beispielsweise durch die Zerstörung der natürlichen, Schatten spendenden Ufervegetation - haben in vielen Gewässern zum Aussterben der dort beheimateten Fische geführt.) und die ausgedehnte Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln.
Seit dem 17. Jahrhundert hat sich jedoch das Artensterben durch das Wachstum der menschlichen Bevölkerung und durch die Auswirkungen der Technik auf die natürlichen Ökosysteme stark beschleunigt. Heute verändert sich die Umwelt in weiten Teilen der Erde so schnell, dass die meisten Arten sich daran nicht durch natürliche Selektion anpassen können. |